Wirtschaftsfaktor Alpakas in Deutschland Das Gold der Inka

Wen das Alpaka-Virus erwischt, den lässt es nicht mehr los: Die Tiere aus Südamerika sind wertvolle Wolllieferanten - und lohnen sich als Investition.

Von Sonja Peteranderl und Sonja Kowarschick (Video)

Die Alpakas waren um die halbe Welt gereist, als sie im vergangenen Jahr in Bayern aus dem Transporter staksten: Aus den chilenischen Anden nach Santiago de Chile, per Flugzeug 20 Stunden über Kolumbien nach Luxemburg und dann im Anhänger bis nach Hohenburg in der Oberpfalz.

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Alpakas in Deutschland

Das Gold der Inkas

Wertvolle Wolllieferanten und tierische Therapeuten: Die knuffigen Alpakas aus dem südamerikanischen Hochland sind auch in Deutschland ein lukrativer Nischenmarkt.

Rote, gelbe und grüne Wollfäden hingen den flauschigen, teddyartigen Tieren mit den langen Hälsen noch als südamerikanischer Schmuck im Ohr. Unter den wolligen Topfschnitt-Tollen blitzten große Knopfaugen hervor und inspizierten die neue Heimat gelassen. Dominic Müller war überrascht, wie gut die Alpakas die Reisestrapazen in der Transportbox überstanden hatten - obwohl sie bisher nur das Leben im Freien kannten.

Der Züchter hatte die 30 Tiere Bergbauern im Andenhochland zwischen Chile, Bolivien und Peru abgekauft, um seinen Bestand an farbigen Tieren aufzustocken - denn Tiere in Naturfarben wie Grau, in Braunschattierungen oder Beige sind in Deutschland sehr gefragt.

Mit den Neuen aus Chile leben nun fast 80 Tiere auf Müllers Hof Tierra Helada Alpakas. Die Südamerikaner wirken vor der bayerischen Wald- und Wiesenkulisse zwar noch wie Exoten, doch die Zahl der in Deutschland lebenden Tiere wächst. In den vergangenen Jahren hat sich ein Nischenmarkt für Alpakas entwickelt, in deren weiches und glänzendes Vlies sich schon die Inkas hüllten - und das wie Kaschmir oder Angora als Edelfaser gehandelt wird. Durch das raue Klima in den Anden haben sich Alpakas ein besonders dichtes und feines Fellkleid zugelegt.

Die Alpaka-Herkunftsländer Peru, Chile und Bolivien hatten die Ausfuhr der Tiere allerdings lange blockiert. Erst Mitte der achtziger Jahre wurden Alpakas von Chile in die USA, nach Kanada oder in europäische Länder exportiert. Nach Deutschland gelangten in den neunziger Jahren erst die Lamas, dann folgten Alpakas.

Wie ein Virus

Erst in den vergangenen fünf bis sechs Jahren hätten die Deutschen Alpakas richtig entdeckt, sagt die Sprecherin des Alpakazuchtverband Deutschland (AZVD). Dort sind inzwischen fast 500 Mitglieder registriert, sie besitzen 6500 Tiere. Da viele Alpakas nicht gemeldet sind, schätzt der Verband, dass es insgesamt bereits 8000 Alpakas in Deutschland gibt.

Die Tiere passen sich schnell an ihre neue Heimat an, wo das Wetter wärmer, die Wiesen üppiger sind und wo sie mehr Kontakt mit Menschen haben als bisher. "Es gibt keine Bedenken, wenn Alpakas artgerecht gehalten werden", sagt ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. Die Herdentiere dürften nicht alleine gehalten werden und bräuchten ausreichend Platz. Die 80 Alpakas von Müller verfügen über fünf Hektar Raum, um sich auszutoben.

Bei vielen deutschen Züchtern, wie auch bei Müller, begann die Alpakazucht als Hobby und Liebhaberei. Die Faszination für den drolligen Anblick der Tiere, ihren sanften Charakter und das weiche Vlies ist in Fachkreisen auch als "Alpaka-Virus" bekannt. "Wenn es einen erwischt hat, lässt es einen nicht mehr los", sagt Müller. Der 47-Jährige war früher Forellenzüchter, sein erstes Alpaka entdeckte er im Münchner Tierpark Hellabrunn und legte sich dann 2002 begeistert zwei eigene Stuten zu.

Seit vier Jahren ist die Alpakazucht Dominic Müllers Hauptberuf und er gehört mit seinen fast 80 Tieren, die von einer kanadischen Ranch und aus Chile stammen, zu den größten Züchtern deutschlandweit. In Südamerika, wo insgesamt etwa drei Millionen Alpakas leben, bestehen einige Herden aus 400 oder 500 Tieren, in Deutschland sind 100 oder 200 Alpakas auf einmal noch eine Seltenheit.