Zukunft des Euro-Rettungsschirmes:Wenn die Ratingagenturen den Daumen senken

Praktisch bedeutet dies: Berlin und Paris müssen beim nächsten Treffen der Euro-Chefs in Brüssel einmal mehr versuchen, ihre nationalen Wünsche hintanzustellen. Sie haben keine andere Wahl. Um das europäische Ganze zu retten, wenigstens aber den Euro zu sichern, müssen beide Länder alles vermeiden, was ihre internationale Kreditwürdigkeit verschlechtern und sie in den Fokus der Ratingagenturen rücken könnte.

Deutschland wird sich damit abfinden müssen, dass die Franzosen auf einen nicht allzu großen Schuldenschnitt für Griechenland bestehen. Und darauf, dass wankende Banken notfalls ohne Umweg über staatliche Finanzspritzen direkt aus dem EFSF gerettet werden. Andernfalls dürfte der französische Schuldenberg so stark wachsen, dass das Land ins Visier der Bonitätswächter geraten und die Bestnote verlieren könnte.

Aber Paris muss auch damit leben, dass die Deutschen darauf achten, private Gläubiger an den Kosten der Krise zu beteiligen. Und dass die Europäische Zentralbank nicht zur Gelddruckmaschine umfunktioniert werden darf. Die französische Regierung muss einsehen, dass es irgendwann gefährlich wird, die derzeit stärkste europäische Volkswirtschaft immer weiter zur Kasse zu bitten. Auch den Ratingagenturen dürfte nämlich auffallen, dass die deutsche Wirtschaftskraft nicht reicht, um den Euro allein zu retten - abgesehen davon, dass die Bürger hier nicht mitspielen würden.

Wer wissen möchte, wie dramatisch die Lage ist, dem sei ein Gedankenspiel empfohlen. Gesetzt den Fall, Frankreichs stolze Banken müssten demnächst mit vielen Milliarden Euro Staatsgeld stabilisiert werden, und Paris würde folglich seine Sparziele verfehlen.

Die Ratingagenturen würden den Daumen senken. Dann würde auch der EFSF neu bewertet und wohl seine Bestnote einbüßen. Das würde große Anleger, wie Rentenfonds oder Versicherer, dazu zwingen, nicht mehr in den EFSF, sondern in deutsche Staatsanleihen zu investieren. Schließlich sind Rentenfonds beispielsweise in der Krise verpflichtet, nur Anleihen mit Bestnote zu kaufen. Der EFSF wäre nicht mehr das, was er sein soll.

Die Alternative sieht nicht besser aus. Deutschland könnte natürlich seine ohnehin riesigen Garantien weiter erhöhen, um dem EFSF die Bestnote zu sichern. Doch dann trügen nur noch die Länder Nord- und Mitteleuropas den Euro, der Süden von Griechenland bis Frankreich wäre abgespalten, die Währungsgemeinschaft zerrissen. Zum Aufatmen ist es noch zu früh.

© SZ vom 14.10.2011/aum
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