Hamburg (dpa/lno) - Nach Ansicht des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) sollten die Kommunen in Schleswig-Holstein Obergrenzen für die Zahl von Ferienwohnungen festlegen. „Jede neue Wohnung, die entsteht, sollte jetzt vorrangig dem Wohnungsbau dienen“, sagte Verbandsdirektor Andreas Breitner am Montag. Unternehmen täten sich immer schwerer, Fachkräfte zu finden, weil diese am Arbeitsort keine Wohnung finden.
Natürlich sorgten Ferienwohnungen über die Zweitwohnungssteuer auch für Einnahmen, auf die viele Städte und Gemeinden nicht verzichten könnten. „Aber es gehört zur kommunalen Daseinsvorsorge, Einheimischen die Möglichkeit zu bieten, auch vor Ort und nah am Arbeitsort wohnen zu können“, sagte Breitner. Der Tourismus diktiere schon heute den kommunalen Alltag in den Nord- und Ostseebädern. Wohnungsbauunternehmen bemängelten, auch bei der Planungshoheit der Städte und Gemeinden werde oft der Ferienwohnung vor dem Dauerwohnen der Vorzug eingeräumt. Wohnungsbauprojekte würden in der Saison zurückgestellt und nach der Saison vernachlässigt. „Verliererinnen und Verlierer sind diejenigen, die in den touristisch nachgefragten Städten und Gemeinden des Landes eine Wohnung zur Eigennutzung suchen.“
In vielen Gemeinden an Nord- und Ostsee sei die Zahl der Ferienwohnungen in den vergangenen Jahren rasant gestiegen, erläuterte Breitner. Jetzt versuchten einige Gemeinden, dagegen anzugehen. „Angesichts der Erfahrungen mit der Corona-Pandemie wird in den kommenden Jahren die Nachfrage nach Ferienwohnungen in Deutschland und damit der Druck auf die Kommunen in Schleswig-Holstein steigen.“ Die Tatsache, dass die Vermietung von Ferienwohnungen oft lukrativer sei als eine dauerhafte Vermietung zu Wohnzwecken, habe bereits zu einem Mangel an bezahlbaren Wohnungen und überproportionalen Mietsteigerungen geführt.