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Wirtschaft kompakt:Porsche nur in Häppchen für VW genießbar

Porsche ist für VW kein Schnellgericht: Eine sofortige Fusion mit dem überschuldeten Autohersteller sei nicht verdaubar. Außerdem: Woolworth wird Sportartikel-Discounter.

Für Volkswagen soll sich der Einstieg beim hoch verschuldeten Sportwagenbauer Porsche zügig auszahlen. "Nach vier bis fünf Jahren ist das mit entsprechender Verzinsung amortisiert", sagte VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch.

Ein Porsche 911 spiegelt sich in der Radkappe eines VW-Käfers: Die finanzielle Stabilität von VW soll in keiner Phase der bis 2011 geplanten Eingliederung von Porsche in Frage gestellt werden.

(Foto: Foto: AP)

VW verspreche sich von der Übernahme von zunächst 42 Prozent des Sportwagengeschäfts der Porsche AG für 3,3 Milliarden Euro große Einspareffekte durch die gemeinsame Entwicklung von Bauteilen und Komponenten.

Die vollständige Integration von Porsche benötige aber Zeit, da VW seine Bonitätsnote nicht gefährden und die Finanzmärkte mit den geplanten Kapitalerhöhungen nicht überbeanspruchen wolle.

Eine sofortige Fusion von Porsche und VW sei "nicht verdaubar", sagte Pötsch. Die finanzielle Stabilität von VW solle in keiner Phase der bis 2011 geplanten Eingliederung von Porsche als zehnter Marke infrage gestellt werden.

Bei der Entschuldung von Porsche gebe es keinen Zeitdruck, da Porsche mit der Abgabe eines Großteils seiner Optionen auf VW-Aktien an das Emirat Katar seine Liquidität "substanziell" verbessert habe.

Damit sei eine "nicht unerhebliche Risikokomponente" beseitigt, sagte Pötsch. Nun könne mit den Banken über eine solide Finanzierung der zuletzt mit mehr als zehn Milliarden Euro verschuldeten Porsche Holding SE gesprochen werden. Bei Porsche bleibe noch ein kleines Restrisiko, da Katar nicht alle Optionen übernommen habe.

Im Zuge der Eingliederung von Porsche in den VW-Konzern übernehmen Mitte September VW-Vorstandschef Martin Winterkorn und VW-Finanzchef Pötsch das Ruder bei dem Sportwagenhersteller. Bis dahin würden die Details des Zusammenschluss ausgearbeitet. "Wir wollen Synergien schaffen, keine Machtspielchen", sagte Winterkorn.

Woolworth wird Sportartikel-Discounter

Die Kaufhauskette Woolworth stellt sich in der Insolvenz neu auf. Ein zentraler Bestandteil des neuen Konzepts für die Discount-Kaufhäuser ist der neu aufgenommene Handel mit Marken-Sportartikeln zu Discountpreisen.

Zunächst sollen 60 der rund 150 weitergeführten Woolworth-Filialen unter dem Titel "Jump and Run" große Flächen zum Verkauf von sportlichen Schuhen, Zubehör und Kleidung erhalten, berichtete der Insolvenzverwalter am Dienstag in Frankfurt.

Die Waren sollen in Kommission für die Firma Sport Concept GmbH aus Oberhausen verkauft werden, die den Einkauf und die Warensteuerung komplett übernimmt. Das Personal wird von Woolworth gestellt. Die Flächen sollen zwischen 300 und 500 Quadratmeter einnehmen.

Noch keinen Abschluss konnte der Verwalter zu den Übernahmeverhandlungen um die weiteren rund 150 Filialen melden, die nicht mehr den Namen Woolworth tragen sollen.

Reader's Digest beantragt Insolvenz

Das Magazin Reader's Digest will Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts beantragen, um seine Schuldenlast zu reduzieren.

