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Fall Wirecard:Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bafin-Mitarbeiter

Die Frankfurter Behörde hat ein formelles Ermittlungsverfahren gegen Angestellte der Finanzaufsicht eingeleitet. Es geht um deren private Geschäfte mit Wirecard-Aktien - aber nicht nur.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen möglicher Insidergeschäfte mit der Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard gegen Mitarbeiter der Finanzaufsicht Bafin. Dazu habe die Behörde ein formelles Ermittlungsverfahren eingeleitet, wie eine Sprecherin am Montag auf Anfrage bestätigte. Demnach gehe es "um mögliche Verstöße gegen das Wertpapierhandelsgesetz", sagte die Sprecherin, ohne jedoch zu konkretisieren, um welche Delikte es in dem Ermittlungsverfahren genau gehen soll. Derzeit werde noch gegen unbekannte Personen ermittelt. Ende Februar hatte sich die Staatsanwaltschaft zunächst mit einem Informationsersuchen an die Bafin gewandt, über Inhalt und Beweggründe aber keine Angaben gemacht.

Bei der Staatsanwaltschaft waren mehrere Strafanzeigen von Bürgern eingegangen, die der Bafin vorwerfen, die Aufsicht bei Wirecard nicht ordnungsgemäß ausgeübt zu haben. Bereits von sich aus hatte die Behörde seit vergangenem Herbst die privaten Aktiengeschäfte von Bafin-Mitarbeitern strafrechtlich geprüft. Nach dem Zusammenbruch des Zahlungsdienstleisters war bekannt geworden, dass Bafin-Angestellte teils intensiv mit der Wirecard-Aktie spekuliert hatten - was grundsätzlich auch nicht verboten war. Ende Januar hatte die Bafin einen dieser Mitarbeiter freigestellt und selbst bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen Insiderhandelsverdachts angezeigt. Er hatte einer internen Untersuchung zufolge am 17. Juni strukturierte Produkte mit Wirecard-Bezug verkauft. Einen Tag später meldete Wirecard, kein Testat für den Jahresabschluss 2019 zu erhalten. Daraufhin war der mutmaßliche Milliardenbetrug aufgeflogen.

Wie am Wochenende bekannt wurde, untersucht die Bafin in zwei neuen Fällen spekulative Aktiengeschäfte von Mitarbeitern. Laut Antwort auf eine Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Fabio De Masi seien diese bei einer Untersuchung von Mitarbeitergeschäften mit Aktien der US-Unternehmen Gamestop und AMC Entertainment aufgefallen. Die Aktien beider Firmen hatten sich - getrieben von einer in Internetforen angeheizten Spekulationsblase - vor Wochen teils extrem verteuert. Die Bundesregierung verwies darauf, dass es sich bei Gamestop und AMC um US-amerikanische Unternehmen handele und Aktien dieser Firmen nicht dem Handelsverbot der Bafin für private Finanzgeschäfte unterlägen.

© SZ/Bloomberg/dpa/jawi/vit
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