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Wirtschaft kompakt:Und die Gewinnerin heißt: Susanne Klatten

BMW baut gemeinsam mit dem Graphit-Konzern SGL ein Kohlefaserwerk in den USA. Außerdem: Opel pocht auf staatliche Milliardenhilfe.

BMW macht den nächsten Schritt auf seinem Weg zu einem leichten Elektrofahrzeug. Gemeinsam mit dem Wiesbadener Spezialisten SGL bauen die Münchener in den USA eine Fabrik für Kohlefasern auf.

Das Werk in Moses Lake im Bundesstaat Washington wird den Grundstoff für die kohlefaserverstärkte Kunststoff-Karosserie des geplanten viersitzigen BMW Megacity Vehicle liefern. Profiteurin des Deals ist die Quandt-Erbin Susanne Klatten, die 12,6 Prozent der BMW-Anteile hält und über ihre Beteiligungsfirma Skion 22,25 Prozent von SGL besitzt.

BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner schwärmte von dem leichten Werkstoff. Kohlefaserteile werden bereits in der Luftfahrtindustrie eingesetzt, sind aber derzeit in der Herstellung noch recht teuer. Die Zusammenarbeit mit der Spezialfirma SGL soll helfen, Kosten zu senken und Kohlefaserteile in großer Stückzahl zu fertigen.

Die Reduzierung des Gewichts gilt als absolutes Muss, soll das Megacity Vehicle, ein Kleinwagen mit Elektroantrieb, ein Erfolg werden. Nur so lässt sich nach Ansicht von BMW sicherstellen, dass der Wagen mit einer Batterieladung ausreichend weit fahren kann. Der Münchner Konzern will das völlig neue Fahrzeugkonzept vor dem Jahr 2015 auf die Straße bringen.

BMW und SGL haben den US-Standort unter anderem wegen des hohen Energieverbrauchs bei der Faserherstellung ausgewählt. Der Strom in der Region wird aus Wasserkraft gewonnen und ist billig. Zudem sitzen rund um Seattle viele Kohlefaser-Fachleute. Der benachbarte Boeing-Konzern setzt Kohlefasern seit einiger Zeit verstärkt bei seinen Fliegern ein, vor allem beim neuen Dreamliner 787.

BMW und SGL investieren zusammen rund 100 Millionen Dollar in das Werk und wollen rund 80 Jobs schaffen. Die Kohlefasern werden im zweiten Gemeinschaftswerk in Wackersdorf zu Matten verwoben, die wiederum im BMW-Komponentenwerk Landshut in Form gebracht werden. Die Endmontage des Autos soll in Leipzig erfolgen. Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatten BMW und SGL ihre Zusammenarbeit verkündet.

Opel macht Druck bei Rüttgers

Opel-Chef Nick Reilly dringt auf eine baldige Zusage für eine milliardenschwere Staatshilfe aus Deutschland. "Wir erwarten bald eine Entscheidung", sagte Reilly in Düsseldorf nach einem Treffen mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU). In Nordrhein-Westfalen, wo im Mai ein neuer Landtag gewählt wird, betreibt Opel ein großes Werk in Bochum.

Reilly bezifferte die gewünschten Hilfen mit 1,3 Milliarden Euro. Bislang war von 1,5 Milliarden Euro die Rede, die jeweils zur Hälfte von Bund und Bundesländern mit Opel-Standorten getragen werden sollen. "Wir gehen nicht davon aus, dass wir keine Bürgschaften von Deutschland bekommen." England habe schon 300 Millionen Euro zugesagt und auch in Spanien gebe es positive Signale.

Bau der Gaspipeline Nord Stream hat begonnen

Nach fünf Jahren intensiver Planung hat der Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream - des größten Energieprojekts Europas - begonnen.

Wie die Nachrichtenagentur RIA Nowosti unter Berufung auf Mitarbeiter des russischen Gazprom-Konzerns berichtete, wurde das Milliardenprojekt unter der Ostsee mit der Verlegung der ersten Röhre in Gang gesetzt. Der russische Präsident Dmitri Medwedew will an der offiziellen Eröffnungszeremonie am Freitag teilnehmen.