Wie das Unternehmen mitteilte, gibt es bereits eine Einigung mit der Mehrheit der Hauptkreditgeber. Von den Plänen ist ausschließlich die Reader's Digest Association Inc. in den Vereinigten Staaten betroffen, nicht die Unternehmen in anderen Ländern.

Der Entscheidung seien monatelange Überlegungen vorausgegangen, sagte Vorstandschefin Mary Berner. Insgesamt sollen die Schulden mit Hilfe einer Umstrukturierung von derzeit 2,2 Milliarden Dollar auf 550 Millionen Dollar reduziert werden.

Korruptionsverdacht bei BSH alarmiert Staatsanwalt

Die Staatsanwaltschaft München prüft ein Ermittlungsverfahren wegen Korruptionsverdachts beim Hausgerätehersteller Bosch und Siemens (BSH).

Es bestehe der Verdacht, dass der Verkauf von Geräten der Firma angekurbelt oder eine optimale Platzierung der Produkte erreicht werden sollte, sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler.

Von möglichen Ermittlungen wären Mitarbeiter von BSH betroffen. Zugleich stellte Winkler klar: "Sollten sich auf Seiten der BSH Bestechungshandlungen nachweisen lassen, so muss es auch im Handel entsprechende Personen gegeben haben, die sich möglicherweise bestechen ließen."

Bereits am Wochenende war der Korruptionsverdacht bei BSH bekannt geworden. Das Unternehmen hatte bestätigt, dass man entsprechenden Hinweisen nachgehe. Der Verdacht beziehe sich auf die neunziger Jahre. Zugleich zeigte sich BSH überzeugt, dass es inzwischen keine rechtswidrigen Geschäftspraktiken bei dem Unternehmen mehr gebe.

Neues Magna-Angebot für Opel stößt auf Gegenliebe bei Guttenberg

Das neue Angebot des Opel-Interessenten Magna stößt auf Gegenliebe bei Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Dieser war im Mai in Gegensatz zu Kanzlerin Merkel und zu SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier geraten, die Magna damals Bundeshilfen zusagten, während sich Guttenberg gegen die staatliche Finanzspritze aussprach.

Der österreichisch-kanadische Zulieferer habe nachgearbeitet und ein "sehr umfangreiches Konzept vorgelegt", sagte Guttenberg am Rande eines Kraftwerkbesuchs bei RWE im nordrheinwestfälischen Niederaußem. "Es sind noch einige positive Elemente drin, die auch Forderungen aus meinem Hause waren. Jetzt hoffen wir, dass das Konzept so gut ist, dass General Motors das auch für das Reizvollste erachtet", sagte Guttenberg.

Magna hatte nach zähen Verhandlungen vergangenen Donnerstag ein neues Angebot für Opel vorgelegt und sich darin nach eigener Darstellung mit GM auf alle strittigen Punkte verständigt. Nun soll der GM-Verwaltungsrat über die Offerten von Magna und dem konkurrierenden Finanzinvestor RHJ entscheiden.

Chrysler-Gläubiger klagen gegen Daimler

Das Abenteuer Chrysler lässt Daimler einfach keine Ruhe: Eine Gruppe von Gläubigern der früheren Daimler-Tochter hat nun in den USA Klage gegen den deutschen Autohersteller eingereicht.

Bei dem Rechtsstreit geht es um milliardenschwere Vermögenswerte. Nach Ansicht der Gläubiger seien beim Verkauf der Chrysler-Mehrheit an den US-Finanzinvestor Cerberus im Jahr 2007 Werte von rund neun Milliarden Dollar (6,3 Milliarden Euro) verlorengegangen, berichtete der US-Wirtschaftsdienst Bloomberg.

Daimler wies die Vorwürfe am Dienstag erneut als haltlos zurück. "Daimler wird sich dagegen energisch zu Wehr setzen", teilte eine Sprecherin mit.

Der deutsche Autohersteller hat nun bis Mitte September Zeit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Ein New Yorker Gericht hatte den Rechtsstreit am vergangenen Donnerstag zugelassen.