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Wirtschaft kompakt:Fluglotsen geben sich zahm

Bei den streikbereiten Fluglotsen ist ein Arbeitskampf vom Tisch. Außerdem: Unilever muss 100.000 Packungen seiner Bifi-Salamis zurückrufen. Das Wichtigste in Kürze.

Über Monate schwelte der Tarifkonflikt, doch jetzt gibt es eine Einigung zwischen der Deutschen Flugsicherung (DFS) und ihrer Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF).Die angedrohten Fluglotsen-Streiks in den kommenden Wochen sind damit vom Tisch.Inhalte teilte die DFS am Freitagabend zunächst nicht mit.

Die GdF hatte vergangene Woche Streiks an deutschen Flughäfen angekündigt, nachdem die Verhandlungen mit der DFS über kürzere Arbeitszeiten gescheitert waren. Die Lotsen wollen ihre Arbeitsbelastung reduzieren. Die DFS hielt dagegen, dass die Arbeitsbelastung an vielen Flughäfen zuletzt ohnedies gesunken sei.

Die Einigung gelang nach DFS-Angaben auf Anregung und unter Moderation des DFS-Aufsichtsratsvorsitzenden Robert Scholl. Die zweitägigen Gespräche seien schwierig gewesen, aber in sachlicher und konstruktiver Atmosphäre verlaufen. Beide Parteien hätten nun bis zum 28. April Zeit, um das Ergebnis formell anzunehmen. Die Gewerkschaft hat rund 3200 Mitglieder.

Der Verbrauchsgüter-Konzern Unilever hat rund 100.000 Packungen seiner Bifi-Minisalamis zurückgerufen. Ein Verbraucher habe millimetergroße Metallteilchen in der Salami gefunden, sagte ein Sprecher. Es werde noch geprüft, wie das Metall in die Wurst gekommen sei. Betroffen seien Bifi Original 5er Multipacks mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 22.07.2010 gefolgt von einer Zahlenreihe beginnend mit der Nummer L0021. Die Informationen befinden sich am Rand der Einzelverpackung.

Das Produkt habe sich seit dem 15. Februar 2010 im Handel befunden, berichtete der Konzern. Andere Bifi-Produkte seien nicht betroffen. Die Kunden sollten auf den Verzehr verzichten und die leere Verpackung für eine Erstattung an den Unilever-Verbraucherservice senden.

"Es sind keine Verletzungsgefahren da", sagte der Sprecher. Seit Bekanntwerden des Falls habe Unilever mit den Behörden zusammen die Qualitätskontrolle überprüft. "Wir können ausschließen, dass so etwas nochmal passiert." Die Wurst wird mit verschiedenen Tests auf Fremdkörper kontrolliert. Dabei hilft auch ein Metalldetektor.

Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Hamburg gibt es bei der Lebensmittelherstellung sehr gute Überwachungsmechanismen. Trotzdem könne es passieren, dass Fremdkörper in die Produktionskette gelangen, etwa weil Verpackungsmaterial falsch verwendet werde, sagte Ernährungsexpertin Claudia Michehl. "Eine hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben."

Google und die Lizenz zum Gelddrucken

Trotz aller Probleme mit der chinesischen Regierung, der Konkurrenz und Behörden bleibt Google eine Geldmaschine. "Google hat sich im ersten Quartal sehr gut geschlagen", resümierte Finanzchef Patrick Pichette am Donnerstag.

Der Internetkonzern mit Sitz im kalifornischen Mountain View verdiente unterm Strich knapp zwei Milliarden Dollar und damit 38 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die digitale Wirtschaft wachse schnell und deshalb bleibe Google optimistisch, sagte Pichette. Der Konzern verdient sein Geld hauptsächlich mit Werbung im Umfeld von Suchergebnissen. In der schlechten Wirtschaftslage sparten sich viele Firmen die teuren Anzeigen.

"Die Werbetreibenden kommen zurück", sagte der Finanzchef. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 23 Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar. Die Anleger zeigten sich ungeachtet der guten Zahlen unzufrieden: Nachbörslich sank die Aktie um schließlich fünf Prozent.

Es überwogen die Sorgen, dass Google sich mit neuen Projekten verzettelt. Zudem hatten einige Analysten insgeheim auf ein noch besseres Abschneiden gewettet, nachdem das Technologie-Schwergewicht Intel sich zu Wochenbeginn in Bestform präsentiert hatte.

Google ist breit aufgestellt und stößt in immer mehr Felder vor. Das führt unweigerlich zu Konflikten. Eines der größten Abenteuer ist das Mobilfunk-Geschäft. Der Konzern hat das Handy-Betriebssystem Android entwickelt und mit dem Nexus One auch ein eigenes Smartphone auf den Markt gebracht.

Finanzchef Pichette versicherte, dass das Gerät profitabel sei. Die Stückzahlen liegen weit hinter denen der etablierten Konkurrenz. Der Vorstoß auf den Handy-Markt hatte zum Krach mit dem iPhone-Hersteller Apple geführt, ehedem ein guter Partner.

