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Wohnungsbau:Immobilienkonzerne bauen wieder Mietshäuser

Mietshaus in Berlin

In vielen deutschen Großstädten wird der Wohnraum immer teurer.

(Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Zuletzt haben Deutschlands größte Vermieter vor allem mit Übernahmen von sich reden gemacht. Doch nun ändert sich das.

Im Innenhof steht noch ein Bagger für die Gartenarbeiten parat, die Hecken an den Vorgärten müssen noch ein bisschen wachsen. Der Rest ist bereit für den Einzug. Am Freitag hat die Deutsche Wohnen, zweitgrößter Vermieter des Landes, ihre neue Siedlung in Potsdam eingeweiht. Knapp 100 neue Mietwohnungen sind in dem langen, vierstöckigen Bau entstanden - der erste eigene Neubau seit mehr als 20 Jahren.

Es ist ein kleiner Anfang, doch dahinter steckt ein großes Umdenken. In den vergangenen Jahren hatten Deutschlands größte Vermieter vor allem mit Übernahmen von sich reden gemacht. "Für die größten, börsennotierten Vermieter ist der Neubau zurzeit eine wertvolle Ergänzung ihrer Wachstumsstrategie", sagt Georg Kanders, Analyst beim Bankhaus Lampe. "Denn es zeichnen sich nicht so große Zukäufe ab wie in den vergangenen Jahren."

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Bauland wollen die Unternehmen nicht kaufen

Marktführer Vonovia baut bereits seit zwei Jahren Dachgeschosse aus und stockt einzelne Häuser auf; in den ersten Monaten dieses Jahres sind so schon 150 neue Wohnungen entstanden. Noch in 2016 will auch der Dax-Konzern, hervorgegangen aus der Fusion von Deutsche Annington und Gagfah, seinen ersten echten Neubau einweihen. Ein Mietshaus mit 15 Wohnungen in Bochum soll den Anfang machen.

Vonovia durchforstet zurzeit seinen gesamten Bestand nach Baulücken und Freiflächen. "Wir sehen für die nächsten Jahre ein Potenzial von 10 000 neuen Wohnungen auf unseren bestehenden Grundstücken", sagt Vorstand Klaus Freiberg im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung, "und die sollen es auch werden." Die Betonung liegt auf: bestehenden Grundstücken. Weder Vonovia noch Deutsche Wohnen wollen zurzeit Bauland kaufen. Die Flächen sind in den Ballungsgebieten dermaßen knapp und teuer, dass auf dem freien Markt nur die Entwickler hochwertiger Eigentumswohnungen zum Zuge kommen.

Stattdessen hat etwa Deutsche Wohnen in Potsdam die Freifläche neben einer Eisenbahner-Siedlung aus den Zwanzigerjahren bebaut. Die Architekten knüpfen an den Altbau an: Die neuen Mietshäuser sind ebenfalls vierstöckig, mit Satteldach und Klinker-Erkern. "Hochbau muss eine Idee haben", sagt Konzernchef Michael Zahn. "Wir stehen nicht für billiges Bauen, sondern wollen typische Wohnungen für mittlere Einkommen schaffen." Für 10,80 Euro pro Quadratmeter vermietet Deutsche Wohnen den Neubau mit Eichenparkett, überdachten Balkonen und bodentiefen Fenstern. Das ist zwar deutlich mehr als die knapp sechs Euro, die eine durchschnittliche Wohnung des Konzerns kostet. Doch für einen Erstbezug in der Großstadt ist dieser Preis gängig.

Top-Städte wie Frankfurt oder Stuttgart gäben auch 11,50 Euro Kaltmiete her

Vonovia will weniger individuell, dafür günstiger bauen. Der Konzern hat Standardgrundrisse erarbeitet, die bei jedem Neubau aus der Schublade geholt werden sollen. Sobald Vonovia genug Baugenehmigungen hat, will der Konzern Wand- und Bodenteile am Fließband fertigen lassen, die genau zu den Grundrissen passen. An der Baustelle müssten die Teile nur noch aneinandergereiht werden, sagt Vorstand Freiberg. "Wie bei Lego-Steinen, die man unterschiedlich zusammensetzen kann."

Zwar gelten für solche Verdichtungen strenge Energiespar- und Stellplatzregeln; Vonovia will zudem seniorenfreundlich bauen, mit Aufzügen und begehbaren Duschen. Doch sonst will Freiberg jeden Schnickschnack vermeiden, um die Neubauten am Ende für 8,50 bis zehn Euro pro Quadratmeter vermieten zu können; Top-Städte wie Frankfurt oder Stuttgart gäben auch 11,50 Euro Kaltmiete her.

Wo und wie schnell Pläne umgesetzt werden können, hängt auch von den Behörden ab. "Unsere Vorhaben werden dadurch gebremst, dass die Verwaltungen zurzeit sehr viele Bauanträge bearbeiten müssen", sagt Freiberg. Außerdem seien die Mieter oft skeptisch, wenn in ihrer Nachbarschaft gebaut werden solle. Diese Befürchtungen versuche man im Vorfeld auszuräumen.

So geschieht es übrigens auch in Bochum, wo Vonovia nicht nur ein Mietshaus, sondern auch ihre neue Konzernzentrale baut. Und das Bürohaus entsteht - wer hätte es gedacht - in Fertigbauweise.

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