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Zoom:Vier Milliarden über Nacht

Eric Yuan, hier beim Zoom-Börsengang in New York 2019, ist nicht nur Gründer und Chef der Firma, sondern auch Großaktionär.

(Foto: Kena Betancur/Getty/AFP)

Videokonferenzen boomen, Zoom meldet Rekordzahlen - aber wie lange noch?

Von Christoph Koopmann

Für Eric Yuan dürften diese Tage durchaus schöne sein. Yuan ist Gründer, Chef und Großaktionär des Videokonferenz-Dienstleisters Zoom - und hat mit seinen Anteilen mal eben innerhalb weniger Stunden den Wert seines Depots um mehr als vier Milliarden Dollar erhöht. Damit kommt er zwar nicht ganz heran an Amazon-Chef Jeff Bezos und Tesla-Boss Elon Musk, die zuletzt binnen je eines Tages 13 beziehungsweise acht Milliarden Dollar gemacht hatten. Trotzdem darf man den 50 Jahre alten Yuan zu den größten privaten Profiteuren der Corona-Krise zählen.

Das liegt maßgeblich an seinem Unternehmen, das nun ein Rekordquartal meldete: Der Umsatz von Zoom ist im Jahresvergleich um 355 Prozent auf 663,5 Millionen US-Dollar gewachsen. Entsprechend stieg der Aktienkurs seit Montagabend um mehr als 30 Prozent.

Dass diese Monate für Zoom nicht allzu schlecht laufen würden, war schon zu Beginn der Corona-Krise einigermaßen klar. Einem Videokonferenz-Dienstleister könnte - allen schlechten Nachrichten dieser Zeit zum Trotz - wohl kaum Besseres passieren als eine Weltlage, die viele Menschen zu virtueller Kommunikation zwingt. Seit Beginn der Corona-Beschränkungen spielen sich geschäftliche Gespräche genauso wie private Verabredungen auf ein Glas Wein häufig vor der Webcam ab - und dann eben oft via Zoom. Analysten hatten daher ein jährliches Umsatzplus von 500 Millionen Dollar prognostiziert, was auch schon phänomenal gewesen wäre. Zu Beginn der Krise hatte Zoom selbst die Erwartungen noch etwas dämpfen wollen. Man befürchtete, das rasante Wachstum würde wegen nötiger Investitionen viel Geld kosten. Geschadet hat das offenbar nicht: Noch vor einem Jahr lag der Gewinn im zweiten Quartal bei 5,5 Millionen Dollar - jetzt sind es 186 Millionen.

Inzwischen kehren zwar langsam immer mehr Menschen in ihre Büros und Vorlesungssäle zurück, auch zum Feierabend darf meist wieder persönlich angestoßen werden. Zoom aber bleibt optimistisch. Der Boom dürfte den Prognosen des Unternehmens zufolge zwar vorbei sein, doch man rechnet für das laufende Quartal immer noch mit einem Umsatz von 685 bis 695 Millionen Dollar. Für das Geschäftsjahr bis Januar soll er bei 2,4 Milliarden Dollar liegen - zuvor lag die Prognose bei 1,8 Milliarden Dollar.

Mittlerweile hat Zoom 370 000 Geschäftskunden mit mehr als zehn Mitarbeitern, mehr als fünfmal so viele wie vor einem Jahr. Zoom-Chef Yuan sagte, immer mehr Firmen und Institutionen würden sich auf eine Zukunft einrichten, in der man von überall aus arbeiten und lernen kann. Eine Entwicklung, von der sein Unternehmen profitieren dürfte - auch über die Corona-Krise hinaus.

© SZ vom 02.09.2020
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