Süddeutsche Zeitung

Wirtschaft kompakt:Neuer Job für den GAU-Meister

Der frühere BP-Chef Hayward soll ein neues Ölimperium verantworten, der Hochtief-Betriebsratschef Müller mag nicht mehr - und EADS hält sich für unverbesserlich. Das Wichtigste in Kürze.

Der nach der Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon abgelöste frühere BP-Chef Tony Hayward soll eine neue, weltweit agierende Ölgesellschaft aufbauen. Er sei von Verantwortlichen des Staatsfonds aus Abu Dhabi gefragt worden, berichtete die Sunday Times. Der Fonds will mehrere Milliarden Dollar bereitstellen, um einen weltweit agierenden Öl- und Gas-Konzern zu schmieden.

Der Staatsfonds wird auf ein Vermögen von bis zu 800 Milliarden US-Dollar (rund 589 Milliarden Euro) geschätzt, schreibt die Zeitung. Das Projekt sei aber noch in einem sehr frühen Stadium. Hayward habe noch andere Angebote. Der Manager hatte den Platz an der Spitze von BP räumen müssen, nachdem er für sein Krisenmanagement während des Öl-Desasters im Golf von Mexiko mit elf Toten in die Kritik geraten war. So war Hayward mit seinem Sohn in Schottland segeln gegangen, als in den USA das Öl tonnenweise ins Meer lief.

Hochtief-Betriebsratschef schmeißt hin

Im Streit um die Übernahme von Hochtief durch den spanischen Baukonzern ACS ist der Konzernbetriebsratsvorsitzende Siegfried Müller zurückgetreten. Er werde auch aus der IG BAU austreten, sagte Müller und bestätigte einen Bericht der WAZ-Gruppe vom selben Tag. "Meine Person wird mit dem Abwehrkampf gegen ACS in Verbindung gebracht", erklärte Müller. Er wolle der weiteren Zukunft nicht im Wege stehen.

Der Angreifer ACS kontrolliert inzwischen mehr als ein Drittel der Hochtief-Anteile. Müller sagte, er werde auch aus der Gewerkschaft austreten. "Ich hab gestern den Brief abgeschickt."

Der Hochtief-Konzernbetriebsrat hatte sich in der monatelang andauernden Übernahmeschlacht gegen Verhandlungen mit ACS ausgesprochen. Das Gremium war entsprechend verärgert, als bekannt wurde, dass die Gewerkschaft bereits mit den Spaniern gesprochen hatte. "Wir waren sehr verschnupft." Der Konzernbetriebsrat hatte dennoch beschlossen, weiter mit der IG BAU zusammenzuarbeiten.

Müller sagte, er werde Mitglied des Konzernbetriebsrats und Betriebsratschef für die Essener Unternehmenszentrale bleiben.

EADS bessert Angebot für US-Tankjetauftrag nicht nach

Anders als der US-Konkurrent Boeing will der europäische Flugzeugkonzern EADS sein Angebot für den milliardenschweren Tankjet-Auftrag in den USA nicht nachbessern. "Es ist nicht unser Stil, in letzter Minute noch hektisch Korrekturen vorzunehmen", sagte Tom Enders, Chef der EADS-Tochter Airbus, am Rande der Münchener Sicherheitskonferenz. Der Konzern habe ein sehr gutes Angebot vorgelegt, das auch ökonomisch vernünftig sei.

Die US-Luftwaffe hat Boeing und EADS aufgefordert, bis zum 11. Februar ihr "bestes und letztes" Angebot für den 50 Milliarden Dollar schweren Auftrag zum Bau von 179 Tankflugzeugen vorzulegen. Boeing hatte am Dienstag Änderungen an seiner Offerte angekündigt. Nach einem Treffen mit Vertretern der US-Luftwaffe nehme der Konzern "letzte Anpassungen" an seinem Angebot vor, schrieb Boeing-Sprecher William Barksdale in seinem Blog. "Unser Angebot steht seit einiger Zeit", betonte dagegen Enders. Er verwies darauf, dass die Offerte auch wirtschaftlich Sinn machen müsse. "Ich denke, wir haben ein sehr gutes Angebot gemacht, aber auch ein ökonomisch vernünftiges, bei dem auskömmliche Margen und Risikomanagement eine zentrale Rolle spielen." In das Angebot seien auch die Erfahrungen mit anderen Rüstungsprojekten vor allem in Europa eingeflossen, die nicht immer erfolgreich gewesen seien.

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