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Online-Versandhändler:Zalando will jetzt doch Frauen im Vorstand

Zalando führt Geschlechterquote ein

Bei Zalando heißt es: "In den letzten elf Jahren lag unser Fokus klar auf der Etablierung und dem Wachstum unseres Geschäfts und wir haben nicht genug Anstrengungen unternommen, um dem entstandenen strukturellen Ungleichgewicht entgegenzuwirken."

(Foto: dpa)
  • Zalando betont bislang in seinen Geschäftsberichten, dass es bis zum Jahr 2022 keine Frauen in den Vorstand aufnehmen wolle.
  • Das war für das Image des Unternehmens so verheerend, dass Zalando nun einlenkt.
  • Bis Ende 2023 will Zalando nun ein ausgewogenes Verhältnis von Männern und Frauen auf den sechs obersten Führungsebenen des Unternehmens erreichen.

"Da gibt es ein Unternehmen, das mit 'Z' anfängt", rief Janina Kugel. "Da muss man nun wirklich nicht einkaufen, wenn man mehr Frauen in Führungspositionen haben will." Das Publikum nickte und klatschte. Jede hier beim Female Future Force Day am vergangenen Samstag, dem jährlichen Feministinnen-Treff in Berlin, wusste Bescheid, um wen es sich handelt bei dem Unternehmen mit "Z", das man am besten boykottieren sollte: Zalando.

Der Berliner Online-Versandhändler hatte seit seiner Gründung vor elf Jahren keine Frau im Vorstand. Und nicht nur das: Im Jahresbericht hatte das Unternehmen Jahr für Jahr geschrieben, dass es auch keinerlei Pläne habe, das zu ändern. Zielgröße Null, stand da, wo es um die Frauenquote ging. Und das, obwohl rund 70 Prozent der Kunden des Unternehmens Frauen sind. So wurde aus Zalando, dem coolen Berliner Start-up, ein berüchtigter Missetäter in Sachen Gleichberechtigung.

Neues Ziel: der "40/60/*-Korridor"

Nun reicht es Zalando mit diesem Ruf. Das Unternehmen ändert etwas und passt die Ziele für Diversität im Management an. Bis Ende 2023 will Zalando ein ausgewogenes Verhältnis von Männern und Frauen auf den sechs obersten Führungsebenen des Unternehmens erreichen, dazu gehörten auch der Aufsichtsrat und der Vorstand, teilte es am Dienstag mit. Neues Ziel sei "ein 40/60/*-Korridor". Der Anteil von Männern und Frauen auf der jeweiligen Ebene soll also zwischen 40 und 60 Prozent liegen. Durch das Sternchen will Zalando "nichtbinäre Geschlechter" einbeziehen.

"In den letzten elf Jahren lag unser Fokus klar auf der Etablierung und dem Wachstum unseres Geschäfts und wir haben nicht genug Anstrengungen unternommen, um dem entstandenen strukturellen Ungleichgewicht entgegenzuwirken", sagt Rubin Ritter, einer der drei Co-Chefs. "Uns ist bewusst, dass es unseren Führungsteams an Diversität fehlt."

Es stimmt, Zalando ist schnell gewachsen. Heute arbeiten 6000 Menschen in der Zentrale in Berlin, insgesamt hat die Firma 14 000 Mitarbeiter. 2010 waren es noch nicht einmal 500. Meistens brauchte Zalando sehr schnell neue Mitarbeiter und Manager, sagte eine Sprecherin. "Dann hat man halt Leute angerufen, die man schon kennt. Wenn man aus seinem Netzwerk rekrutiert, ist es meist mehr homogen." Nun habe man mehr Zeit für die Auswahl und könne darum mehr auf die neu definierten Kriterien achten.

Dass der Fokus bislang auf Wachstum gelegen habe, ist ein Argument, das man einordnen muss: Etliche Studien belegen, dass Firmen mit Frauen im Vorstand besser wirtschaften. Das Peterson Institute for International Economics zum Beispiel hat 21 980 Firmen untersucht und herausgefunden, dass Unternehmen mit einem Frauenanteil von mindestens 30 Prozent auf der obersten Managementebene im Durchschnitt einen um 15 Prozent höheren Reingewinn hatten.

Zalandos Strategiewechsel sei "überfällig", kommentierte Wiebke Ankersen, Chefin der Berliner Allbright-Stiftung, die sich auf das Thema Frauen im Management spezialisiert hat. Der öffentliche Druck habe gewirkt. "Das Ziel von Null Frauen im Vorstand kann in einem Unternehmen, das sich als Vorreiter versteht, nicht funktionieren", sagte sie. Manche Kundinnen hätten sogar deswegen ihre Accounts gelöscht. "Weder die junge Belegschaft noch die überwiegend weibliche Kundschaft konnte sich mit dem rückständigen Führungsverständnis identifizieren."

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