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Wirtschaftswachstum:Aufschwung verliert an Schwung

Aufschwung ja, aber mit angezogener Handbremse: Die deutsche Wirtschaft legt im dritten Quartal deutlich schwächer zu als im Quartal davor. Immerhin: Nicht nur der Export stützt die Konjunktur, auch der private Konsum ist stärker als in den Vorjahren.

Aufschwung ja, aber weniger rasant: Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen Juli und Ende September preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Im zweiten Vierteljahr war die Wirtschaft nach revidierten Zahlen um 2,3 Prozent gewachsen, das war der höchste Anstieg seit der Wiedervereinigung. Im ersten Quartal lag das Plus bei 0,6 Prozent und nicht bei 0,5 Prozent, wie jetzt korrigiert wurde.

Bundesamt zu BIP

Nach wie vor ein echtes Zugpferde: der Export. Hier eine Aufnahme vom Warenumschlag am Hamburger Hafen.

(Foto: dpa)

Im Vorjahresvergleich legte das BIP im dritten Vierteljahr preisbereinigt um 3,9 Prozent zu, nach 4,1 Prozent zwischen April und Ende Juni.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sieht Deutschland damit weiterhin auf Kurs, warnte aber davor, sich mit dem Erreichten zufriedenzugeben. So trage die Flexibilität des Arbeitsmarkts entscheidend zu einer robusten Krisenbewältigung und zum aktuellen Beschäftigungsaufschwung bei, sagte der Minister. Dieses Rad dürfe nicht zurückgedreht werden. Darüber hinaus müsse der Ausstieg aus den kostspieligen Krisen- und Stimulierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre zielstrebig weiter verfolgt werden. "So schaffen wir die finanziellen Spielräume, um unsere entschlossene Konsolidierungspolitik mit steuerlicher Entlastung zu verbinden", betonte Brüderle.

Der Boom hat mehrere Ursachen: Er wird von den Exporten befeuert, aber auch vom privaten Konsum. Der war in Deutschland über Jahre schwach. Noch im vergangenen Jahr war die Bundesrepublik im Zuge der Finanzkrise in eine schwere Rezession gerutscht, die Wirtschaft schrumpfte im Krisenjahr um 4,7 Prozent.

Die Wirtschaftsleistung im dritten Vierteljahr wurde von 40,7 Millionen Erwerbstätigen erbracht, das waren 0,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ausführliche Ergebnisse will das Statistische Bundesamt am 23. November 2010 bekanntgeben.