E-Commerce:Amazon-Effekt erwischt Zalando

Zalando

Paket des Online-Modehändlers Zalando: In der Pandemie sind die Bestellungen deutlich gewachsen.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Der Berliner Online-Modehändler wächst - aber nicht mehr so stark wie 2020. Die Zalando-Aktien bricht daher ein. Trotzdem ist der M-Dax-Konzern in einem Punkt optimistischer als Amazon.

Von Michael Kläsgen

Wenn es für ein Unternehmen zuletzt ziemlich gut lief, richten sich Aktienkurse auch immer danach, ob die guten Ergebnisse in die Zukunft übertragen werden können. Und da geht es Zalando nicht anders als Amazon. Beide Onlinehändler verzeichneten im Corona-Jahr 2020 fantastische Zuwächse bei Umsatz und Gewinn. Und keine Frage: Sie werden auch weiterhin wachsen, der Online-Boom ist lange nicht vorbei, er wird sich auf einem hohen Niveau stabilisieren. Aber er wird wohl nicht mehr so stark anwachsen wie in den Vergleichszeiträumen des Ausnahmejahres 2020.

Deswegen brach der Aktienkurs des US-Händlers vorige Woche um gut sieben Prozent ein. Am Donnerstag folgte der im M-Dax für mittelgroße Unternehmen notierte Modehändler aus Berlin mit einem Minus von zeitweise neun Prozent. Ein Einbruch wie lange nicht mehr.

Ein Rückgang war absehbar. Trotzdem hatten Börsenportale noch Anfang Juli die Losung ausgegeben, dass kein Ende des Booms in Sicht sei. Einzelne Analysten hatten das Kurs-Ziel von Zalando auf 127 Euro pro Aktie heraufgesetzt. Am Donnerstag rutschte der Wert auf unter 90 Euro. 127 Euro werden in nächster Zeit nur schwer zu erreichen sein.

Amazon hatte offen mitgeteilt, von einem "Abflauen" des Onlinehandels auszugehen. Zalando hingegen macht weiter auf Optimismus. Finanzchef David Schröder erklärte, der Online-Trend sei "stabil" und Zalando könne daraus "Kapital schlagen". Aussagekräftiger war da schon die Ankündigung des schwedischen Großaktionärs Kinnevik von Anfang des Jahres, sein 21-prozentiges Aktienpaket an seine Anteilseigner zu verteilen. Da stand der Kurs bei über 100 Euro je Aktie, ein Niveau, das Zalando nur Anfang Juli noch einmal überschritt.

Ein Problem von Zalando ist, für weiteres starkes Wachstum proportional mehr Geld für die Kundengewinnung ausgeben zu müssen. Der Berliner Konzern steigerte den Umsatz von April bis Juni zwar um 34 Prozent und kam auf etwa 2,7 Milliarden Euro. Dafür musst er aber die Marketingkosten kräftig erhöhen, was auf das Ergebnis durchschlug. Der Betriebsgewinn (Ebit) sank im zweiten Quartal um 13 Prozent auf rund 184 Millionen Euro, was im Wesentlichen den Kurssturz verursachte.

Zalando zeigte sich zuversichtlich, in den kommenden Monaten Ergebnis und Umsatz verbessern zu können. Gelingen soll das unter anderem, indem mehr Kosmetika über die Plattform verkauft werden - etwa Produkte der französischen Kosmetikkette Sephora. Steigende Einnahmen könnte der Konzern auch über Gebühren erzielen, die bislang stationären Händlern auf der Plattform erlassen wurden. Und die Kosten für die Akquise neuer Kunden sollen auch sinken.

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