Konjunktur:Wirtschaft wächst etwas stärker als gedacht

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Konjunktur: Die deutsche Wirtschaft ist im Sommer trotz Gegenwinds stärker gewachsen als zunächst angenommen.

Die deutsche Wirtschaft ist im Sommer trotz Gegenwinds stärker gewachsen als zunächst angenommen.

(Foto: Inga Kjer/dpa)

Im Sommer legte die Wirtschaftsleistung in Deutschland um 0,4 Prozent zu - die erste Schätzung war niedriger ausgefallen.

Die deutsche Wirtschaft ist im Sommer stärker gewachsen als zunächst angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt, also die gesamte Wirtschaftsleistung des Landes, stieg von Juli bis September um 0,4 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. In einer ersten Schätzung von Ende Oktober hatte die Behörde nur ein Wachstum von 0,3 Prozent gemeldet. Damit wuchs Europas größte Volkswirtschaft trotz anhaltender Corona-Pandemie, Lieferengpässen, steigenden Preisen und des Krieges in der Ukraine wie bereits in den ersten beiden Quartalen des Jahres (plus 0,8 Prozent und plus 0,1 Prozent).

Getragen wurde das Wachstum im Zeitraum Juli bis September vor allem von den privaten Konsumausgaben. Trotz hoher Inflation und der Energiekrise nutzten die Verbraucherinnen und Verbraucher auch im dritten Quartal die Aufhebung fast aller Corona-Beschränkungen, um zum Beispiel mehr zu reisen und auszugehen, wie die Wiesbadener Behörde erläutert. Unternehmen investierten deutlich mehr in Ausrüstungen wie Maschinen. Die Bauinvestitionen waren hingegen wie schon im zweiten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt rückläufig. Hohe Baupreise und gestiegene Hypothekenzinsen dämpften das Geschäft.

Ökonomen rechnen mit frostigem Winterhalbjahr

Viele Ökonomen rechnen mit einem schwierigen Winterhalbjahr in Europas größter Volkswirtschaft. Sie gehen von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung aus, erwarten aber keinen Konjunkturabsturz wie im Corona-Krisenjahr 2020. Damals war des Bruttoinlandsprodukt im Gesamtjahr um mehr als vier Prozent geschrumpft. "Einbrüche wie in der Finanz- oder Coronakrise sind jedoch nur bei einer Gasmangellage wahrscheinlich, und an der dürften wir dank voller Speicher und vor allem erheblicher Sparanstrengungen von Unternehmen und Haushalten vorbeikommen", sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib jüngst. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer verwies auch auf das Entlastungspaket der Bundesregierung. "Ich erwarte unverändert eine Rezession, mehr denn je aber keinen wirtschaftlichen Kollaps."

Sorge bereitet insbesondere die hartnäckig hohe Inflation, die im Oktober auf 10,4 Prozent stieg. Hohe Teuerungsraten belasten Unternehmen und schmälern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Die Menschen können sich für einen Euro weniger leisten. Das kann den Privatkonsum als wichtige Konjunkturstütze dämpfen. Zugleich dürfte die Abschwächung der Weltkonjunktur Volkswirten zufolge den Export unter Druck setzen.

Nach einer Prognose der Industriestaaten-Organisation OECD wird das weltweite Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr durch Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine ausgebremst. Das globale Wachstum dürfte demnach 2023 nur noch bei 2,2 Prozent liegen. Das sei deutlich weniger als vor dem Krieg erwartet. "Höhere Inflation und geringeres Wachstum sind der saftige Preis, den die Weltwirtschaft für Russlands Krieg gegen die Ukraine zahlt", hieß es in der jüngst veröffentlichten Studie. Dank des Wachstums der vergangenen Quartale rechnete die Bundesregierung zuletzt im Gesamtjahr 2022 mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,4 Prozent. Für das kommende Jahr wird infolge des erwartet schwachen Winterhalbjahres ein Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr vorhergesagt.

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