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Yellen-Nominierung zur Fed-Chefin:Obamas neue Krisenmanagerin

Yellen, vice chair of the Board of Governors of the U.S. Federal Reserve System, is shown prior to addressing University of California Berkeley Haas School of Business in Berkeley in this file photo

Obama hat sie nominiert: Janet Yellen soll die amerikanische Zentralbank Fed führen

(Foto: REUTERS)

Die erste Frau an der Spitze der US-Notenbank ist eine Ausnahmeerscheinung. Kaum jemand bei der Fed trifft so genaue Wirtschaftsprognosen wie Janet Yellen. Ein Grund dafür, dass Präsident Obama sie zu einer der mächtigsten Frauen der Welt machen will. Jetzt muss sie zeigen, ob sie die US-Wirtschaft aus der Krise führen kann.

Janet Yellen soll die erste Frau an der Spitze der US-Notenbank Fed werden. Das hat Präsident Barack Obama nun bekannt gegeben. Zwar muss der Senat ihrer Nominierung noch zustimmen, aber das gilt als wahrscheinlich. Denn Obamas Demokraten haben dort die Mehrheit.

Im Februar 2014 wird Yellen somit die Nachfolgerin von Ben Bernanke, der keine dritte Amtszeit antreten will. Dann wird sie eine der mächtigsten Frauen der USA sein und sich hauptverantwortlich ums Geld kümmern. Ob sie dabei erfolgreich ist, wird nicht nur für die Amerikaner, sondern für die ganze Welt entscheidend sein.

Die Entscheidung fällt in einer kritischen Lage. Die USA stecken gerade in einer Blockade, die sich im schlimmsten Fall zu einem Finanzkollaps auswachsen könnte. Die Republikaner wollen die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama umkehren und haben deswegen den Haushaltsplan gestoppt. Im Moment herrscht in den Staaten der sogenannte Shutdown, Einrichtungen der Zentralregierung wie Museen haben geschlossen. Mitte Oktober geht der Regierung das Geld aus; ein Gesetz verbietet ihr, neue Kredite aufzunehmen. Die Republikaner blockieren ebenfalls, die sogenannte Schuldengrenze anzuheben. Sollten sich die Parteien nicht einigen, könnte es dazu kommen, dass die USA ihre Kredite nicht zurückzahlen kann.

Bisher gehören US-Staatsanleihen zu den sichersten Anlagen der Welt. Sollte das nicht mehr der Fall sein, könnte dies schwerste Turbulenzen an den globalen Finanzmärkten auslösen, da Investoren auf der ganzen Welt in den USA Geld angelegt haben.

Dazu kommt, dass die neue Fed-Chefin vor einer schwierigen Aufgabe steht: Sie muss aus der lockeren Geldpolitik aussteigen, ohne die Märkte in Panik zu versetzen. Zentralbanken müssen darauf achten, dass es weder zu viel noch zu wenig Geld gibt. Sie geben den Banken Kapital, damit sie es an Unternehmer und Bürger weitergeben können. Bekommen die Geldhäuser zu viel, werden Kredite zu billig. Dann geben Menschen unvorsichtig Geld aus und gehen später pleite. Sind Kredite aber zu teuer, können sich Unternehmen keine Investitionen mehr leisten und können ebenfalls insolvent gehen. Die Fed-Entscheidungen beeinflussen die Wirtschaft der ganzen Welt (mehr dazu hier).

Weitgehend unbekannt

Wer ist die Frau, deren Worte und Taten bald Wirtschaftsakteure aller Länder beobachten werden? Janet Yellen ist 67. Sie wurde im New Yorker Stadtbezirk Brooklyn als Tochter eines Arztes geboren und studierte an der elitären Yale-Universität. Schon als 25-Jährige lehrte sie in Harvard. Yellen arbeitete als Wirtschaftsberaterin des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton. Seit 2010 ist sie Vizepräsidentin der Fed.

