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Wolfgang Grupp:Trigema-Chef: "Ich kenne den Affen gar nicht persönlich"

Wolfgang Grupp feiert 70. Geburtstag

Zu seinem 70. Geburtstag überraschten seine Kinder ihn mit einem Affen. Den berühmten aus der Werbung hat Wolfgang Grupp nie kennengelernt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Affe war jahrelang das Markenzeichen von Wolfgang Grupps Textilunternehmen. Jetzt ersetzt er ihn durch ein Luftschiff - und ärgert damit den DFB.

Interview von Max Hägler

Über viele Jahre tauchte vor der Tagesschau immer wieder ein Affe auf und dazu das einprägsame, gebräunte Gesicht von Unternehmer Wolfgang Grupp: Es war die etwas skurrile Werbung des schwäbischen Textilherstellers Trigema aus Burladingen. Jetzt ist der Spot geändert, man sieht ihn jedenfalls nicht mehr im Fernsehen.

SZ: Herr Grupp, ist der Affe tot?

Wolfgang Grupp: So kann man das nicht sagen. Wir waren eben der Meinung, dass wir einmal ein wenig Abwechslung brauchen und haben deshalb einen Werbespot gedreht mit einem Bekenntnis zu umweltgerechter Produktion.

Aber der Affe ist doch das Markenzeichen Ihres Unternehmens.

Schon, aber wir wollen eben manchmal etwas Neues ausprobieren, man könnte sagen: mit der Zeit gehen. Nichts ist doch schlimmer als langweilige Werbung - da gibt's so viel davon. Und deswegen ein neuer Fernsehspot und deswegen übrigens auch das Luftschiff . . .

. . . das Sie zu Werbezwecken bauen ließen und das jetzt beim Fußball-Pokalfinale über dem Stadion kurvte.

Ja, es war die Jungfernfahrt und sie war erfolgreich. Der Kapitän berichtete anschließend, dass der Deutsche Fußball-Bund sofort einen Hubschrauber aufsteigen ließ, um zu prüfen, ob alle Genehmigungen auch ordnungsgemäß waren. Das heißt, unsere erste Fahrt wurde innerhalb kürzester Zeit überall registriert. Das Luftschiff ist ja auch sehr monumental mit seinen 41 Metern Länge.

Als der DFB kam, hat Ihr Kapitän dann abgedreht?

Natürlich nicht; es war ja alles ordentlich vorbereitet und genehmigt, aber sicher hat sich der DFB geärgert, dass wir indirekt eine kostenlose Werbung hatten. Es ist ja interessant, dass der Fußball-Bund sich um solche Dinge sofort kümmert und dafür auch noch sinnlose Kosten ausgibt, etwa einen Hubschrauber aufsteigen lässt, obwohl er ja selber mit einigen Skandalen nicht gerade positiv aufgefallen ist. Aber Geld scheint ja bei diesen Herren nicht unbedingt eine Rolle zu spielen!

Sie fliegen nun öfter übers Land?

Die Kieler Woche haben wir eingeplant, Rock am Ring, das Oktoberfest auch.

Und die Stadien, zum Ärger des DFB?

Selbstverständlich werden wir auch weiterhin versuchen, interessante Spiele zu überfliegen.

Sie mögen, na ja, ungewöhnliche Werbung.

Als Schwaben achten wir natürlich sehr stark auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. In der Saison 79/80 fingen wir mit der Fußball-Trikotwerbung an. Der erste Partner war Schalke 04, die Brustwerbung kostete damals pro Jahr 600 000 DM, was sehr viel Geld war. Interessant ist, dass heute die Trikotwerbung viel teurer ist, aber wesentlich weniger beachtet wird. Man kann die Werbung nicht selten sehr schlecht lesen, wir gehen andere Wege. Als ich vor knapp einem Jahr von dem Flugkapitän des Luftschiffes angeschrieben wurde, fand ich die Idee sehr gut und habe anschließend den Auftrag zum Bau eines Luftschiffes unterschrieben.

Aber ein Luftschiff mit Logo ist doch langweiliger als ein Affe.

Der ist selbstverständlich auch zu sehen, und zwar unten auf dem Bauch des Schiffes. Vielleicht bauen wir ihn auch in irgendeiner Weise noch am Schluss des neuen TV-Spots mit ein.

Hätte man ja gleich machen können, wer berät Sie denn?

Spezielle Werbefachleute haben wir aber nicht. Für mich war wichtig, was mich selbst anregen oder beeinflussen würde, wenn ich Werbung sehe. So kam damals, vor 25 Jahren, auch der Affe als Nachrichtensprecher ins Spiel.

Und, lebt der denn überhaupt noch? Zuletzt ward er ja auf Ihrem 70. Geburtstag gesehen.

Meine Kinder haben mich damals während ihrer Ansprache mit einem echten Affen überrascht, das war eine gelungene Einlage. Aber ich muss gestehen: Ich kenne den Affen, der in unserem Werbespot ist, gar nicht persönlich. Er wurde von dem, der den Spot herstellte, für einen Tag sozusagen gebucht.

Also wohnt der Affe gar nicht in Burladingen?

Nein. Und in Zukunft werden wir auch nicht mehr mit echten Tieren arbeiten, sondern mit einer 3-D-Animation.

© SZ vom 27.05.2016/jps
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