Yuan-Abwertung:Ein Währungskrieg ist vorstellbar

Mit dem jüngsten Schritt dürften die Chinesen neues Misstrauen bei ihren wichtigsten Handelspartnern in den USA, Europa oder Japan wecken. Die politischen Nachwirkungen könnten sich auch über den USA-Besuch von Chinas Staatspräsident Xi Jinping Ende September legen. Die künstliche Abwertung hat in der Vergangenheit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt schon für viel Konfliktstoff gesorgt, der immer auch die Lösung anderer Probleme behinderte.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird die weitere Entwicklung ebenfalls mit großem Interesse verfolgen. China buhlt darum, in den gemeinsamen Währungskorb mit den wichtigsten Währungen aufgenommen zu werden. Es wäre ein entscheidender Schritt für den Renminbi, seinen von der Staatsführung erhofften Status als Reservewährung voranzutreiben. Peking will mit der Internationalisierung des Renminbi die tragende Rolle des US-Dollars herausfordern und die politische Einflussnahme der Amerikaner mithilfe des Dollars reduzieren. Eingriffe in die Kursentwicklung sind wenig geeignet, das Vertrauen zu stärken.

Doch nicht nur die großen Handelspartner der Chinesen spüren in der Benachteiligung ihrer Firmen auf dem Weltmarkt die Konsequenzen der Währungsabwertung. Vor allem andere Entwicklungs- und Schwellenländer könnten sich ermutigt fühlen, ihrerseits die Landeswährung abzuwerten, um die entstandenen Nachteile auszugleichen. Wenn ein solches Szenario an Dynamik gewinnt, droht ein regelrechter Währungskrieg, der in massiven Einbrüchen bei Auslandsinvestitionen enden könnte und nicht nur einzelnen Volkswirtschaften, sondern auch der globalen Konjunktur schaden könnte.

Auch China selbst muss fürchten, dass ausländisches Kapital abfließt, weil die Sorge um die Wirtschaftsleistung die Investoren umtreibt. Offizielle Statistiken zeigen, dass Chinas Währungsreserven in den vergangenen zwölf Monaten von knapp vier Billionen US-Dollar auf 3,7 Billionen gesunken sind.

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