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Nach Aktienabsturz:Wirecard will Zeitung verklagen

Wirecard-Stand auf der Gamescom in Köln

Die Wirecard-Aktie brach nach einem Bericht der "Financial Times" erneut ein.

(Foto: Wolfgang Rattay/Reuters)
  • Der deutsche Zahlungsdienstleister will die Zeitung Financial Times verklagen. Das das sagte eine Sprecherin des Unternehmens.
  • Grund sind Berichte der Zeitung über Vorwürfe von Betrug und Geldwäsche gegen eine Wirecard-Tochter in Singapur.
  • Nach den Berichten hatte die Wirecard-Aktie zwei Mal massiv an Wert verloren.

Ein weiterer Bericht der Financial Times ließ die Aktie des Zahlungsabwicklers Wirecard am Donnerstag zum dritten Mal in kurzer Zeit einbrechen. Das Papier fiel um bis zu 19 Prozent auf 104,85 Euro. Das Unternehmen wies die Vorwürfe erneut zurück. Zudem will es die Wirtschaftszeitung nun verklagen. "Wir werden gegen die ,Financial Times' rechtlich vorgehen", sagte eine Sprecherin der SZ. Dem Vernehmen nach geht es um die Verletzung von Persönlichkeitsrechten von Mitarbeitern, die in den Berichten namentlich genannt wurden.

Zudem hat Wirecard bei der Staatsanwaltschaft München I Anzeige wegen möglicher Kursmanipulation gestellt. Die Behörde arbeite dabei eng mit der Finanzaufsicht Bafin zusammen, die den Fall ebenfalls untersucht, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst. Gegen Verantwortliche von Wirecard selbst werde nicht ermittelt: "Wir haben dazu keinen ausreichenden Anfangsverdacht."

Bereits in der vergangenen Woche war das Papier nach zwei Berichten der Financial Times einmal um bis zu 20 Prozent, ein andermal um bis zu 30 Prozent gefallen. Inzwischen hat das Unternehmen, das seit September im Deutschen Aktienindex Dax notiert ist, an der Börse rund acht Milliarden Euro an Wert eingebüßt.

Führungskräfte in Deutschland sollen von den Vorgängen gewusst haben

In dem neuen Bericht lieferte die Zeitung weitere Details um Vorwürfe von Betrug und Geldwäsche gegen eine Wirecard-Tochter in Singapur. Demnach hat der für Asien zuständige Finanzchef von Wirecard sechs Kollegen in Singapur gezeigt, wie man die eigenen Bücher manipulieren könne, um die Behörden in Hongkong davon zu überzeugen, Wirecard eine Lizenz zu erteilen. Er habe dazu in einem Zahlungskarussell Umsätze mit Kunden vorgegaukelt. Dabei sei es auch darum gegangen, interne Ertragsziele zu erfüllen, hieß es in dem Bericht. Aus Dokumenten, die der Zeitung vorlägen, gehe hervor, dass zwei Führungskräfte in Deutschland von der Praxis "zumindest etwas Kenntnis" hatten.

"Nichts an dem heute erschienenen Bericht ist wahr", teilte Wirecard mit. Bereits am Montag hatte Vorstandschef Markus Braun erklärt, eigene Untersuchungen und die Prüfung einer Anwaltskanzlei hätten keinerlei Belege für ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten gebracht.

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