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Wirtschafts-Köpfe 2012: Mark Zuckerberg - Sammler aus dem Valley

Einst wollte er nur die schönsten Mädchen bewerten lassen, jetzt organisieren sich Revolutionäre auf der ganzen Welt über sein Netzwerk: Mark Zuckerberg hat mit Facebook schon Milliarden verdient, 2012 soll ihn der Börsengang noch reicher machen. Doch die Nutzer werden müder, und die Datenschützer haben es auf ihn abgesehen.

Mit einem geschätzten Vermögen von etwa 17,5 Milliarden Dollar ist Mark Zuckerberg zwar schon heute einer der Reichsten dieser Welt. Im nächsten Jahr aber dürfte der Kontostand des Gründers und Chefs von Facebook noch einmal ordentlich steigen. Mehr als 800 Millionen Menschen weltweit klinken sich inzwischen in das soziale Netzwerk ein, das Zuckerberg vor sieben Jahren in seinem Zimmer auf der Eliteuniversität Harvard ausgeheckt hat. Einst ging es dem Nerd darum, dort Noten für die schönsten Mädchen auf dem Campus zu vergeben. Heute bündeln auf der Internetplattform Demonstranten ihren Zorn gegen arabische Despoten und zockende Banker. Zuckerberg, der auch offizielle Auftritte in T-Shirt und Adiletten absolviert, hat die Fantasie von Investoren beflügelt. Zu Beginn des nächsten Jahres, so wird spekuliert, wird er Facebook an die Börse bringen. Sein Anteil von einem knappen Viertel könnte dann auf einen Schlag 24 Milliarden Dollar wert sein.

Facebook Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook, will sein Unternehmen an die Börse bringen.

(Foto: Bloomberg)

Allerdings muss der 27-Jährige, um die hohen Erwartungen nicht zu enttäuschen, auch Antworten auf einige knifflige Fragen finden. Er, der schon mit Anfang 20 milliardenschwere Kaufangebote ausschlug und sich ungern in die Karten schauen lässt. Er wird zeigen müssen, wie er die Werbeeinnahmen weiter in die Höhe treiben will. Keine leichte Aufgabe. Ausgerechnet in den USA, so zeigen Statistiken, haben die Leute zuletzt ein wenig die Lust an Facebook verloren. Dort, wo das Netzwerk mit mehr als einem Fünftel seiner Nutzer Heimvorteil hat. Und China, dem bevölkerungsreichsten Land der Erde, wo zwei Drittel aller Haushalte erst noch auf einen Internetanschluss warten und folglich viel zu holen wäre, ist auf der Landkarte von Facebook noch ein weißer Fleck.

Auch die Bedenken von Datenschützern wird der neue Wunderknabe des Internets zerstreuen müssen. Und ein Lippenbekenntnis wird dazu nicht reichen. Erst wenige Wochen ist es her, dass nach einer technischen Panne bei Facebook Bilder von Zuckerberg mit Huhn kursierten. Es offenbarte nicht nur Einblicke ins Privatleben des obersten Netzwerkers. Es zeigte auch anschaulich, wie wenig das Unternehmen aus dem Silicon Valley die eigene Technik im Griff hat. Und wie leicht der Traum vom großen Geld platzen kann.

© SZ vom 31.12.2011/jab