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Wirtschaft kompakt:Conti bekommt prominenten Chefaufseher

Neuer Aufsichtsratschef von Conti ist Wolfgang Reitzle. Außerdem: Die France Telecom ergründet das Betriebsklima mit einem Fragenkatalog.

Wolfgang Reitzle heißt der neue Aufsichtsratsvorsitzende des Autozulieferers Continental. Das teilte das Unternehmen nach einer Sitzung des Gremiums mit. Unter dem 60-jährigen Linde-Chef Reitzle soll Continental nach dem dramatischen Machtkampf mit dem Großaktionär Schaeffler wieder zur Ruhe kommen. Der ehemalige Auto-Manager löst den Schaeffler-Berater Rolf Koerfer an der Spitze des Kontrollgremiums ab. Damit kommt Conti-Großaktionär Schaeffler einer Forderung der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat von Conti nach.

Koerfer soll dem Kontrollgremium aber weiter als Mitglied des Präsidiums angehören. Der Aufsichtsrat beschloss zudem weitere Personalien. Wolfgang Schäfer (50) kommt zum 1. Januar als Finanzvorstand zu Continental. Er ist bisher beim Zulieferer Behr in Stuttgart als Finanzchef tätig. Ebenfalls in den Vorstand berufen wurde José A. Avila (54), der die Leitung der Sparte Powertrain (Motor und Getriebe) übernehmen soll.

Stimmungstest bei France Telecom

Die Konzernführung der France Télécom will die Stimmungslage im Betrieb erforschen. Nach der Selbstmordserie gibt es nun eine groß angelegte Mitarbeiterbefragung. 102.000 Beschäftigte des Unternehmens in Frankreich erhielten über 160 Fragen zum "Stress bei der Arbeit". Vier Wochen haben die Mitarbeiter Zeit, den Fragenkatalog zu beantworten. Die Fragen beziehen sich unter anderem auf Arbeitsbelastung, Entscheidungsfreiheit, Unterstützung sowie Anerkennung durch Kollegen und Vorgesetzte.

In der Rubrik "Psychologische Situation bei der Arbeit" etwa werden die Mitarbeiter gefragt, ob sie sich "verzweifelt" oder "unter Druck" fühlten oder bei der Arbeit geweint hätten. Bei France Télécom haben sich in den vergangenen 20 Monaten 25 Mitarbeiter umgebracht. Die Gewerkschaften machen für die Selbstmordserie den rasanten Konzernumbau verantwortlich, durch den viele Beschäftigte versetzt und die Arbeitsabläufe stark verändert würden.

(sueddeutsche.de/AFP/tjon)

Werbebranche wächst erst 2011 wieder stärker

Nach einer Studie der Mediaagentur Zenith Optimedia hat der stark gebeutelte Werbemarkt die Talsohle bis Ende des Jahres wohl erreicht. 2010 sollen die Bruttoerwerbserlöse dann wieder um 0,5 Prozent auf 446 Milliarden Dollar steigen. Allerdings müssen Westeuropa, Nordamerika und Japan den Angaben zufolge auch weiterhin mit rückläufigen Ausgaben rechnen. Die Agenturgruppe geht für Deutschland nach minus 8,5 Prozent 2009 im kommenden Jahr mit einem Rückgang von 3,2 Prozent von einer moderaten Erholung aus.

Mit einem Plus sei dann ab 2011 wieder zu rechnen. Die Märkte Nordamerika, Westeuropa und Japan dürften sich im Gegensatz zu allen anderen Märkten insgesamt allerdings deutlich langsamer von dem Konjunkturtief erholen. Hier sei 2011 mit einem Plus von 1,5 Prozent zu rechnen, in den übrigen Märkten mit 9,8 Prozent Wachstum. Für dieses Jahr erwartet die Zenith Optimedia einen Rückgang der weltweiten Werbeinvestitionen um 9,9 Prozent auf knapp 445 Milliarden Dollar.

Profitieren wird laut Studie vor allem der digitale Werbemarkt: Bis 2011 werden demnach rund 15 Prozent der weltweiten Werbegelder ins Internet fließen, darunter in Suchmaschinen-Marketing und Bewegtbild-Werbung. In Deutschland leiden mit einem Minus von 18,2 Prozent nach wie vor insbesondere die Zeitschriften an rückläufigen Werbeinvestitionen.

Früherer Daimler-Manager vor Gericht

Vor dem Amtsgericht Stuttgart hat der ehemalige Daimler-Manager Jürgen Fahr bestritten, in einem Prozess vor sieben Jahren einen Meineid geleistet zu haben. Die Staatsanwaltschaft habe seine Aussage in einem Prozess um sogenannten Graumarktgeschäfte aus dem Zusammenhang gerissen und in einen falschen Kontext gestellt, sagte Fahr, früherer Chef des Mercedes-Benz-Vertriebs in Deutschland, nach Verlesung der Anklage.

"Die Staatsanwaltschaft verwendet nur das, was in ihre vorgefertigte Meinung passt", sagte der 61-jährige Fahr. Bei sogenannten Graumarktgeschäften werden Fahrzeuge - entgegen EU-Bestimmungen - am offiziellen Vertriebsnetz vorbei verkauft, um die Absatzzahlen aufzubessern. Staatsanwältin Eva Wallberg sagte zum Auftakt des Prozesses, Mercedes-Manager Fahr habe als Zeuge in einem Gerichtsverfahren bestritten, dass es einen solchen Parallelmarkt für Automobile gebe. Der Angeklagte ist sich nach eigener Aussage nicht bewusst, die Unwahrheit gesagt zu haben. Meineid kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft werden. Das Amtsgericht wird voraussichtlich am Mittwoch ein Urteil fällen.

Auftragsplus in der Industrie

Für das dritte Quartal erwartet die Bundesbank eine weitere Erholung der deutschen Wirtschaft. "In diesem Zusammenhang spielt die weitere Aufhellung des internationalen Umfelds eine wichtige Rolle", heißt es in ihrem Monatsbericht. Dagegen habe das Inland kaum zur Belebung beigetragen. Besonders vom privaten Konsum kamen demnach wegen rückläufiger Einzelhandelsumsätze und weniger Autokäufe voraussichtlich keine Impulse mehr.

Die Industrie verzeichnete wieder spürbar mehr Aufträge, wie die Bundesbank berichtete. Der Durchschnitt der Monate Juli und August habe ohne Sonderfaktoren um 5,75 Prozent über dem des Frühjahrs gelegen. Die Produktion entwickelte sich dagegen verhaltener. Im Juli und August habe es im Vergleich zu Mai und Juni keinen nennenswerten Zuwachs gegeben. Der Umsatz im Ausland konnte nach den Bundesbank-Angaben merklich zulegen. Da die Ausfuhren kräftiger zunahmen als die Einfuhren, erhöhte sich der Außenhandelsüberschuss. Im Inland ergibt sich aus den Zahlen ein gespaltenes Bild: Während Vorleistungsgüter, also kurzlebige Erzeugnisse, für ein deutliches Plus sorgten, schrumpfte der Umsatz mit Investitionsgütern.