Immobilien:295 000 neue Wohnungen 2023 gebaut

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In Deutschland fehlen Hunderttausende Wohnungen. (Foto: Julian Stratenschulte/picture alliance/dpa)

Die Zahl der Fertigstellungen bleibt stabil, liegt jedoch deutlich unter dem von der Bundesregierung ursprünglich angepeilten Ziel. Die Baubranche befürchtet magere Zeiten und fordert mehr Gegensteuern der Politik.

Der Wohnungsbau in Deutschland ist auch 2023 trotz des hohen Bedarfs vor allem in Ballungsräumen nicht in Schwung gekommen. 294 400 Wohnungen wurden im vergangenen Jahr fertiggestellt. Das waren 900 oder 0,3 Prozent Einheiten weniger als 2022, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das Ergebnis fiel allerdings besser aus als zuvor angenommen. Befürchtet worden war nämlich ein Rückgang auf 215 000 bis 270 000 Wohnungen. Nur: Die Zahl der Fertigstellungen hat sich seit dem Jahr 2021 kaum verändert. Das einstige Ziel der Bundesregierung von jährlich 400 000 neuen Wohnungen wurde erneut deutlich verfehlt.

Bauvorhaben haben sich wegen des kräftigen Anstiegs der Kreditzinsen und der Baukosten in den vergangenen zwei Jahren stark verteuert. Besonders im Wohnungsbau wurden deswegen viele Vorhaben verschoben oder abgesagt. Die Branche klagt über fehlende Neuaufträge und Stornierungen bereits geplanter Projekte. Viele der Fertigstellungen des Vorjahres dürften noch auf Genehmigungen zurückzuführen sein, die in den Jahren bis 2022 unter deutlich besseren Rahmenbedingungen beantragt und erteilt worden seien, erläuterte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. "Unterm Strich bleibt allerdings: Auch im Vorjahr wurden weniger Wohnungen gebaut, als es der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum eigentlich erfordert", sagte Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller.

Für das laufende Jahr geht der Bauindustrieverband davon aus, dass nur 220 000 bis 230 000 Wohnungen fertiggestellt werden. Verbände der Bau- und Immobilienbranche dringen angesichts des Wohnungsmangels gerade in Ballungsräumen auf mehr staatliche Förderung. Der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft ZIA beziffert die Neubaulücke in Deutschland auf 600 000 Wohnungen und warnte, dass dieser Wert ohne Korrekturen auf bis zu 830 000 Wohnungen im Jahr 2027 steigen könnte.

Seit Monaten geht es auch bei den Baugenehmigungen bergab. Die Behörden gaben 2023 grünes Licht für den Bau von nur knapp 260 000 Wohnungen - der tiefste Stand seit 2012. Im ersten Quartal 2024 ist die Zahl der Baugenehmigungen eingebrochen, und zwar um 22,2 Prozent auf 53 500 Wohnungen. Der Verband der Wohnungswirtschaft GdW sprach von einem "alarmierenden Absturz".

"Die mageren Jahre liegen eindeutig noch vor uns"

"Die wirklich harte Zeit kommt erst noch", sagte Präsident Dirk Salewski vom Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) jüngst. "Wer jetzt so tut, als seien wir durch das Tal der Tränen durch, ruht sich in Wirklichkeit nur auf den Lorbeeren von vorgestern aus." Jede zweite Firma klage über Auftragsmangel. "Jetzt wird nicht geplant und damit wird in den kommenden Jahren auch nicht gebaut", betonte Salewski. "Die mageren Jahre liegen eindeutig noch vor uns."

Die Branche appelliert immer wieder an die öffentliche Hand, Bauen zu beschleunigen und zu vereinfachen. So müssten Kommunen mehr Bauflächen ausweisen, Planungs- und Genehmigungszeiten seien zu lang und Umweltschutzauflagen überzogen. Zudem mangelt es laut Lobby an Digitalisierung und Personal in den Bauämtern.

In der Bundesrepublik Deutschland wurden seit Beginn der Baustatistik 1950 durchschnittlich gut 400 000 neue Wohnungen pro Jahr fertiggestellt. Den bisher höchsten Stand erreichte der Wohnungsbau 1973 mit etwa 714 200 fertiggestellten Einheiten im früheren Bundesgebiet. Nach der Wiedervereinigung war 1995 das Rekordjahr mit 602 800 neuen Wohnungen in Gesamtdeutschland. Die wenigsten Wohnungen wurden in der globalen Finanzmarktkrise 2009 fertiggestellt (159 000).

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