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Windenergie:Siemens kauft zu

Der Münchner Konzern erwirbt Teile des insolventen Herstellers von Windenergieanlagen Senvion. Damit soll die spanische Tochter Siemens Gamesa gestärkt werden. Viele Jobs werden gerettet, aber bei Weitem nicht alle.

Vor einem halben Jahr ging der Windanlagenbauer Senvion in die Insolvenz, jetzt hat sich Siemens große Teile des Unternehmens gesichert. Siemens Gamesa, die spanischen Tochtergesellschaft der Münchner, erwirbt Dienstleistungs- und Wartungsverträge für Windräder auf dem europäischen Festland, alle Patente sowie die Rotorblatt-Produktion in Vagos in Portugal. Die Verträge wurden jetzt unterzeichnet, der Kaufpreis liegt bei 200 Millionen Euro, die Aufsichtsbehörden müssen noch zustimmen. Damit seien 2000 Arbeitsplätze bei Senvion gerettet, das sind 60 Prozent aller verbliebenen Stellen. In Deutschland übernimmt Siemens Gamesa allerdings nur 500 von einst 1400 Mitarbeitern. 400 haben bereits gekündigt. Der Verkauf soll bis Ende März abgeschlossen sein. Der Rest des Europa-Geschäftes werde abgewickelt, teilte Senvion mit. Laufende Aufträge würden teilweise noch bis Mitte nächsten Jahres abgearbeitet.

"Diese Transaktion ist ein wichtiger Schritt nach vorn für Siemens Gamesa", sagte Markus Tacke, der Chef des Unternehmens, an dem Siemens die Mehrheit der Aktien hält. "Ich bin überzeugt, dass der neue Eigentümer eine gute Zukunftsperspektive für den Geschäftsbereich bietet", sagte Senvion-Chef Yves Rannou. Das börsennotierte Unternehmen hatte sich mit Großaufträgen übernommen.

Die Windkraft-Branche leidet unter einem Preiskampf, der vor allem kleine Anbieter stark belastet. Aber auch große Produzenten wie Vestas und Siemens Gamesa arbeiten an Kostensenkungsprogrammen. In Spanien wird seit dem Bekanntwerden der Übernahme der Senvion-Teile befürchtet, dass es zu einem weiteren Stellenabbau bei Gamesa kommt. Die Siemens-Tochter baut in Spanien Rotorblätter, jetzt kommt das Senvion-Werk in Portugal dazu. Dieses werde die Abhängigkeit von asiatischen Zulieferern reduzieren. Zuletzt hatte Siemens Gamesa in Dänemark die Streichung von 600 Stellen angekündigt, der dänische Wettbewerber Vestas baut im brandenburgischen Lauchhammer 500 Arbeitsplätze ab. Siemens Gamesa mit Hauptsitz in der Nähe von Bilbao soll Teil der neuen Gesellschaft Siemens Energy werden, in der die Energieaktivitäten des Konzerns gebündelt werden. Siemens Energy soll dann vom Konzern abgespalten und als eigene Gesellschaft an der Börse notiert werden. Siemens wird aber vorerst weiter die Mehrheit halten.