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Zulieferer Magna:Der Schwarzenegger der Automobilindustrie

Der Österreicher Frank Stronach ist nach Amerika ausgewandert - und extrem erfolgreich: Er baut Autos für andere und gilt als möglicher Investor bei Opel.

Der österreichische Milliardär Frank Stronach wurde im Jahr 1932 als Franz Strohsack in Kleinsemmering geboren. Mit 22 Jahren verließ er die Steiermark. Stronach startete in Kanada eine Tellerwäscher-Karriere vom Werkzeugmacher mit Ein-Mann-Betrieb zum Eigentümer des Konzerns Magna.

Stronach, dpa

Bis zur Finanzkrise war Magna die Erfolgsgeschichte des Auswanderers Frank Stronach. Er hatte als Österreicher in Amerika eine Karriere hingelegt wie außer ihm allenfalls Arnold Schwarzenegger.

(Foto: Foto: dpa)

Das ist der nach Bosch und Denso drittgrößte Autozulieferer der Welt. Nun greift Stronach nach der deutschen General-Motors-Tochter Opel. Ihr droht das Schicksal, von der amerikanischen Mutter in einen Insolvenzstrudel gerissen zu werden. Stronach kauft Opel - eine große Koalition aus dem SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier und dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) hält das für eine gute Idee.

Starke Abhängigkeit von US-Herstellern

Einiges spricht dafür, Opel dem österreichisch-kanadischen Konzern Magna zu überlassen. Magna beliefert fast alle Autohersteller mit Teilen, baut aber auch für einige von ihnen komplette Fahrzeuge: die Mercedes G-Klasse, das Peugeot 308 Coupe, die Porsche Boxster und Cayman, den Aston Martin Rapide und bald auch eine Gelände-Version des Mini. Für BMW stellte Magna lange den X3 her. Manager von General Motors loben die Qualität der bei Magna gebauten Cabriolets der GM-Marke Saab.

Magna produziert aber nicht nur Autos im Auftrag, sondern ist oft bereits an deren Entwicklung beteiligt. Das lief lange sehr gut. Der Konzern mit 82.000 Beschäftigten in 22 Ländern setzte im vergangenen Jahr 24 Milliarden Euro um. Das war fast halb so viel wie BMW.

Dann kam die erste weltweite Absatzkrise der Autoindustrie, der Gewinn schrumpfte auf ein Zehntel. Die starke Abhängigkeit von den drei großen amerikanischen Herstellern General Motors, Ford und Chrysler erwies sich als Nachteil.

Autos für andere zu bauen, ist auch nicht mehr einfach, wie das Beispiel des Magna-Konkurrenten Karmann zeigt, der mangels Aufträgen insolvent wurde. Stronach verbreitert seit Jahren die Basis von Magna. Erst kaufte er 1998 die Steyr Daimler Puch AG. Als Daimler die Fusion mit Chrysler löste, kam Stronach nicht zum Zuge. Er kaufte mehrere kleinere Firmen, so einen Autodach-Hersteller von Porsche.

Bis zur Finanzkrise war Magna die Erfolgsgeschichte des Auswanderers Frank Stronach. Er hatte als Österreicher in Amerika eine Karriere hingelegt wie außer ihm allenfalls der kalifornische Gouverneur und Ex-Schauspieler Arnold Schwarzenegger. Stronach kehrte nach Österreich zurück und sorgte dort für einiges Aufsehen. Es gab Streit um die Mitbestimmung bei Magna.

Der Sponsor Stronach verließ zornig Austria Wien und gründete seinen eigenen Fußballverein. Stronach dekorierte den Magna-Aufsichtsrat mit dem früheren Weltbank-Präsidenten James Wolfensohn, dem einstigen österreichischen Bundeskanzler Franz Vranitzky und Ex-Daimler-Vorstand Klaus Mangold.

Stronach bietet für Opel angeblich mit einem Konsortium. Sein früherer Teilhaber Oleg Deripaska dementiert, wieder dabei zu sein. Die russische Sberbank wird ebenfalls genannt. Stronach hält sich bedeckt. "Kein Kommentar", lässt er über die Magna-Zentrale in Oberwalterdorf ausrichten.

© SZ vom 28.04.2009/hgn
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