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Wohnen:Kaum noch zu bezahlen

Coronavirus - Berlin: Skyline Berlin

Wohnungen am Berliner Fernsehturm: Wer neu mietet und vom Mietendeckel nicht profitiert, muss viel zahlen.

(Foto: Britta Pedersen/dpa)

Mehr als ein Drittel vom Budget geht drauf: In Großstädten treiben Mieten Familien in finanzielle Bedrängnis.

Von Thomas Öchsner

In Deutschlands Großstädten haben viele Menschen durch hohe Mieten (zu) wenig Geld zum Leben. In jeder zweiten von fast 80 untersuchten Städten müssen Eltern mit anerkanntem Berufsabschluss mehr als ein Viertel des Haushaltsnettoeinkommens ausgeben, um eine Wohnung für eine Familie mit zwei Kindern anmieten zu können. Sind beide Eltern ohne Berufsabschluss, trifft dies sogar auf 71 Städte zu. Dies geht aus einer Analyse des Immobilienportals Immowelt hervor.

Für die Untersuchung wurde die monatliche Belastung durch Miet- und Nebenkosten einer Wohnung mit 80 bis 120 Quadratmetern berechnet und in Beziehung zum mittleren Haushaltseinkommen einer Familie mit zwei Kindern gesetzt. Demnach erreichen für Arbeitnehmer ohne Hochschulabschluss, die meist weniger verdienen als Akademiker, die Mietkosten "vielerorts die Grenzen des Leistbaren". Die von Immowelt herangezogenen Mietpreise beruhen auf den bei dem Internetportal inserierten Mietangeboten im ersten Halbjahr 2020 und dem Mittelwert der Kaltmieten. Als Nebenkosten wurden knapp 220 Euro veranschlagt. Die Gehaltsangaben stammen von der Bundesagentur für Arbeit.

Auch Vermieter schauen, ob die monatliche Mietbelastung nicht zu hoch ist

Bei der Frage, wie hoch der Anteil der Miete am Einkommen sein darf, orientieren sich Experten an der 30-Prozent-Marke. Liegt die Belastungsquote darüber beziehungsweise bei mehr als einem Drittel, gilt dies besonders für Menschen mit geringem Einkommen als zu hoch, weil dann für Essen, Kleidung, Freizeit oder Urlaub nicht mehr viel übrig bleibt. Auch Vermieter verlangen häufig Einkommensnachweise, die zeigen, dass die Miete nicht mehr als ein Drittel des Einkommens ausmacht. Sonst könnte sich der Mieter die Wohnung womöglich nicht auf Dauer leisten.

Umso bemerkenswerter sind die Ergebnisse der Analyse: So belaufen sich die Wohnungsausgaben in einem Haushalt mit einem Voll- und einem Halbverdiener mit mittlerem Verdienst in elf Städten auf mehr als ein Drittel des Budgets, etwa in Hamburg, Frankfurt, Berlin und erst recht in München mit einer Belastungsquote von 46 Prozent, aber auch in Universitätsstädten wie Heidelberg oder Freiburg. In Berlin und München erreichen laut der Untersuchung selbst Akademiker mit einem im Mittel höheren Haushaltseinkommen fast die Grenze der als zumutbar geltenden Belastung bei den Mietkosten. "Das tendenziell höhere Einkommen in diesen Metropolen wird durch die hohen Mietpreise wieder aufgefressen - Eltern haben am Ende des Monats sogar oftmals weniger übrig als in kleineren Städten, obwohl sie dort weniger verdienen", teilt Immowelt mit.

Ganz anders sehe es dagegen im Ruhrgebiet aus, etwa in Duisburg, Recklinghausen oder Gelsenkirchen: Dort seien Wohnungen für Familien mit Berufsabschluss "noch bezahlbar".

© SZ vom 12.08.2020

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