ZalandoDas liebe Wetter

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Gewinnwarnung und Kurssturz an der Börse: Auch der Mode-Onlinekonzern Zalando bemüht das Wetterargument für die rückläufige Nachfrage.

Von Michael Kläsgen

Normalerweise sind es eher die Gerry Webers dieser Industrie, die das Argument mit dem Wetter benutzen: Wenn sich die Mode nicht so verkauft wie erhofft oder geplant, war es mal wieder zu heiß oder zu kalt. E-Commerce-Unternehmer Alexander Graf findet es daher bemerkenswert, dass nun auch Europas größter Online-Modehändler Zalando das Wetterargument benutzt. Das Unternehmen musste eine Gewinnwarnung herausgeben, an der Börse verloren die Zalando-Aktien zeitweise mehr als 20 Prozent. Und ein Sprecher bestätigt noch einmal: Schuld war die Witterung. Die Nachfrage sei rückläufig und zwar in der gesamten Textilwirtschaft. Allein in der vergangenen Woche habe die Branche 17 Prozent weniger umgesetzt. Der Umsatz sei auf den niedrigsten Stand seit September 2014 gesunken. Kaum einer denke daran, sich einen Wintermantel zu kaufen, obwohl der Herbst naht.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg macht sich ein wenig lustig über dieses Argument und behauptet, nicht das Wetter, sondern die Konkurrenten Amazon, Asos und andere setzten Zalando zu. Aus deutscher Sicht könnte man noch weitere Wettbewerber wie About You, Wish von Zara oder Lesara hinzufügen. Ganz zu schweigen von den immer zahlreicher werdenden Microbrands, kleinen, aus sozialen Netzwerken geborenen Modemarken, die manchmal so schnell verschwinden, wie sie entstanden sind - und zusammen dennoch am Zalando-Kuchen nagen.

Graf aber ist zuversichtlich, dass Zalando erfolgreich bleiben wird. Das Wachstum sei im Schnitt immer noch viel größer als bei stationären Marken, die den digitalen Wandel selten hinbekämen. Zudem mache Zalando im Gegensatz zu vielen Konkurrenten in den Innenstädten immer noch Gewinn. "Ich bin damit nicht glücklich", sagte Zalando-Vorstandsmitglied Rubin Ritter dennoch. Immerhin war es das zweite Mal in sechs Wochen, dass Zalando seine Umsatz- und Gewinnerwartungen zusammenstrich. Der Aktienkurs verharrte am Ende auf dem tiefsten Stand seit August 2016. Kein schönes Geschenk für das zum Konzern aufgestiegene Start-up im MDax, das in diesen Tagen sein zehnjähriges Bestehen feiert. Analysten wie Andreas Inderst von Macquarie beruhigen jedoch. Es sei zwar ein Rückschlag, die langfristige Wachstumsgeschichte könnte Zalando aber weitererzählen. Andererseits: Im Sog von Zalando gaben auch die Aktien von Kinnevik nach, der Beteiligungsfirma aus Schweden, die gut 31 Prozent an Zalando hält. Den Gerry Webers dieser Welt erging es übrigens auch nicht besser, obwohl sie mit dem Geschäftsmodell von Zalando wenig zu tun haben. Auch die Gerry-Weber-Tochter Hallhuber vermeldete einen Rückgang bei Umsatz und Gewinn.

© SZ vom 19.09.2018 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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