Zalando-Aktie:Ist der Corona-Boom für Zalando vorbei?

Zalando-Aktie: Die Zeiten des großen Wachstums sind vorbei, warnt Zalando.

Die Zeiten des großen Wachstums sind vorbei, warnt Zalando.

(Foto: Jens Kalaene/dpa)

Die Zalando-Aktie stürzt ab - obwohl der Dax-Konzern einen Rekordumsatz präsentiert. Was dahintersteckt.

Von Julian Schmidt-Farrent

Der Sommer 2021 galt vielen als relativ guter Sommer. Die Corona-Infektionszahlen blieben eher gering, die Impfquote stieg, die Laune oft auch. Für den Modehändler Zalando war es sogar ein grandioser Sommer. Die Aktie stieg auf ein Rekordhoch von rund 105 Euro und dann sogar auf in den deutschen Leitindex Dax. Doch ein paar Monate später sieht die Lage ganz anders aus. Der Aktienkurs hat sich fast wieder halbiert und liegt nicht mehr weit entfernt vom Niveau vor der Pandemie. Ist der Corona-Boom für Zalando also vorbei?

Die Jahresbilanz für 2021 widerspricht auf den ersten Blick dem schwachen Aktienkurs, der Konzern hat sie am Dienstagmorgen vorgelegt. Zalando übertraf beim Umsatz erstmals die Marke von zehn Milliarden Euro und erzielte hier ein sattes Plus von knapp 30 Prozent. Der Gewinn stieg um elf Prozent auf 468 Millionen Euro.

Jedoch, und das ist das Entscheidende: Die Zeiten des großen Wachstums sind vorbei, warnte der Konzern. Das kam an der Börse nicht gut an. Die Zalando-Aktie fiel zum Handelsbeginn gar um neun Prozent, um sich danach wieder leicht zu fangen.

Für das laufende Jahr rechnet der Dax-Konzern nur noch mit einem Umsatzplus von zwölf bis 19 Prozent. "Seit Sommer machen wir eine Normalisierung der Nachfrage aus", sagte Zalando-Vorstand David Schröder, der für das operative Geschäft zuständig ist.

Zalando konnte die Zahl der Kunden steigern

Der Online-Handel insgesamt wachse nach einer Zeit der Euphorie nun schlicht weniger stark, sagt Branchenanalyst Volker Bosse von der Baader Bank. Das habe auch den Aktienkurs von Zalando beeinflusst. Auch die Rückkehr der Offline-Läden und Einkaufsstraßen treffe den Konzern. Der sogenannte stationäre Handel steht laut einer KPMG-Studie immer noch für rund 75 Prozent des Branchenumsatzes - auch wenn der Anteil sinken soll, 2030 laut dieser Prognose auf nur noch 50 Prozent.

Auf diese langfristigen Trend setzt auch Wirtschaftswissenschaftler Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein. Zalando bleibe weiterhin auf einem Erfolgskurs, sagt er. Schließlich habe sich der Konzern durch die Krise fest etabliert. Denn während der Pandemie haben viele zum ersten Mal dort bestellt. Und Neukunden sind im Online-Geschäft besonders wertvoll. Um nur einen Neukunden zu gewinnen, müssten Konzerne jeweils 150 bis 200 Euro ausgeben, schätzt Heinemann. Je mehr aktive Nutzer in der Datenbank stehen, desto besser für Zalando. "Der Kundenstamm dürfte damit sechs bis acht Milliarden Euro wert sein", schätzt Heinemann.

Und der Stamm wächst. Inzwischen zählt Zalando mehr als 48 Millionen Kunden, ein Plus von rund zehn Millionen gegenüber Ende 2020.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: