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Wirtschaftspartei in der Krise:"Die FDP ist implodiert"

sueddeutsche.de: Dabei galt die FDP doch lange Zeit als die Partei mit Wirtschaftskompetenz. Ein Irrglaube?

Bofinger: Wie kompetent ist eine Partei, die in einer Phase mit der geringsten Einkommensteuerbelastung der Nachkriegszeit Steuersenkungen als wichtigsten Programmpunkt hat? Ich habe mich daher gefreut, dass die FDP im September 2009 an die Regierung gekommen ist.

sueddeutsche.de: Sie als SPD-Freund haben sich gefreut, dass die Liberalen an die Macht gekommen sind?

Bofinger: Ja. Weil ich mir ziemlich sicher war, dass dann für jeden deutlich sichtbar wird, wie wenig diese Partei kann. Und ich habe recht behalten. Als dann jedermann klar wurde, dass einfach kein Geld für die versprochenen Steuersenkungen da war, ist die FDP implodiert.

sueddeutsche.de: Neben Steuersenkungen hat die FDP zuletzt die Rettung Europas für sich entdeckt. Auf ihrer Homepage nennen sich die Liberalen "Europa-Partei".

Bofinger: Anti-Europa-Partei wäre treffender.

sueddeutsche.de: Warum?

Bofinger: Wenn Griechenland kein Geld mehr kriegt, bricht das Land vollends zusammen. Es muss aus dem Euro austreten, was massive ökonomische und politische Folgen für den Rest des Euro-Raums hätte. Wenn die Ansteckungseffekte Italien treffen, dann haben wir spätestens auch in Deutschland ein Problem. Das würde uns weitaus mehr kosten, als es uns kostet, wenn wir das System am Leben erhalten. Das vergisst die FDP aber leider.