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Corona-Pandemie:Wirtschaftsweise Schnitzer fordert hohes Preisgeld für Impfstoff

Professorin für Volkswirtschaftslehre, Monika Schnitzer, am 22.11.2018 in München.

Monika Schnitzer: "Die Regierung hat sehr schnell gehandelt und ein umfassendes Hilfspaket auf den Weg gebracht."

(Foto: Jan A. Staiger)

Die Politik solle ihre Anstrengungen erhöhen, um die Entwicklung zu beschleunigen, fordert die neue Wirtschaftsweise Monika Schnitzer.

Die Münchner Wirtschaftsprofessorin Monika Schnitzer ist am Mittwoch in das höchste Beratergremium der Bundesregierung berufen worden. Jetzt in der Krise sei es Zeit auch für unorthodoxe Maßnahmen, sagte Schnitzer: "Eine Möglichkeit wäre, ein hohes Preisgeld für einen Corona-Impfstoff auszuloben, das Unternehmen dann aber zu einer kostengünstigen Lizenzierung an andere Unternehmen zu verpflichten. So könnte der Impfstoff rasch weltweit produziert werden."

Der Bundesregierung stellte Schnitzer ein gutes Zeugnis aus: "Die Regierung hat sehr schnell gehandelt und ein umfassendes Hilfspaket auf den Weg gebracht. Das ist gut und richtig. Denn die gesundheitspolitisch notwendigen Maßnahmen haben massiven Einfluss auf die Unternehmen." Forderungen aus der Wirtschaft nach einem raschen Ende der Beschränkungen erteilte sie eine Absage: "Ohne Shutdown würde die Zahl der Infizierten ungebremst steigen und das Gesundheitssystem überlasten. Das hätte auch negative Konsequenzen für unsere Wirtschaft."

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Die Arbeit der Ärzte und Pfleger, auch der Kassiererinnen nannte sie "heroisch": "Das sollte nicht nur mit lobenden Worten, sondern auch finanziell honoriert werden. Ich würde es sehr begrüßen, wenn die Arbeitgeber solche Zahlungen leisten würden, manche haben das ja sogar schon angekündigt. Auch der Staat als Arbeitgeber sollte seine Anerkennung so zum Ausdruck bringen."

Mit Blick auf Europa forderte Schnitzer, dass Ländern wie Italien und Spanien jetzt rasch geholfen werde, ohne dass sie sich überschulden, "sonst ist die nächste Euro-Krise programmiert. Ihr hoher Schuldenstand erschwert es ihnen, die jetzt erforderlichen Ausgaben durch weitere Kredite zu finanzieren. Hier ist der Zeitfaktor entscheidend. Corona-Bonds, so attraktiv sie in vielerlei Hinsicht wären, haben den Nachteil, dass es Monate, wenn nicht Jahre brauchen würde, um sie zu implementieren, weil sehr hohe institutionelle und rechtliche Hürden überwunden werden müssten. Das spricht dafür, eher auf ein bereits bestehendes Instrument wie den Rettungsfonds ESM zurückzugreifen und dieses Instrument entsprechend anzupassen. Sich hier rasch europäisch zu einigen, ist nicht nur ein Gebot der Solidarität, sondern auch in unserem eigenen Interesse, schließlich sind wir in Europa wirtschaftlich sehr eng miteinander verbunden."

© SZ/aner

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