Japans Boom-Zeit war gut für die Yakuza, die 1990er Jahre brachten aber auch ihr eine Rezession. Einerseits lahmte die Wirtschaft, andrerseits nahm die Polizei ihre Aufgabe ernster. Zuvor seien die Verbrechen der Yakuza simpel gewesen, so Rechtsanwalt Akihiko Shiba, ein ehemaliger Polizei-Offizier: "Heute müssen sie ihr Geld auf weniger transparente, schlauere Weise machen". Auch die Zusammenarbeit mit Nordkorea, etwa zum Drogenhandel und zur Verbreitung von Falschgeld, sei kaum mehr möglich. "Die Boryokudan", wie die Justiz die Yakuza nennt, übersetzt "Gewaltgruppen", "hängen von Japans Wirtschaft hab", so Shiba. "Deshalb geht es ihnen im Moment nicht sonderlich gut".
Heute erschleiche sich die Yakuza oft Bank-Kredite, die sie lukrativ einsetzten. Noch in den 1990er-Jahren soll es vorgekommen sein, dass Yakuza-Mitglieder eine tote Katze am Schwanz vor einer Bank geschwungen hätten, bis die ihnen einen Kredit gewährte, erzählt man.
Heute machen sie ihren Druck diskreter, mit der Androhung von Gewalt. Und die Beträge sind größer. In der amerikanischen Zeitschrift New Yorker war zu lesen, die Investment-Bank Lehman Brothers habe bei ihrem Kollaps im Jahr 2008 faule Yakuza-Kredite in Höhe von 350 Millionen Dollar in ihren Büchern gehabt, Citi-Bank habe 700 Millionen an die Yakuza verloren. Es ist denkbar, dass auch Olympus einer Yakuza-Gruppe Kredit gab oder in einen ihrer Fonds investierte. Die Yakuza versuche heute, Leute in etablierte Firmen einzuschleusen, heißt es, zugleich soll sie Fachleute aus dem Finanzsektor anwerben.
Bisher habe die Yakuza auch die Unterhaltungsindustrie dominiert, schrieb Adelstein. Einige Schauspiel-Agenturen seien Yakuzafirmen, bekannten Stars wurden Verbindungen nachgewiesen. Der populäre Komödiant und Talkshow-Host Shinsuke Shimada verschwand im September vom Bildschirm, nachdem die Polizei ihn als Yakuza entlarvte. Auch Golfspielern werden Yakuza-Verbindungen nachgesagt. Im Show-Geschäft dürfte die neue Verordnung sich am sichtbarsten auswirken.
Bei Tepco wird die Polizei beide Augen zudrücken, irgendwer muss in dem havarierten Kernkraftwerk aufräumen. Im Falle von Olympus hofft die japanische Wirtschaftselite, dem Optik-Konzern würden keine Yakuza-Verbindungen nachgewiesen. Das wäre schlecht fürs Geschäft, für die Börse und für den Ruf Japans.