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Wirtschaft: Umweltschutz:Alles auf Öko

Konzerne können dazu beitragen, dass die Welt ein wenig grüner wird. Allerdings kommt es darauf an, wie ernsthaft und glaubwürdig sie ihr Öko-Engagement vorantreiben.

Es ist noch nicht allzu lange her, da hätten solche Nachrichten aus einem Science-Fiction-Roman stammen können: BMW steigt aus der Formel 1 aus mit der Begründung, sich stärker auf Nachhaltigkeit und neue Antriebe konzentrieren zu wollen. Der weltweit größte Einzelhändler Wal-Mart verpflichtet seine Lieferanten, die Herkunft ihrer Produkte mit Öko-Bilanzen zu dokumentieren. Der Süßwarenhersteller Mars will für seine Schokoriegel demnächst nur noch Kakaobohnen aus umwelt- und sozialverträglichem Anbau verwenden. Und der amerikanische Papiertuch-Multi Kimberly-Clark verzichtet künftig auf Zellstoff, der aus Urwaldhölzern stammt. In jüngster Zeit haben sich derartige Meldungen von Konzernen gehäuft, die bislang eher für den großzügigen Verbrauch natürlicher Ressourcen oder gar den Verschleiß von Arbeitskräften bekannt waren.

Sonnenblume, AP

Unternehmen kennen nicht nur die Ökonomie, sondern auch die Ökologie: Immer mehr Konzerne schmücken sich mit ihrem Engagement für die Umwelt.

(Foto: Foto: AP)

Ist sie also plötzlich in Sicht, die neue Öko-Welt, jetzt, da die Ampeln in Washington zumindest auf zartgrün stehen? Oder ist das, was da präsentiert wird, nichts weiter als der grüne Schein, der letztlich nur auf den großen Geldschein abzielt? Umweltaktivisten mit 70er-Jahre-Prägung antworten darauf meist schnell: nichts als Marketing-Gags. Sie wittern Betrug am Kunden, der nach Lektüre der guten Nachricht mit beruhigtem Gewissen in seinen BMW-Geländewagen steigt und die 700 Meter von daheim zum Bio-Supermarkt braust.

Doch Konzerne können durchaus dazu beitragen, dass die Welt ein wenig grüner wird. Es kommt aber darauf an, wie ernsthaft und glaubwürdig sie ihr Öko-Engagement vorantreiben. Allerdings gilt eine Prämisse: Wer Unternehmen umweltverträgliches Gebaren zugesteht, muss Wachstum und Gewinnstreben zulassen. Aus streng ökologischer Sicht ist dies anfechtbar. Denn Wachstum bedeutet in der Regel mehr Konsum, und dieser verschlingt Ressourcen, mindestens bei der Produktion, oft aber auch noch - wie beim Autofahren - zusätzlich bei der Nutzung des Konsumguts. Bei radikalen Wachstumskritikern können Konzerne deshalb auch mit grünen Strategien nur durchfallen.

Nötiges Wachstum

Doch diese strenge Sicht verträgt sich nicht mit dem Wunsch nach besseren Lebensbedingungen auch für die Ärmsten dieser Welt. Nur Wachstum bringt ein Mehr an Wohlstand. Nur Unternehmen, die Gewinn machen, schaffen und sichern Arbeitsplätze, die Familien ernähren. Wer Ökologie sozialverträglich machen will, sollte also alle Versuche von Firmen unterstützen, grüner zu werden.

Natürlich kann und muss auch der Staat Umweltschutz verordnen. Und er ist darin zuweilen hocheffizient. Es waren die amerikanischen und japanischen Abgasnormen, die Autofirmen in den 70er Jahren zum Einbau von Katalysatoren bewegten. Es war die Großfeuerungsanlagenverordnung, die in den 80ern für saubere Schornsteine sorgte. Und es sind Subventionen, die der Solartechnik in den 90ern zum Aufschwung verhalfen.

Doch nicht alles lässt sich bis ins Detail regulieren. Deshalb gilt es, das Streben nach Marktanteilen zu nutzen. Unternehmen wirtschaften am konsequentesten umweltverträglich, wenn es für sie einträglich ist. Und dies erreichen sie am ehesten, wenn sie sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Marktführer setzen Standards

So hat der US-Mischkonzern General Electric mit seinem Fokus auf "Ecomagination" - also zumindest vom Etikett her grüner Technologie - schon ordentlich verdient. Computer- oder Kühlschrankbauer buhlen mit stromsparenden Geräten um Kunden. Autohersteller punkten mit effizienten Antrieben. Auch im Wettbewerb um die klügsten Köpfe könnten sich umweltorientierte Strategien auszahlen. Tatsächlich ziehen viele Menschen eine erfüllende Arbeit bei einem anerkannten, "sauberen" Unternehmen einem dicken Gehalt vor.

Aktionen wie die Umweltbilanz-Vorschrift von Wal-Mart oder der Verzicht auf Urwaldfasern des Kleenex-Fabrikanten Kimberly-Clark haben zudem Signalwirkung. Setzt der Marktführer die Standards, müssen Konkurrenten mitziehen. Auch bei den technischen Verbesserungen im Umweltschutz haben große Konzerne in den vergangenen Jahrzehnten Maßstäbe geschaffen.

Firmen allein Imagepflege zu unterstellen, wenn sie grüne Strategien verkünden, greift in vielen Fällen zu kurz. Natürlich gilt das Rezept "Tue Gutes und rede darüber" auch und gerade für die Wirtschaft. Doch ökologisch orientiertes Gedankengut hat mittlerweile breite Schichten der Gesellschaft durchdrungen. Etliche Umweltbewegte der 70er und 80er Jahre sitzen heute in Führungsetagen großer Unternehmen und ringen darum, humaner, sauberer und umweltverträglicher zu wirtschaften.

Wenn die Konzerne ihr Engagement ernst meinen, müssen sie allerdings konsequent und glaubwürdig sein. Das heißt konkret: Wer die Formel 1 verlässt, darf irgendwann keine Spritschlucker mehr bauen. Wer Kinderarbeit verbietet, muss auch seine Subunternehmer kontrollieren. Und wer von Lieferanten Umweltstandards verlangt, muss die eigene Öko-Bilanz offenlegen.

Die Firmen sollten sich dabei mit Partnern verbünden. Forschungsinstitute und Umweltorganisationen liefern Wissen und sind wichtig als neutrale Instanzen, die Vorhaben und Ergebnisse prüfen. Keinesfalls reicht es, die grüne Strategie an die Abteilung für Corporate Social Responsibility zu delegieren, die einmal im Jahr einen schicken Bericht fürs Regal produziert. Ökologische und soziale Verantwortung muss auf allen Ebenen des Unternehmens verankert werden. Nur so kann sie wirken.