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Zinsmanipulationen:Libor-Skandal könnte Gewinne der Deutschen Bank schmälern

Es geht um bis zu eine Milliarde Dollar: Der Skandal um Manipulationen des Libor-Zinssatzes könnte die Deutsche Bank empfindlich treffen. Mögliche Strafen könnten das Konzernergebnis in den kommenden zwei Jahren nach unten ziehen. In den USA und Europa sollen Ermittler in Europa bereits die Festnahme von Händlern vorbereiten.

Es geht offenbar um einen Betrag zwischen 300 Millionen und einer Milliarde US-Dollar: Der jüngste Skandal um Zinsmanipulationen wirkt sich negativ auf die Bilanz der Deutschen Bank aus: In Vorstand und Aufsichtsrat werde bereits um die Höhe von Rückstellungen gerungen, berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf Finanzkreise. Es gehe um einen Betrag zwischen 300 Millionen und einer Milliarde US-Dollar. Dieser dürfte sich schon im Halbjahresbericht niederschlagen, den der deutsche Branchenprimus am 31. Juli vorlegen will.

Die Chefin der Finanzaufsicht Bafin, Elke König, hatte in einem Spiegel-Interview Banken dazu aufgefordert, "für eventuelle Schäden angemessene Rückstellungen" zu bilden. Der Libor-Satz wird von Banken ermittelt und genutzt, wenn sie sich untereinander Geld leihen. Er ist Basis für weltweite Finanztransaktionen wie Hypotheken und Derivate im Volumen von mehr als 500 Billionen Dollar. Zahlreiche Großbanken sollen zwischen 2005 und 2011 Versuche unternommen haben, diesen Satz zu manipulieren.

Analysten von Morgan Stanley hatten zuletzt errechnet, dass der Deutschen Bank Strafen in Höhe von insgesamt mehr als einer Milliarde Dollar drohen könnten. Die Summe würde nach der Berechnung der Experten das Ergebnis der Bank 2013 und 2014 um fünf Prozent nach unten drücken. Die Aktie verlor am Montag mehr als fünf Prozent und sackte damit stärker ab als der Gesamtmarkt.

Besonders genau schauen die Vorstände dabei auf den Fall der britischen Großbank Barclays, der in einem Vergleich mit den Bankenaufsehern endete - und bei dem Barclays knapp 500 Millionen Dollar zahlen musste.

War es die Gier einzelner Mitarbeiter oder Manipulation von höchster Stelle?

Eine mögliche Strafzahlung für die Deutsche Bank sollte darunter liegen, hofften Finanzkreise. Denn bisherige Erkenntnisse deuten eher darauf hin, dass einzelne Mitarbeiter aus eigener Profitgier in die Manipulationen verwickelt waren. Von zwei Händlern soll sich die Bank nach Insider-Angaben bereits im vergangenen Jahr getrennt haben.

Dagegen wurde die seit Juni laufende Diskussion über die Manipulationen des in London ermittelten Zinssatzes Libor dadurch befeuert, dass Barclays während der Finanzkrise offenbar von höchster Stelle angeordnet hatte, geschönte Angaben bei der Libor-Stelle zu machen. Ende Juni hatte die Bank deshalb eine Strafe akzeptiert. In der Folge trat Vorstandschef Bob Diamond zurück.

Sogar noch größer als die Gefahr möglicher Strafzahlungen könnte für die Deutsche Bank das Risiko durch Schadensersatzforderungen von privaten Klägern werden. So hat sich die Frankfurter Privatbank Metzler einer Sammelklage in den USA angeschlossen.

Unterdessen stehen die Ermittler in Europa und den USA Justizkreisen zufolge vor den ersten Festnahmen von Händlern. Wie Reuters meldet, bereiteten die Strafverfolger derzeit Anklagen vor. Die Nachrichtenagentur beruft sich auf Rechtsanwälte, die einige der Beschuldigten vertreten. Sie seien unlängst von Washingtoner Staatsanwälten kontaktiert worden, die ihnen mitgeteilt hätten, dass in den nächsten Wochen Festnahmen bevorstünden.

Auch in Europa hätten die Ermittler ein immer klareres Bild von dem Händler-Ring, der jahrlang den Referenz-Zinssatz Libor manipuliert haben soll. "Mehr als eine Handvoll Händler von verschiedenen Banken sind involviert", sagte eine mit den Untersuchungen vertraute Person. Von offizieller Seite gab es keinen Kommentar.

Derzeit prüften die Ermittler alte E-Mails, die sich die verdächtigten Händler zugeschickt haben, um herauszufinden, wer alles zu dem Ring dazugehört. Unter Druck stehen inzwischen auch die Finanzaufsichten in den USA und Großbritannien: Dokumente der US-Notenbank Fed zeigen, dass die Regulierer damals offenbar mehr von den Manipulationen wussten als gedacht. Darin ist unter anderem von einem Anruf eines Barclays-Händlers bei einer Fed-Vertreterin die Rede, in der dieser sagte: "Also wissen wir, dass wir keinen ... ähm ... wahren Libor-Satz melden."

In Deutschland richten sich fragende Blicke auf den neuen Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain. Er war in den vergangenen Jahren für das Investmentbanking verantwortlich, wo die mutmaßlichen Zinsmanipulationen aufgetreten sind. Jain hat sich in den vergangenen Wochen nicht zu dem Skandal geäußert. In Finanzkreisen heißt es, der neue Chef habe von Manipulationen der Händler nichts gewusst.

© dpa/Reuters/olkl/kemp

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