Arbeitsmarkt:Trotz Krisensorgen gibt es weniger Arbeitslose

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Sieht düsterer aus, als es ist: Gerade Dienstleister suchen im Moment noch neue Mitarbeiter, insbesondere der IT-Sektor sowie Anwälte und Steuerberater.

(Foto: Sebastian Gollnow/picture alliance/dpa)

Die Inflation bremst die deutsche Wirtschaft, doch der Arbeitsmarkt zeigt sich weiter stabil. Kaum jemand muss um seinen Job fürchten, sagen Forscher.

Von Alexander Hagelüken

Rekordinflation, und die Wirtschaft schrumpft bald: Seit Tagen hagelt es negative Nachrichten. Der Arbeitsmarkt aber trotzt vorerst der Krisenstimmung. Die Zahl der Arbeitslosen fiel im September um 62 000 auf unter 2,5 Millionen. "Der Arbeitsmarkt ist trotz steigender Preise und der Sorge vor Energieknappheit sehr robust", sagt Andrea Nahles, die neue Chefin der Bundesagentur für Arbeit (BA). "Das finde ich sehr erfreulich".

Im Herbst stellen Unternehmen traditionell nach der Sommerpause wieder mehr Personal ein als etwa im Juli und August. Dies tun sie auch im Moment, obwohl sich die wirtschaftliche Entwicklung eintrübt. Rechnet man diesen Saisoneffekt heraus, nahm die Zahl der Arbeitslosen im September leicht zu. Sie liegt zur Zeit etwas höher als vor einem Jahr. Das hängt stark damit zusammen, dass sich die Geflüchteten aus der Ukraine wie stets bei Migration erst nach und nach in den Arbeitsmarkt integrieren lassen. Rechnet man Menschen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit heraus, gibt es knapp 200 000 Arbeitslose weniger.

Die wirtschaftliche Entwicklung wirkt sich aber aus. So lässt die Nachfrage nach Personal erkennbar nach, so Nahles. Bremsspuren zeigen sich bei der Zahl jener, die in der Bundesrepublik Arbeit haben. Das sind mehr als 45 Millionen Menschen, was im langjährigen Vergleich sehr viel ist. Doch erstmals seit eineinhalb Jahren nahm ihre Zahl im August nicht zu, meldete das Statistische Bundesamt am Freitag. In den Monaten davor hatte sie sich stets um 20 000 bis 30 000 gesteigert.

Wie sind die weiteren Aussichten? Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sank zuletzt erneut und signalisiert nur noch leicht Positives. "Arbeitskräftemangel trifft auf Energiekrise", analysiert Prognoseleiter Enzo Weber. "Der boomende Arbeitsmarkt bekommt einen Dämpfer". Die Zeichen deuten auf eine zumindest leicht steigende Arbeitslosigkeit.

Eindeutig ist der Trend nicht. Angesichts der wirtschaftlichen Probleme halten sich manche Unternehmen zwar dabei zurück, Personal einzustellen. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer fiel im September. Gerade Dienstleister suchen aber noch neue Mitarbeiter, insbesondere der IT-Sektor sowie Anwälte und Steuerberater.

Wie geht es in den nächsten Monaten weiter? Die führenden Konjunkturinstitute sagen in ihrer Herbstprognose voraus, dass die Inflation noch weiter steigt. Viele Bürger müssten deshalb Ausgaben streichen, was die Wirtschaft nächstes Jahr schrumpfen lasse. Das klingt so, als ob massenhaft Jobs verloren gehen könnten.

Doch zum einen erwarten die Forscher mit minus 0,4 Prozent beim Wirtschaftswachstum nur eine leichte Rezession. Zum Vergleich: In der Corona-Krise 2020 brach die Wirtschaft um fast vier Prozent ein. Zum anderen sind die Institute aus anderen Gründen für den Arbeitsmarkt optimistisch. Weil die Bundesrepublik altert und schrumpft, sinkt langsam die Zahl der Arbeitskräfte. Vielfach macht sich schon Personalmangel bemerkbar. Die Unternehmen versuchen deshalb, ihre Leute auch in einer Schwächephase zu halten, beobachten die Forscher. "Aufgrund des Personalmangels in vielen Branchen ist trotz der Wirtschaftskrise keine erhöhte Arbeitslosigkeit zu erwarten", sagt Torsten Schmidt vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI).

Die Herbstprognose rechnet damit, dass die Arbeitslosigkeit in diesem Jahr trotz der Eintrübung noch abnimmt, von 2,61 Millionen 2021 auf 2,41 Millionen. Nächstes Jahr werde sie nur leicht steigen, um 150 000 Menschen auf 2,56 Millionen. Und danach wieder abnehmen. "Wenigstens brauchen sich die meisten Menschen angesichts des Fachkräftemangels momentan zumindest keine Sorgen um einen Arbeitsplatzverlust zu machen", sagt Laura Pagenhardt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

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