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Yukos-Auktion:Eni gibt sich offenbar als Strohmann für Gazprom her

Erneut erweist sich eine Auktion für die Übrigbleibsel des zerschlagenen Yukos-Konzerns allem Anschein nach als Farce: Der siegreiche Bieter aus Italien reicht die ersteigerten Anlagen offensichtlich an einen russischen Großkonzern weiter.

Bei der Auktion am Mittwoch ging es um einen Anteil von 20 Prozent an Gazprom Neft, der Öl-Tochter des staatlich kontrollierten Gazprom-Konzerns, sowie Beteiligungen an den Yukos-Zweigunternehmen Arktikgaz und Urengoil.

Bereits nach wenigen Minuten erhielt eine Tochter des italienischen Energiekonzerns Eni für 4,37 Milliarden Euro den Zuschlag. Enineftegaz habe sich als einer von drei Bietern bei der Auktion durchgesetzt, sagte ein Sprecher des staatlichen Vermögensfonds.

Eni behielt damit die Oberhand über die weiteren beiden formalen Bieter Rosneft und Yunitex.

Nur knapp über dem Startpreis

Laut der Financial Times hatte Eni allerdings vorab mit Gazprom vereinbart, dass Gazprom den Gazprom-Neft-Anteil von dem italienischen Unternehmen kaufen kann. Der Verkaufspreis des Yukos-Pakets lag nur knapp über dem Startpreis von 4,2 Milliarden Euro.

Bei Gazpromneft handelt es sich um das ehemalige Unternehmen Sibneft, das der Oligarch Roman Abramowitsch vor eineinhalb Jahren mehrheitlich für 13 Milliarden Dollar an Gazprom verkauft hatte.

Doch Beobachter erwarten, dass auch die Yukos-Teile wohl nicht in der Hand Enineftegaz bleiben werden. Denn fast zeitgleich mit Auktionsbeginn meldeten russische Nachrichtenagenturen, dass es zwischen Eni und Gazprom einen Vertrag gäbe, wonach die Italiener Gazprom eine Kaufoption für die ersteigerten Yukos-Teile einräumten.

Und tatsächlich: Nach dem Auktionsende bestätigte Gazprom umgehend, in Besitz der genannten Kaufoptionen zu sein und diese auch ausüben zu wollen. "Wir werden definitiv 51 Prozent bekommen, das ist ein Minimum", sagte Gazprom-Exportchef Alexander Medwedew.

Damit wäre Gazprom nicht nur alleiniger Besitzer des zweitgrößten russischen Ölkonzerns Gazpromneft, sondern hätte mit den Yukos-Teilen sein Quasi-Monopol bei der Gasproduktion weiter ausgebaut.

Gaslieferungen nach Italien

Der Eni-Konzern, dem enge Verbindungen zu Russland nachgesagt werden, hatte im November eine Vereinbarung mit Gazprom unterschrieben, die Gaslieferungen nach Italien bis 2035 garantiert. An der Eni-Tochter Enineftegaz hält der italienische Energiekonzern Enel eine Minderheitsbeteiligung von 40 Prozent.

Auch in die andere Richtung vertieft sich der wirtschaftliche Austausch zwischen Russland und Italien: Die russische Fluggesellschaft Aeroflot stieg in dieser Woche überraschend in das Bieterrennen um die traditionelle italienische Fluglinie Alitalia ein.

Yukos war einst der größte Ölkonzern Russlands, den der russische Geschäftsmann Michail Chodorkowskij in den turbulenten Zeiten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 90-er Jahre aufgebaut hatte.

Als Chodorkowskij begann, den Kreml und Präsident Wladimir Putin zu kritisieren und eigene politische Bestrebungen erkennen ließ, wurde er im Oktober 2003 festgenommen und in einem Berufungsprozess im September 2005 zu acht Jahren Haft verurteilt.

Chodorkowskij droht längere Haft

Nach neuen Anschuldigungen droht Chodorkowskij eine Haftverlängerung auf insgesamt 15 Jahre. Sein Konzern wurde zerschlagen.

Bis August werden noch weitere Stücke aus dem Yukos-Imperium versteigert. Das Geld sollen die Gläubiger von Yukos bekommen, unter ihnen der russische Staat.

Die Schulden von Yukos, aufgelaufen im Laufe der Ermittlungen gegen Chodorkowskij etwa wegen Steuerhinterziehung, Geldwäsche in Milliardenhöhe oder Öl-Diebstahls, belaufen sich den Behörden zufolge auf rund 20,7 Milliarden Euro.

Der Yukos-Mehrheitsaktionär GML Limited warnte unterdessen westliche Unternehmen vor der Teilnahme an den Versteigerungen.

"Eindeutig gestohlenes Eigentum"

"Jeder, der durch diese Auktionen Anteile ersteigert, muss bedenken, dass er eindeutig gestohlenes Eigentum erwirbt", sagte GML-Direktor Tim Osborne Süddeutschen Zeitung.

Er rechne damit, dass unter anderem amerikanische Yukos-Aktionäre gegen die in den Auktionen erfolgreichen Konzerne klagen werden.