Die Zahl neu gebauter Wohnungen geht weiter zurück. 2025 wurden 206 600 Wohnungen gebaut – mehr als 45 000 weniger als noch im Vorjahr. Damit wurden im vergangenen Jahr so wenige Wohnungen gebaut wie seit 2012 nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte.
Die Reaktion der Bundesbauministerin auf die niedrigen Zahlen fiel nüchtern aus. „Rund 206 000 gebaute Wohnungen im letzten Jahr sind zu wenig“, so Verena Hubertz. Dies sei die „ehrliche Botschaft“ an Wohnungssuchende. Die „schlechten Zahlen“ seien laut der Ministerin auch das Ergebnis der vergangenen, von Krisen geprägten Jahre.
Dabei bräuchte Deutschland dringend massenhaft neue Wohnungen. Laut einer Studie des Pestel-Instituts fehlen aktuell gut 1,4 Millionen Wohnungen. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat im vergangenen Jahr eine Prognose veröffentlicht, wonach bis 2030 jährlich 320 000 neue Wohnungen benötigt werden.
Bauverbände fordern einen „Bau-Turbo II“
Die Reaktionen aus der Baubranche sind erwartbar spitz. „Schlimmer geht immer“, sagte Iris Schöberl, Präsidentin des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA), am Freitag in der Bundespressekonferenz. Olaf Demuth, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, meinte: „Deutschland hat seit Jahren ein großes Wohnungsbauproblem.“
Ein Bündnis aus mehreren Bauverbänden, darunter auch die Verbände von Schöberl und Demuth, fordern daher nun einen „Bau-Turbo II“ mit Sofortmaßnahmen. Es solle verlässliche und klare Rahmenbedingungen für die Baubranche geben, insbesondere bei der Finanzierung sowie den Baustandards. Das Bündnis fordert auch den Verzicht auf eine weitere Verschärfung der Mietpreisbremse.
Es müsse wieder einen gesellschaftlichen Konsens fürs Bauen geben, meint der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. „Das Produkt Wohnen muss günstiger werden“, so Demuth.
Vor allem hohe Standards gelten als eine der Ursachen für die hohen Baukosten. Das Bundesbau- und das Bundesjustizministerium arbeiten daher am sogenannten Gebäudetyp E, der es ermöglichen soll, rechtssicher von hohen Komfort- und Ausstattungsstandards abzuweichen. Im Sommer dieses Jahres will das Justizministerium von Stefanie Hubig dazu einen Gesetzentwurf vorlegen.
Auswirkungen des Iran-Kriegs zeichneten sich noch nicht in den Zahlen ab
Zusätzlich erschwert wird die Situation durch den Iran-Krieg: In dessen Folge sind nicht nur die Bauzinsen gestiegen. Auch die hohe Inflation und die hohen Energiepreise sowie steigende Materialkosten drücken weiter auf die Stimmung in der Baubranche. Auf die aktuellen Zahlen habe der Krieg aber noch gar keine Auswirkungen gehabt, so Schöberl. „Das Schlimme kommt erst noch.“
Experten gehen davon aus, dass sich der Abwärtstrend beim Wohnungsbau in diesem Jahr weiter fortsetzen wird. Das Ifo-Institut rechnet 2026 nur noch mit rund 185 000 Fertigstellungen.
Was die Zahl neu gebauter Wohnungen angeht, betreibt man im Bundesbauministerium ohnehin Erwartungsmanagement. Auf eine konkrete Hausnummer will sich Bauministerin Hubertz nicht festlegen. Ihre Vorgängerin im Amt, Klara Geywitz, rannte während ihrer Amtszeit dem Ziel von 400 000 neuen Wohnungen pro Jahr hinterher. Erreicht hat sie es nie.
Hubertz hingegen will sich lieber daran messen lassen, ob schneller und günstiger gebaut wird. Dazu hat die schwarz-rote Koalition den sogenannten Bau-Turbo auf den Weg gebracht, der es Kommunen ermöglicht, Wohnungen schneller zu planen und zu genehmigen. Tatsächlich stieg die Anzahl der erteilten Baugenehmigungen im Jahr 2025 um 10,6 Prozent auf 238 100. Für Hubertz ist das Anlass zur Hoffnung.
Im Schnitt dauert die Fertigstellung einer Wohnung 27 Monate
„Es ist nicht so, dass bisher nichts getan wurde“, erklärte ZIA-Präsidentin Schöberl. „Aber die Maßnahmen der bisherigen und der aktuellen Regierung reichen nicht aus.“ Auch Demuth forderte klare Signale aus der Politik, damit die Branche nicht den Mut verliere. Dabei sei Tempo gefragt, so der Baubranchen-Vertreter. Denn selbst was heute beschlossen werde, könne erst mittelfristig wirken. Laut Statistischem Bundesamt dauert die Fertigstellung einer Wohnung von der Genehmigung bis zum Bau im Durchschnitt 27 Monate. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 betrug die durchschnittliche Dauer noch 20 Monate.
Im Bauministerium dürfte es so bald kein Aufatmen geben. Wie Bauministerin Hubertz bereits am Dienstag in Berlin bei einem Auftritt beim Tag der Immobilienwirtschaft bemerkte, würden die Zahlen, die Ende der Woche erwartet würden, „keinen Grund zur Entspannung und zum Zurücklehnen geben“.