"Wir hatten eine starke Verbindung zu Apple und wir hoffen, dies in der Zukunft fortsetzen zu können", sagte Entwicklungschef Jeff Huber und reagierte damit auf Spekulationen, Apple könne Google als Suchmaschine von seinem iPhone verbannen und zu Microsofts Bing wechseln.

Spannend bleibt auch die Situation in China. Google wollte nicht länger die von der Regierung auferlegte Zensur mitmachen und verlegte seine Suchmaschine ins freiere Hongkong. Das führte zu erheblichen Beeinträchtigungen. "Wir glauben, wir haben die richtige Entscheidung getroffen", sagte Finanzchef Pichette.

Es handele sich aber nicht um einen kompletten Rückzug aus dem Riesenreich, stellte er klar: Die Entwickler und die Vertriebler blieben in China. Ungemach droht Google auch aus den Industriestaaten: Datenschützer in Deutschland attackieren das Projekt Street View, mit dem Google ganze Städte abfotografiert.

Continental mischt sich in Airlines-Fusion ein

Die angedachte Fusion zwischen US Airways und United Airlines ist noch lange nicht in trockenen Tüchern. Der Rivale Continental Airlines hat sich nach einem Bericht der New York Times eingemischt und eigene Verhandlungen mit der United-Airlines-Mutter UAL aufgenommen.

Die Gespräche befänden sich in einem frühen Stadion und könnten leicht scheitern, schränkte die Zeitung ein. In der krisengeplagten Branche herrschen Sparzwänge und ein starker Konsolidierungsdruck. Zuletzt hatte Continental 2008 mit der United Airlines über einen Zusammenschluss verhandelt, allerdings ohne Erfolg.Vor einigen Tagen waren dann US Airways und United Airlines auf Tuchfühlung gegangen. Schon kurz danach tauchten Spekulationen auf, Continental könnte eingreifen.

Ein Branchenexperte vermutet einen geschickten Schachzug von United: Die Fluggesellschaft habe lange am Traualtar stehen müssen und sei des Wartens auf Continental müde geworden, sagte Mo Garfinkle.

"Vielleicht kann United durch den Flirt mit einem anderen Mädchen die Aufmerksamkeit von Continental zurückgewinnen." Die Aktien von Continental und UAL legten kräftig zu. Zusammen würden die beiden Unternehmen die größte Fluggesellschaft der Welt werden. Die beiden Gesellschaften sind - genauso wie US Airways - bereits über das Luftfahrtbündnis Star Alliance miteinander verbandelt. Diesem gehört auch die Lufthansa an.

Razzia bei HP auch in Moskau

Wegen des Verdachts der Korruption ist in Moskau die Niederlassung des US-Computer- und Druckerherstellers Hewlett-Packard (HP) auf Grundlage eines deutschen Amtshilfeersuchens durchsucht worden.

In Zusammenarbeit mit der Generalstaatsanwaltschaft Dresden werde gegen mehrere Verdächtige ermittelt, darunter auch Deutsche, teilte ein Sprecher der russischen Justiz am Donnerstag in Moskau mit.

Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Dresden geht es um einen Vertrag, den HP mit der russischen Generalstaatsanwaltschaft im Jahr 2000 geschlossen hat. Das Geschäft zur Ausstattung russischer Staatsanwaltschaften mit Computern, Hardware und Software habe ein Volumen von 35 Millionen Euro gehabt, sagte Sprecher Wolfgang Klein.

Hewlett-Packard bestätigte die Durchsuchungen in Moskau vom Vortag. Man kooperiere bei den Ermittlungen gegen die Verdächtigen, die allerdings größtenteils nicht mehr bei dem Unternehmen tätig seien, sagte HP-Sprecherin Anette Nachbar. Laut Klein waren die Ermittler auf dubiose Zahlungen über ein Firmengeflecht gestoßen.

Auch eine kleine sächsische Computer-Firma hänge mit drin. "Wer davon profitiert hat, wissen wir noch nicht." Deswegen sei es verfrüht, definitiv von Schmiergeld zu sprechen. Teils seien Briefkastenfirmen quer über die Welt involviert gewesen.

"Das deutsche Amtshilfeersuchen umfasst die Durchsuchung sowie das Beschlagnahmen von Akten", sagte Sprecherin Marina Gridnewa von der Generalstaatsanwaltschaft Moskau nach Angaben der Agentur Interfax. Mittlerweile sind auch die US-Behörden eingestiegen. Hewlett- Packard bestätigte am Abend eine Anfrage der gefürchteten Börsenaufsicht SEC.

Sie kann hohe Zivilstrafen verhängen. Jüngst bekam der Autobauer Daimler ihre Macht zu spüren, weil Mitarbeiter weltweit geschmiert hatten. Nach Angaben des Wall Street Journal interessiert sich auch das US-Justizministerium für den Fall HP.

© sueddeutsche.de/dpa/AP/Reuters/nog/tob/hgn/mel/aho
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