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Wohnungsnot im Silicon Valley:Facebook-Städtchen: Dorf-Idylle mit Laptop

Facebook Dorf Willow Campus Menlo Park

Hippe Tech-Idylle: So soll Willow Campus einmal aussehen.

(Foto: REUTERS)

Eine Zwei-Zimmer-Wohnung in der Nähe des Facebook-Hauptsitzes kostet 3900 Dollar im Monat. Das ist selbst den Mitarbeitern des Social-Media-Konzerns zu viel. Also lässt Zuckerberg ein Dorf bauen.

Mädchen mit Strohhüten auf dem Kopf, die blonden Haare zu Zöpfen geflochten, sitzen auf Picknickdecken, um sie herum führen Männer und Frauen Hunde über die Wiese, dazwischen stehen Kinderwagen. Die übrigen Menschen - alle Hautfarben, alle Altersgruppen - sind in angeregte Unterhaltungen vertieft. Aus der Idylle am Boden steigen zwei Drachen in den Himmel. Die Szenerie erinnert an ein impressionistisches Picknick im Grünen, über das ein Instagram-Filter gelegt wurde. So soll es also aussehen im neuen Facebook-Dorf in Kalifornien.

Vor kurzem hat der Social-Media-Konzern bekannt gegeben, dass er in Menlo Park, 48 Kilometer von San Francisco entfernt, ein eigenes Städtchen mit 1500 Wohnungen für seine Beschäftigten errichten will. "Willow Campus" (Weiden-Campus) soll das Dorf heißen, das südlich an den Firmensitz angrenzt. Auf den veröffentlichten Simulationen sind viele Laubbäume, aber keine Weiden zu sehen. Auf dem Areal neben einer alten Eisenbahnstrecke sollen aber nicht nur Wohnungen, sondern auch Geschäfte, eine Apotheke, Büros und ein öffentlicher Platz entstehen, Verkehrsanbindung inklusive.

Eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Menlo Park kostet monatlich 3900 Dollar

"Wir haben eine Heimat gefunden, als wir 2011 nach Menlo Park gezogen sind", sagt John Tenanes, Vizepräsident für Facebooks globalen Immobilienbestand. "Wir sind Teil der Gemeinschaft hier." Mit dem Bau des Dorfes wolle Facebook noch stärker in diese Gemeinschaft investieren.

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Ein profanerer Grund dafür ist, dass sich viele Menschen, auch Facebook-Mitarbeiter, die Mieten im Silicon Valley nicht mehr leisten können. Es ist mittlerweile teurer, in Menlo Park zu wohnen als in New York (und Menlo Park hat außer Facebook nicht viel zu bieten). Eine Zwei-Zimmer-Wohnung kostet monatlich durchschnittlich 3900 Dollar, dreimal so viel wie 2011, ein Haus im Durchschnitt 888 000 Dollar.

Das Problem, das Facebook nun lösen will, hat es mitverursacht: Seit 2010 haben Tech-Unternehmen im Silicon Valley 640 000 Jobs geschaffen, allein 9000 im Facebook-Hauptsitz; besonders viele Häuser wurden in der Zeit aber nicht gebaut. Zuletzt hatte das Unternehmen seinen Mitarbeitern einen Zuschlag von 10 000 Dollar versprochen, wenn sie in die Nähe von Facebook ziehen. In vier Jahren können sie dann direkt neben dem Firmensitz einziehen.

Idylle mit Laptop auf dem Schoß

15 Prozent der Wohnungen will das Unternehmen unter derzeitigen Marktpreisen anbieten. Mark Zuckerberg kann man vorwerfen, auch privat zur Wohnungsnot im Silicon Valley beigetragen zu haben - der 33-jährige Facebook-Gründer hat für 30 Millionen die vier Häuser aufgekauft, die sein Anwesen in Palo Alto umgeben. Er wollte ungestört sein.

Facebook ist zwar bislang die einzige Firma, die eine eigene Stadt bauen will, aber auch Apple und Google haben angekündigt, etwas gegen die Wohnungsnot zu tun. Apple unterstützt die Stadt Cupertino mit fünf Millionen Dollar - in der dortigen neuen Apple-Zentrale sollen bald 12 000 Menschen arbeiten. Google will 30 Millionen ausgeben, um 300 Wohnungen an seinem Firmensitz in Mountain View zu bauen.

In einer Ecke des Bildes entdeckt man noch eine Frau, die im Schatten eines Baumes an ihrem Laptop arbeitet. Wahrscheinlich für Facebook. Das gehört wohl zur dortigen Idylle dazu.

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