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Wirtschaft kompakt:Megaflieger verhagelt Airbus die Bilanz

Sorgenkind A 380: Das Prestige-Flugzeug von Airbus bereitet dem Mutterkonzern EADS Probleme. Und VW gibt der Krisentochter Seat eine letzte Chance.

Getragen von einem sehr hohen Auftragspolster steuert Airbus verhältnismäßig sicher durch die Krise. Im ersten Quartal stieg der Umsatz von 5,88 auf 6,24 Milliarden Euro. Allerdings drückten ungünstige Wechselkurse und die Produktionsprobleme beim Prestige-Flieger A380 kräftig den Gewinn. Der Ertrag vor Zinsen und Steuern sank von 89 Millionen auf sieben Millionen. Das geht aus dem Quartalsbericht des Airbus-Mutterkonzerns EADS hervor.

Airbus, Foto: Reuters

Airbus hat Probleme, die Produktion des Megafliegers

A 380

hochzufahren.

(Foto: Foto: Reuters)

Der Nettogewinn von EADS schrumpfte daher im ersten Quartal um 39 Prozent auf 103 Millionen Euro. Airbus hatte das erste Exemplar des größten Passagierflugzeugs der Welt mit 18 Monaten Verspätung erstmals im Oktober 2007 ausgeliefert. Seitdem hat der Flugzeughersteller aber Probleme, die Produktion hochzufahren, und musste mehrfach seine Auslieferungsziele für die hochkomplexe Maschine korrigieren.

Für dieses Jahr bestätigte EADS-Finanzvorstand Hans-Peter Ring nun aber, dass Airbus den Kunden weiter mindestens 20 A 380 liefern wolle. 2009 hatte Airbus nur zehn Maschinen geschafft - zwei weniger als 2008.

Unterdessen bekräftigte EADS-Chef Louis Gallois die Vorhersagen des Konzerns. Die Gruppe geht demnach von einem "stabilen" Umsatz von etwa 42,8 Milliarden Euro und einem Ergebnis vor Steuern von rund einer Milliarde Euro aus. Deutlich angestiegen sind die Bestellungen: In den Auftragsbüchern standen zuletzt Order für 14,4 Milliarden Euro, nachdem es vor einem Jahr nur 9,3 Milliarden Euro gewesen waren.

Daimler: Adele, New York!

Nach der Deutschen Telekom und Allianz will auch der schwäbische Autohersteller Daimler seine Aktien nicht mehr an der New Yorker Börse handeln lassen. Sowohl die Notierung der Aktien als auch einer von Daimler garantierten Anleihe an der New Yorker Börse sollen eingestellt werden, teilte der Autokonzern mit. Aus Sicht von Daimler stehen Aufwand und Nutzen in keinem vernünftigen Verhältnis mehr.

Der Handel mit Daimler-Aktien werde in erster Linie in Deutschland und über elektronische Plattformen abgewickelt. Das Handelsvolumen in den USA habe daher in den vergangenen zwölf Monaten deutlich unter fünf Prozent der weltweiten Transaktionen mit Daimler-Papieren gelegen. Das von Vorstand und Aufsichtsrat beschlossene Delisting und die Deregistrierung werde "zeitnah" beantragt, teilte der Konzern mit.

Daimler verkauft in Nordamerika jedes vierte Fahrzeug. Zudem arbeiten dort rund zehn Prozent der weltweiten Daimler-Belegschaft von knapp 255.000 Mitarbeitern. Noch vor zwei Wochen, nachdem die Deutsche Telekom ihren Abschied von der Wall Street mitgeteilt hatte, hatte Daimler-Finanzchef Bodo Uebber Überlegungen für einen Rückzug von der New Yorker dementiert.

Im vergangenen Herbst hatten bereits die Allianz, Infineon, Bayer, BASF und Eon den Rückzug von der US-Börse angetreten. Künftig werden somit nur noch vier Dax-Unternehmen in New York gelistet sein: SAP, Siemens, die Deutsche Bank und Fresenius Medical Care.

