ZentralbankFragen und Antworten zur Politik der Notenbank

Was bezweckt Mario Draghi mit seiner Geldpolitik? Überschreitet er gar seine Kompetenzen? Wichtige Begriffe zur EZB-Entscheidung.

Von Markus Zydra, Frankfurt

Was bedeutet Geldpolitik?

Die Notenbanken versorgen durch ihre Geldpolitik die Wirtschaft mit den nötigen finanziellen Mitteln. Geldpolitik bedeutet immer auch Kreditpolitik, weil die Währungshüter vor allem über den Leitzins den Preis des Geldes und damit die Darlehenskosten steuern. Droht eine Inflation, dann sollten Notenbanken den Leitzins erhöhen. Läuft alles nach Lehrbuch, würde die Kreditnachfrage dann sinken und der Inflationsdruck abnehmen. Das gleiche gilt umgekehrt. Droht ein Wirtschaftsabschwung oder steckt ein Währungsraum in der Rezession, dann würde die Zentralbank den Leitzins absenken, um so die Kreditvergabe zu stimulieren. Die Veränderung der Leitzinsen ist nur eines der geldpolitischen Instrumente. Darüber hinaus steuern Notenbanken die Geldmenge über die Höhe der Mindestreserveanforderung: Wenn die Kreditinstitute höhere Reserven bei der Zentralbank halten müssen, dann haben Banken weniger Geld übrig, das sie als Kredit vergeben können. Die Notenbank dämpft so die Wirtschaft. Dazu kommen die Offenmarkt-Geschäfte. Hier kauft die Zentralbank unter Einsatz der Notenpresse Wertpapiere am Markt. Die umstrittenen Staatsanleihekäufe der EZB gehören in diese Kategorie.

Bild: dpa/Boris Roessler 10. März 2016, 12:002016-03-10 12:00:44 © SZ/jasch