Wirtschaft kompakt Arbeitgeber warnen vor zu hohen Lohnforderungen

Trotz der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt und der leicht anziehenden Konjunktur haben die Arbeitgeber die Gewerkschaften vor überzogenen Lohnforderungen gewarnt. Der derzeitige Aufschwung dürfe auf keinen Fall belastet oder gefährdet werden, sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt am Sonntag im Deutschlandfunk. Nach Ansicht von Experten könnten die Löhne auch wegen des Bevölkerungsrückgangs ab 2013 stark steigen. Die moderate Lohnpolitik der vergangenen Jahre sei ein Grund für die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt gewesen, sagte Hundt. Er stufte die wirtschaftliche Entwicklung als sehr positiv ein und rechnete mit einem Wachstum "mit einer Zwei vor dem Komma". Allerdings gebe es auch Risiken, da der Aufschwung allein von den Exporten getragen werde. Zudem klagten vor allem mittelständische Unternehmen über steigende Kreditkosten. "Für Partystimmung ist die Zeit noch nicht reif."

Auch Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegießer warnte davor, die wirtschaftliche Erholung in Deutschland überzubewerten. "Wir sind noch lange nicht wieder da, wo wir vor der Krise waren", sagte Kannegießer im Deutschlandfunk. Höhere Lohnforderungen einiger Gewerkschaften seien ein "völlig falsches Signal". Die Brüsseler EU-Kommission bewertete die Konjunkturaussichten für Deutschland ebenfalls vorsichtig. Während die Bundesregierung von 1,4 Prozent Wachstum für dieses Jahr ausgeht, rechnete der Generaldirektor der EU-Kommission für Wirtschafts- und Währungsfragen, Marco Buti, mit einem Plus von 1,2 Prozent in diesem Jahr, wie die Zeitung "Die Welt" am Samstag berichtete. 2011 solle das Wachstum dann bei 1,6 Prozent liegen.

Nach Ansicht von Experten können Arbeitnehmer in den kommenden Jahren dennoch mit Lohnsteigerungen rechnen. Die Zahl der Arbeitssuchenden könnte bis zum Jahr 2014 von derzeit 3,19 Millionen auf 1,88 Millionen zurückgehen, berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Berechnungen des Forschungsinstituts Kiel Economics. Die Bruttolöhne könnten dann 2013 um 4,3 Prozent und 2014 um 4,9 Prozent steigen, prognostizieren die Forscher. Grund für den erwarteten Engpass bei den Arbeitskräften sind den Angaben zufolge die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und der Bevölkerungsrückgang.