Seat - der "letzte Versuch"

Die VW-Krisenmarke Seat will mit einer Modelloffensive einen neuen und entscheidenden Anlauf zur Rettung unternehmen. "Das ist der letzte Versuch für die Marke", sagte Seat-Chef James Muir. Ziel sei es, binnen fünf Jahren wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Die verlustreiche spanische Marke ist seit langem das Sorgenkind des VW-Konzerns. Muir, seit dem vergangenen September Seat-Chef, will die Marke breiter aufstellen. Der Autobauer hängt seinen Worten zufolge derzeit zu sehr von seinem wichtigsten Modell Ibiza ab.

Seat bereite deshalb für 2012 eine Produktoffensive beim Modell Leon vor. Die Zahl der Varianten solle erhöht werden. Der Absatz des Modells solle auf rund 200.000 mehr als verdoppelt werden und damit das Niveau des Ibiza erreichen. Außerdem wolle Seat sein Händlernetz in europäischen Metropolen verstärken. Höchste Priorität habe eine bessere Auslastung des Werks in Martorell, die derzeit bei nur 60 Prozent liege. In der Fabrik könnten 500 000 Autos im Jahr hergestellt werden. Ziel sei eine Auslastung von 90 Prozent.

Mehrere Versuche, Seat zu sanieren, waren in der Vergangenheit gescheitert. Im vergangenen Jahr war die Marke noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Die Verluste lagen bei 339 Millionen Euro, mehr als viermal so viel wie im Vorjahr. Die Zahl der verkauften Fahrzeuge ging um 8,5 Prozent auf 337.000 zurück.

Dennoch habe Seat für seine Produktoffensive "ausreichend" Investitionsmittel, sagte Muir, ohne eine genaue Summe zu nennen. Nur mit Kostensenkungen werde der Autohersteller nicht aus den roten Zahlen herauskommen. Eine Rettung der Marke sei nur mit der Unterstützung von Volkswagen möglich. Diese sei vorhanden. "Der einzige Grund, warum Seat noch lebt, ist der VW-Konzern."

Posco greift nach Daewoo International

Der größte südkoreanische Stahlkonzern Posco will durch einen Zukauf in Milliardenhöhe die Versorgung mit Rohstoffen absichern. Im Bieterverfahren um einen Mehrheitsanteil am einheimischen Handels- und Ressourcenunternehmen Daewoo International erhielt der weltweit viertgrößte Stahlkocher das exklusive Verhandlungsrecht zugesprochen. Das teilte das Aufsichtskomitee für staatliche Fonds in Seoul mit.

Einen Kaufpreis nannte das Gremium nicht, doch hat das Gebot Poscos nach Berichten der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap bei 3,4 bis 3,5 Billionen Won (etwa 2,5 Milliarden Euro) gelegen. Die Gläubiger von Daewoo International wollen einen Anteil in Höhe von 68,15 Prozent abstoßen. Die staatliche koreanische Vermögensverwaltungsgesellschaft (Kamco) ist mit 35,5 Prozent und andere Gläubiger, darunter die Export-Import Bank of Korea, mit 32,65 Prozent an der größten südkoreanischen Handelsfirma beteiligt, deren Geschäfte große Energieentwicklungsprojekte im Ausland umfassen. Bei einem Erfolg der Verhandlungen in den kommenden Wochen wäre es das größte Übernahmegeschäft für Posco.

In Bieterverfahren stach Posco den größten Warenhausbetreiber des Landes, Lotte-Gruppe, aus. Durch den Erwerb einer Mehrheit bei Daewoo würde sich der Stahlproduzent den direkten Zugriff auf wichtige Erschließungsprojekte verschaffen. Daewoo International betreibt unter anderem ein Erdgasprojekt in Birma und hält Anteile an einer Nickelmine in Madagaskar und Kohlebergwerken in Australien.

© sueddeutsche.de/dpa/Reuters/AFP/tob/hgn

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