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Zu Gast in China:BMW und der Kommunismus

Der Vorstandsvorsitzende Harald Krüger gehört nun dem Beirat der School of Economics and Management in Peking an. Hier werden junge Manager der chinesischen Wirtschaftselite ausgebildet.

Von Max Hägler

Es ist eine dieser Institutionen, die China so schwer verständlich erscheinen lassen: An der besten Universität des Landes, der technisch geprägten Tsinghua-Universität, die gerne so etwas wie Stanford wäre, gibt es eine School of Economics and Management (SEM). Hier sollen junge Manager lernen, wie die auf dem Papier eigentlich unvereinbaren Denkschulen Kommunismus und Kapitalismus im Geschäftsleben bestmöglich zusammenkommen - zum Wohle Chinas. Der SEM-Beirat ist dabei exquisit besetzt: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ist Mitglied, wohl um Kontakte zu knüpfen, falls dann mal die Facebook-Zensur fällt. Tim Cook von Apple ist dabei, die Chefs der asiatischen IT-Giganten Baidu und Foxconn. Und nun auch Harald Krüger. Der BMW-Vorstandsvorsitzende wurde in der vergangenen Woche in Peking in der Großen Halle des Volkes am Platz des Himmlischen Friedens ins Amt gehoben - von Staats- und Parteichef Xi Jinping persönlich. Der sieht sich selbst als Tsinghua-Absolvent und möchte, dass China stärker teilhat an den Geschicken der übrigen Welt; exzellente Bildung ist für ihn dabei ein Schlüsselelement. Der Posten sei ein erfreulicher Beleg für das gute Ansehen, das BMW genieße, sagt Krüger. Eingeladen von so einem mächtigen Mann in so einer Runde, das ist auch gut fürs Geschäft, das vor Ort weiterhin kompliziert ist. Xi habe zwar erklärt, das Land zu öffnen, sagte Krüger der Süddeutschen Zeitung. "Wir gehen aber davon aus, dass die Joint-Venture-Pflicht nicht sehr schnell aufgehoben wird - jedenfalls für konventionelle Fahrzeuge." Bislang brauchen ausländische Hersteller einen chinesischen Partner; deshalb ist BMW derzeit in Gesprächen mit der Firma Great Wall, um die Marke Mini vor Ort zu fertigen.

Xi habe den Managern gedankt, dass sie zum wirtschaftlichen Wachstum Chinas beitragen - und über Herausforderungen diskutiert: etwa die Verbesserung der Luftqualität oder die Erhöhung des Wohlstandes der Menschen auf dem Land. Er nehme deshalb von dem spannenden Treffen "Optimismus" mit, sagt Krüger, "wie ein großes Land vorangeht und eine gute Zukunft gestalten will." Nun noch mehr mit Hilfe der Bayern.

© SZ vom 06.11.2017
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