Zum Tod von Johanna Quandt Unternehmerin mit "Begeisterung und Leidenschaft"

Johanna Quandt im Jahr 2009, als sie in Wiesbaden das große Bundesverdienstkreuz verliehen bekommt

(Foto: dpa)

Sie war erfolgreiche Unternehmerin, Stifterin und Deutschlands zweitreichste Frau: Die BMW-Großaktionärin Johanna Quandt ist gestorben.

Die deutsche Unternehmerin und BMW-Erbin Johanna Quandt ist tot. Die Witwe des Industriellen und BMW-Retters Herbert Quandt starb im Alter von 89 Jahren in Bad Homburg, wie die Johanna-Quandt-Stiftung der Süddeutschen Zeitung bestätigte.

Damals noch als Johanna Bruhn, arbeitete sie in den 1950ern als Assistentin von Herbert Quandt. 1960 wurde sie dessen dritte Ehefrau. Nach Herberts Tod 1982 erbte Johanna Quandt das Milliarden-Imperium und verwaltete die Unternehmensbeteiligungen weiter. Allein am Autokonzern BMW hielten sie und ihre Kinder Susanne Klatten und Stefan Quandt zuletzt knapp 47 Prozent der Stammaktien. Daraus ergaben sich laut BMW-Jahresbilanz 2014 Dividendenzahlungen von etwa 815 Millionen Euro. Zudem war Quandt zeitweise Mitglied im Aufsichtsrat des Autobauers. Johanna Quandt war nach ihrer Tochter Susanne Klatten die zweitreichste Frau Deutschlands.

Reaktionen von BMW

Der BMW-Aufsichtsratsvorsitzende Norbert Reithofer würdigte die Unternehmerin mit den Worten: "Johanna Quandt hat mit ihrer Herzlichkeit und ihrer warmen, unkomplizierten Art ihr Umfeld beeindruckt". Harald Krüger, der seit einigen Monaten neuer Vorstandschef ist, sagte: Die Großaktionärin habe dem Unternehmen "Begeisterung und Leidenschaft" entgegengebracht. Sie habe ihm "Rückhalt und Sicherheit gegeben."

Manfred Schoch, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender ist, hob hervor, Johanna Quandt habe "auch bei unterschiedlichen Interessenlagen nie die Bodenhaftung verloren - und in schwierigen Zeiten die Anliegen der einfachen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Auge behalten."

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Das Quandt-Imperium

Die Quandt-Familie ist seit Jahrzehnten an zahlreichen deutschen Unternehmen beteiligt. Firmenpatriarch Günther Quandt hinterließ seinen Söhnen Harald und Herbert 1954 eine Unternehmensgruppe mit etwa 200 Firmen. Darunter waren Anteile an Daimler-Benz, BMW, dem Ölkonzern Wintershall oder dem Batterienhersteller Varta. Vor dem Hintergrund einer finanziellen Krise von BMW erhöhte Herbert Quandt 1959 seine Beteiligung an dem Unternehmen. Seither ist die Familie Quandt Hauptaktionär des bayerischen Autoherstellers.

Politische Betätigung

Aufsehen erregten Quandts finanzielle Zuwendungen an die Politik. Die Parteien CDU und FDP erhielten von ihr Parteispenden über Hunderttausende Euro. Dies stieß auf Kritik aus der Opposition, da die Zahlungen teilweise flossen, bevor für die Autoindustrie bedeutende Weichen gestellt wurden.

Gesellschaftliches Engagement

Die von Quandt 1995 gegründete Johanna-Quandt-Stiftung setzt sich dafür ein, den Stellenwert privaten Unternehmertums zu fördern. Die Stiftung vergibt jährlich den "Herbert-Quandt-Medien-Preis" für publizistische Arbeiten. Die von ihr gegründete "Stiftung Charité" fördert unternehmerische Medizinprojekte. 2009 wurde Quandt mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

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