Die Pipeline soll für Westeuropa eine höhere Energiesicherheit gewährleisten. Wiederholt gab es in den vergangenen Jahren Streit um die Lieferung russischen Gases durch eine Transit-Pipeline von Russland über die Ukraine in den Westen.

Das Nord-Stream-Projekt ist auf 7,4 Milliarden Euro veranschlagt. Die Pipeline wird 1220 Kilometer lang sein und vom russischen Wyborg an die deutsche Ostseeküste bei Greifswald führen. Beteiligt sind neben dem Mehrheitseigner Gazprom auch das deutsche Gasunternehmen Eon Ruhrgas und die BASF-Tochter Wintershall sowie die niederländische Firma Gasunie.

Die Pipeline soll über Hoheitsgebiete von Russland, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland verlaufen. Ende 2011 solle das erste Erdgas durch die Pipeline fließen.

Zwei Siemens-Manager müssen vor Gericht

Im milliardenschweren Schmiergeldskandal bei Siemens müssen sich vom kommenden Montag an zwei weitere ehemalige Manager des Elektrokonzerns vor Gericht verantworten. Die beiden 55 Jahre alten Männer sind wegen Untreue und Beihilfe zur Bestechung angeklagt, wie das Oberlandesgericht München mitteilte.

Die Ex-Manager waren in der früheren Kommunikationssparte von Siemens tätig, in der der Skandal seinen Anfang genommen haben soll. Einem der Männer wird unter anderem vorgeworfen, einen Untergebenen mit der Abwicklung dubioser Zahlungen beauftragt zu haben. Für den Prozess sind zunächst drei Verhandlungstage angesetzt.

Nissan ruft 25.000 Autos zurück

Der japanischer Autohersteller Nissan hat den Rückruf von rund 25.000 Wagen in Japan wegen eines defekten Gaspedals angekündigt. Betroffen sind Angaben des Unternehmens zufolge Wagen der Modelle Cefiro, Bluebird, Sunny, Primera und Tino, die von 1998 bis 2002 in Japan hergestellt und verkauft wurden.

Bei den Autos kehren die Gaspedale möglicherweise verzögert in die Ausgangsstellung zurück. Nach Angaben des Verkehrsministeriums sind wegen des Fehlers 43 Beschwerden eingegangen. Zudem soll der Mangel demnach Ursache für mindestens einen Unfall sein, bei dem im Februar ein Mensch leicht verletzt wurde.

Im März hatte Nissan bereits weltweit knapp 540.000 Autos zurückgerufen, die meisten davon in den USA. Grund waren unter anderem Probleme mit den Bremsen. In den vergangenen Monaten hatte auch Nissans japanischer Konkurrent Toyota wegen verschiedener Mängel weltweit mehr als acht Millionen Wagen zurück in die Werkstätten beordern müssen.

Weltbank rechnet mit stärkerem Wachstum in Ostasien

Die Staaten Ostasiens führen nach Angaben der Weltbank die wirtschaftliche Erholung weltweit an, können ihr schnelles Wachstum aber nur mit strukturellen Reformen sichern. Das Bruttoinlandsprodukt der Region werde in diesem Jahr vermutlich bei 8,7 Prozent liegen, heißt es in einem Bericht. Diese Schätzung liegt fast einen Punkt über der letzten von November.

Selbst bei einer schwächeren globalen Wirtschaft sei in Ostasien in den kommenden Jahren ein rasches Wachstum möglich, erklärte die Weltbank. Die Staaten müssten allerdings mit Nachdruck mittelfristige Reformen umsetzen. Für China bedeutet das dem Bericht zufolge, die Wirtschaft wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Thailand und Vietnam müssten ihre Investitionen in physisches Kapital und Arbeitskräfte verstärken.

US-Unternehmen RealID strebt an die Börse

In den USA bahnt sich einem Zeitungsbericht zufolge ein Milliarden-Börsengang an.

Das Technik-Unternehmen RealID wolle noch im Sommer 2010 an die Börse und dabei etwa eine Milliarde Dollar einnehmen, berichtete die Financial Times unter Berufung auf mehrere mit der Sache vertrauter Personen. Ein Sprecher von RealID wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. RealID stellt unter anderem 3-D-Technologie für Kinosäle her.

© sueddeutsche.de/dpa/AFP/apn/Reuters/tob/pak/mel

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