In der Öffentlichkeit ist Yellen noch weitgehend unbekannt. Sie gibt nicht gerne Interviews. Hinter den Kulissen hören mächtige Ökonomen aber schon lange auf sie. Schon Mitte der Neunziger soll sie sich nicht gescheut haben, dem damaligen Fed-Präsidenten Alan Greenspan entgegenzutreten, der sich dafür aussprach, die Inflationsrate langfristig auf null Prozent zu drücken. Yellen argumentierte unerschrocken für eine Inflationsrate von gut zwei Prozent. Die Diskussion blieb zunächst ohne Ergebnis, später machte sich die Zentralbank tatsächlich die Inflationsrate von zwei Prozent zum langfristigen Ziel. "Ich habe ihr aufmerksam zugehört, weil sie ihre Position so vertritt, dass man ihr analytisch folgen kann", wurde Greenspan kürzlich in der New York Times zitiert.

Das Wall Street Journal wertete jüngst mehr als 700 Prognosen aus, die die 14 Fed-Vorstände seit 2009 getroffen hatten. Janet Yallen landete auf Platz eins, Amtsinhaber Bernanke nur auf dem fünften Rang. Ihre Vorhersagen treffen meistens zu. Sie kennt sich mit Wachstum und Arbeitsmarkt genauso aus wie mit der Inflation. Als eine der ersten Experten überhaupt soll sie die amerikanische Immobilienblase erkannt haben. Kritiker sagen allerdings, die richtigen Schlüsse habe sie daraus trotzdem nicht gezogen.

Arbeit für alle ist ihr wichtiger als Inflation

Für das drängende Problem der Arbeitslosigkeit in den USA scheint Janet Yellen die richtige Person zu sein - immer wieder hat sie sich mit diesem Thema beschäftigt. Sie gilt als Verfechterin einer geldpolitischen Linie, die ein Durchbrechen der angepeilten Inflationsmarke von zwei Prozent durchaus in Kauf nimmt, wenn das zugleich Fortschritte beim Abbau der Arbeitslosigkeit bedeutet. Notenbanker bezeichnen einen Menschen mit einer solchen Einstellung als "Taube" - im Gegensatz zum "Falken", der sich stark an der Preiswertstabilität orientiert.

Als enge Beraterin des bisherigen Notenbankchefs Bernanke vertrat Yellen auch die aktuelle Politik des billigen Geldes. Kritiker - auch aus dem Lager der Republikaner - nennen ihre geldpolitische Position zu weich: Sie fürchten, dass die neue Steuerfrau der Fed mit der Geldflut neue Blasen an den Märkten heraufbeschwören und die Zinsen zu spät anheben wird. Sollte es so kommen, droht eine neue Finanzkrise. Die von Bernanke in Aussicht gestellte Eindämmung der Geldflut ist ein schwieriges Erbe: Yellen muss den Kurs für den Ausstieg aus der Ära des billigen Geldes abstecken - und dies den Märkten glaubhaft vermitteln.

Nobelpreisträger macht ihr die Einkäufe

Janet Yellen ist seit 1978 mit George Akerlof verheiratet. Der Wirtschaftswissenschaftler erhielt 2001 den Nobelpreis. Schon als Yellen vor drei Jahren zur Stellvertreterin von Ben Bernanke ernannt wurde, machte er für seine mächtige Frau die Lebensmitteleinkäufe, kümmert sich um die Korrespondenz und das Wohnhaus. Das erzählte er der Financial Times Deutschland. Kennengelernt haben sich Yellen und Akerlof in der Kantine der Fed. Dort wie zu Hause auf dem Sofa unterhalten sie sich am liebsten über Makroökonomie. Dann sind die Nerds unter sich. Die beiden haben einen Sohn. Der ist, wenig überraschend, Wirtschaftsprofessor geworden.

Linktipp: Yellen hat sich in ihrer Uni-Zeitung 1963 selbst interviewt, wie die New York Times in einem Porträt notiert, denn sie war Chefredakteurin der Studentenzeitung und die Rednerin beim Abschlussfest ihres Jahrgangs. Yellen fragt Yellen etwa, woher die geschnitzten Masken in ihrem Zimmer kommen. Aus Haiti, wo sie für die Osterferien war, antwortet Yellen. Yellen fragt nach, ob Yellen Reisen als Hobby betreibe. "Ja", antwortet Yellen, "außerdem besuche ich als Hobby gerne Off-Broadway-Theater, gehe Essen, erkunde New York City und lese Philosophiebücher, um unpopuläre Essays zu schrieben. Ich spiele auch Piano und Bridge." Hier das komplette Interview.