Wirtschaft kompakt:Rewe lässt Kaninchen leben

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Der Lebensmittelhändler Rewe verzichtet künftig auf Kaninchenfleisch. Außerdem: Der Ifo-Geschäftsklimaindex hat sich überraschend aufgehellt und Ex-Samsung-Chef Lee bekommt eine zweite Chance.

Der zweitgrößte deutsche Lebensmittelhändler Rewe nimmt Kaninchenfleisch bundesweit aus dem Sortiment.

Als Grund nannte Rewe die Käfighaltung von Kaninchen, die gegen den Tierschutz verstoße. Zwar seien in den vergangenen Jahren nach kritischen Berichten Verbesserungen bei der Käfighaltung erzielt worden. Und die Haltungsbedingungen für Kaninchen bei den Rewe-Lieferanten lägen "nachweislich weit über dem Branchendurchschnitt".

Dennoch sei die Käfighaltung nach Experten-Ansicht nicht artgerecht. Das Fleisch, das derzeit noch in den Rewe-Märkten angeboten wird oder sich in den Lagern befindet, soll allerdings noch verkauft werden.

Frühlingsgefühle in der deutschen Wirtschaft

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich nach dem Dämpfer im Vormonat im März deutlich verbessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg von 95,2 Punkten im Februar auf 98,1 Punkte, wie das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung mitteilte. Damit fiel der Anstieg stärker aus als erwartet.

Der Ifo-Index wird jeden Monat aus einer Befragung von rund 7000 Unternehmen erhoben und gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Im Februar war der Geschäftsklimaindex nach zehn Anstiegen in Serie erstmals wieder gesunken.

Die jüngsten Stimmungsindikatoren zeigen nach Einschätzung der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) das Fortschreiten der konjunkturellen Erholung in Deutschland und der Eurozone. "Nach dem Rückgang im Februar ist der Anstieg des Ifo-Index erfreulich", heißt es in einer Kurzstudie des Bankhauses.

Wachstumstreiber sei wie erwartet die Lagekomponente. Freundlicheres Wetter als noch im Februar sowie der exportfördernde niedrige Eurokurs seien die maßgeblichen Impulse. Aber auch der anhaltende Aufwärtstrend bei den Geschäftserwartungen sei "sehr positiv" zu werten. Die Einkaufsmanagerindizes der Eurozone waren wie ihre deutschen Pendants im Monatsvergleich ebenfalls besser ausgefallen.

Klinik-Tarifstreit zieht sich hin

Die Tarifverhandlungen für die Ärzte an kommunalen Krankenhäusern sind in die Verlängerung gegangen. Die vierte Runde war ursprünglich nur für Montag und Dienstag geplant. Beide Seiten sprachen gegenüber von schwierigen Verhandlungen. Diese hatten sich bis zum frühen Mittwochmorgen hingezogen.

Die Sprecherin der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Katja Christ, sagte, die Verhandlungen seien "nach wie vor schwierig", aber immerhin werde weiter miteinander gesprochen. Der Sprecher der Gewerkschaft Marburger Bund, Hans-Jörg Freese, erklärte, von einem Durchbruch sei man noch weit entfernt.

Die Verhandlungen bewegten sich nur in "ganz, ganz kleinen Schritten" voran, und es gebe noch "einige Knackpunkte". Die Ärzte hätten mit ihren Warnstreiks am Montag gezeigt, dass ein Arbeitskampf eine Option wäre, wenn die Verhandlungen nicht zum Erfolg geführt würden.

Der Marburger Bund verlangt für die 55.000 Ärzte an rund 800 kommunalen Kliniken eine lineare Gehaltserhöhung um fünf Prozent und Verbesserungen bei der Vergütung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes in der Nacht, am Wochenende und an Feiertagen. Die VKA bietet den Ärzten eine Gehaltserhöhung von 2,3 Prozent bei einer Laufzeit von 26 Monaten an.

Verurteilter Ex-Samsung-Chef kehrt ins Management zurück

Der wegen Steuerhinterziehung verurteilte frühere Samsung-Chef Lee Kun Hee wird Vorstandsvorsitzender von Samsung Electronics, dem Flaggschiff der Gruppe. Unternehmenssprecher Rhee In Yong sagte der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap, Lee habe sich entschlossen, als Vorstandschef beim weltgrößten Speicherchiphersteller zu arbeiten.

Lee musste 2008 als Samsung-Chef zurücktreten. Eine Gruppe ranghoher Manager habe Lee jedoch im vergangenen Monat wegen der unsicheren Lage der Weltwirtschaft zur Rückkehr ins Unternehmen aufgefordert, sagte Rhee.

Lee war im August vergangenen Jahres von einem Gericht in Seoul zu einer Bewährungsstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Erst im Dezember wurde er wegen der südkoreanischen Bewerbung für die olympischen Winterspiele 2018 begnadigt. Präsident Lee Myong Bak sagte damals, er könne die Bitten seitens des Sports und der Wirtschaft nicht ignorieren, wonach das IOC-Mitglied Lee von entscheidender Bedeutung für die Bewerbung der Stadt Pyeongchang als Austragungsort sei.

Seit seiner Begnadigung hatte Lee immer wieder durchblicken lassen, ins Management von Samsung zurückkehren zu wollen. Lee habe sich des Vertrauensbruchs schuldig gemacht, erklärte der Richter im Sommer 2009. Lee wurde zudem zu einer Geldstrafe von 110 Milliarden Won (63 Millionen Euro) verurteilt.

Er hatte nach Auffassung des Gerichts 1999 eine Firmenanleihe unter Wert ausgegeben und einen Schaden von 22,7 Milliarden Won verursacht. Lee ist der Sohn des Samsung-Gründers und führte den Konzern 20 Jahre lang. Er gilt als einer der reichsten Männer Südkoreas.

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