Wirtschaft kompakt Italiener interessieren sich für Karstadt

Kurz vor der Entscheidung über die Zukunft von Karstadt hat der italienische Kaufhaus-König Maurizio Borletti Interesse an der insolventen Warenhauskette angemeldet. Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg gibt ihm jedoch kaum Chancen, den Milliardär Nicolas Berggruen mit einem höheren Angebot in letzter Minute noch auszustechen: "Das Schreiben von Herrn Borletti wirft mehr Fragen auf als es beantworten würde", sagte ein Sprecher Görgs am Sonntag. Die Angebotsfrist sei Ende Mai abgelaufen, Görg sei an den notariell unterzeichneten Kaufvertrag mit Berggruen gebunden. Finanzkreisen zufolge hat Borletti rund 100 Millionen Euro für Karstadt geboten, Berggruens Angebot liegt bei 65 Millionen. Als Finanzierungspartner hat der Italiener den auf Sanierungen spezialisierten US-Handelsinvestor Gordon Brothers gewonnen, wie zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten.

Gordon hatte in Deutschland die insolvente Drogeriekette "Ihr Platz" gerettet, war mit seiner Offerte für Woolworth aber gescheitert. Einem Bericht von Bild am Sonntag zufolge will Borletti verhindern, dass die Karstadt-Häuser geschlossen werden, wenn eine Übernahme durch Berggruen scheitert: "Eine Liquidation ist keine Option. Ich habe beim Insolvenzverwalter ein eigenes Angebot für Karstadt abgegeben", zitierte ihn die Zeitung. Görg wertet den Brief aber noch nicht als förmliche Offerte. Er ist nach dem Votum der Gläubiger auch nicht an das höchste Angebot gebunden. Borletti gehören die Luxus-Kaufhausketten "La Rinascente" und "Printemps" in Italien und Frankreich. Ihm wird vor allem Interesse am Berliner "KaDeWe" und anderen Aushängeschildern von Karstadt nachgesagt. Borletti ist mit rund zwei Prozent auch an dem Konsortium Highstreet beteiligt, das Arcandor die Karstadt-Immobilien für 4,6 Milliarden Euro abgekauft hatte und nun als Vermieter auftritt.

Die von Goldman Sachs und der Deutschen Bank dominierte Highstreet ging auf Distanz: "Highstreet ist nicht Teil des Angebots von Herrn Borletti. Solange Herr Görg das Angebot nicht in Erwägung zieht, gibt es für uns keinen Anlass, dieses Angebot zu prüfen", sagte ein Sprecher. Berggruen muss sich bis zum 8. August mit Highstreet und deren Geldgebern einigen, um endgültig den Zuschlag für die Kette mit 120 Warenhäusern und 25.000 Mitarbeitern zu bekommen. Am 10. August will das Amtsgericht Essen auf dieser Basis über den Insolvenzplan entscheiden, mit dem Karstadt entschuldet werden soll. Die Gläubiger, denen die frühere Arcandor-Tochter mehr als zwei Milliarden Euro schuldet, verzichten demnach auf 97 Prozent ihrer Forderungen, wenn Karstadt unter neuer Führung weitermachen kann. Gläubiger einer von Highstreet begebenen Anleihe haben den von Berggruen geforderten Mietsenkungen bereits zugestimmt, das Ja der übrigen Kreditgeber soll so schnell wie möglich eingeholt werden. Zünglein an der Waage ist die kleine Essener Valovis Bank, die Highstreet 850 Millionen Euro geliehen hat. Sie bangt um ihre Sicherheiten, wenn die Kaufhaus-Immobilien an Wert verlieren. Berggruen war ihr bereits entgegengekommen.