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Wirtschaft kompakt:Kampf gegen die Milliarden-Strafe

Der Ölkonzern Chevron soll fast neun Milliarden Dollar Schadenersatz wegen Umweltverschmutzungen zahlen - weigert sich aber. Außerdem: Warnstreik bei der Telekom. Das Wichtigste in Kürze.

Ein Gericht in Ecuador hat den US-Ölmulti Chevron nach Angaben des Wall Street Journals zu mehr als 8,6 Milliarden Dollar Strafe wegen massiver Umweltverschmutzung im Amazonasgebiet verurteilt. Dort sickern seit Jahren große Mengen Öl aus einer alten Förderstätte in den Boden und verseuchen die Region. Sollte sich der Konzern in Zeitungsanzeigen in Ecuador und den USA nicht binnen 15 Tagen öffentlich entschuldigen, drohte der Richter demnach sogar damit, die Strafe zu verdoppeln.

Ecuadorean workers clean up an oil waste pit owned by state petroleum company Petroecuador in Shushufindi

Von den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bis 1992 baute der später von Chevron übernommene Konzern Texaco in Ecuador Öl ab - zurück blieben Ölbassins, aus denen noch heute Gift in die Umwelt sickert. Eine Umweltschutzorganisation fordert, dass Chevron für die bis heute andauernden Säuberungsarbeiten aufkommt.

(Foto: REUTERS)

Chevron fühlt sich jedoch nicht zuständig und kündigte seinen Widerstand gegen das Urteil an. Das Urteil sei "unrechtmäßig und nicht durchsetzbar", teilte der Konzern mit. "Es ist das Resultat von Betrug." Chevron verwies darauf, dass internationale und US-amerikanische Gerichte bereits im Vorfeld Schritte unternommen hätten, die Entscheidung aus Ecuador zu blockieren.

Der Rechtsstreit zieht sich seit 1993 hin. Der Ölkonzern Texaco - der zwischenzeitlich von Chevron übernommen wurde - hatte im Amazonasgebiet von den sechziger Jahren an Öl gefördert. Nachdem sich Texaco 1992 zurückgezogen hatte, blieben Hunderte offene Öl-Bassins übrig, aus denen besonders in der Regenzeit eine giftige Brühe in den Boden fließt.

Die Kläger sehen Chevron in der Pflicht. Doch der US-Konzern sagt, die Ölfelder seien wie vereinbart übergeben worden und die Verantwortung liege bei der staatlichen Erdölgesellschaft Petroecuador. Eine Umweltschutzorganisation hatte im Namen von 30.000 Betroffenen Klage erhoben und verlangt, dass Chevron für die Säuberung des Gebiets und die gesundheitlichen Schäden der Menschen aufkommt.

Mit einem eintägigen Warnsteik haben 1.400 Telekom-Mitarbeiter den Druck auf den Konzern in den Tarifverhandlungen erhöht. Daher könnten Servicetechniker ausfallen, auch lange Wartezeiten bei der Störungsannahme seien möglich, teilte die Gewerkschaft Verdi mit. Verdi und die Telekom treffen sich am Dienstag in Hamburg zur dritten Runde der Tarifverhandlungen für rund 50.000 Tarifbeschäftigte. Ein erstes Angebot wird am Nachmittag erwartet.

Ein Konzernsprecher hatte zuvor angekündigt, es sei klar, "dass wir nicht über eine Nullrunde reden". Verdi fordert eine Anhebung der Gehälter um 6,5 Prozent, mindestens aber um 170 Euro monatlich. Die Ausbildungsvergütungen sollen um 70 bis 90 Euro steigen, Beamte sollen einen Ausgleich erhalten. Zudem will Verdi, dass die Telekom betriebsbedingte Beendigungskündigungen ausschließt. Einschließlich der Beamten sind rund 105.000 Mitarbeiter in der Konzernzentrale und in der Telekom Deutschland GmbH vom Ergebnis der Tarifverhandlungen betroffen.

Zum Auftakt der Tarifrunde trafen sich laut Verdi die Streikenden aus Hamburg, Bremen, Rostock und Niedersachsen zu einer Demonstration, die zum Verhandlungshotel ziehen sollte. Die Telekom müsse damit rechnen, dass es zu Streiks komme, wenn kein vernünftiges Angebot vorgelegt werde, sagte Verdi-Streikleiter Ado Wilhelm.

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