Paradise Papers Trump-Minister schlug Profit aus Berichten über Russland-Verbindungen

  • Die Paradise Papers zeigten, wie US-Handelsminister Wilbur Ross an Russland-Geschäften verdiente.
  • Ross wusste vorher, dass entsprechende Berichte erscheinen werden, und versuchte durch eine Wette auf fallende Aktienkurse Geld damit zu verdienen.
Von Frederik Obermaier und Nicolas Richter

Die E-Mail begann höflich, doch ihr Inhalt musste Donald Trumps Handelsminister alarmieren: "Sehr geehrter Herr Minister" begann das Schreiben eines Journalisten, das am 26. Oktober 2017 bei Wilbur Ross einging. Es folgten: mehrere Fragen zu den Geschäften des heute 80-jährigen Milliardärs, insbesondere zu seinen Anteilen an einer Firma namens Navigator Holdings. Die Paradise Papers - jene weltweite Recherche, die von der Süddeutschen Zeitung angestoßen worden war - hatten gezeigt: Ross profitierte über diese Reederei ausgerechnet von Geschäften mit einer Firma, die dem damaligen Schwiegersohn des russischen Präsidenten Wladimir Putin und Kreml-nahen Geschäftsleuten gehört.

Wilbur Ross war also gewarnt - und traf eine bemerkenswerte Entscheidung: Er versuchte, aus den bevorstehenden Negativschlagzeilen Profit zu schlagen. Wie durch Recherchen des Wirtschaftsmagazins Forbes bekannt wurde, wettete Ross bei einem sogenannten Leerverkauf auf einen fallenden Kurs des Unternehmens. Aus einem am Montag von der US-Ethikbehörde veröffentlichen Bericht geht hervor, dass Ross die Wette in einer Höhe zwischen 100 000 und 250 000 Dollar drei Tage nach Eingang der Fragen der New York Times (mit der die SZ bei den Paradise Papers kooperierte) abschloss - und damit noch bevor über seine dubiosen Russland-Verbindungen berichtet wurde.

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Elf Tage nach den Veröffentlichungen beendete Ross den Deal - mit finanziellem Gewinn. Seine Wette war aufgegangen: Der Kurs von Navigator Holdings war in der Zwischenzeit um vier Prozent gefallen. Kritiker werfen Ross deshalb nun vor, Informationen, die zu diesem Zeitpunkt nicht öffentlich waren, zu seinem geschäftlichen Vorteil genutzt zu haben, was einem Minister eigentlich qua Gesetz verboten ist. "Diese neue Information ist sehr beunruhigend und sollte genauer untersucht werden", sagt Virginia Canter von der Nichtregierungsorganisation Citizens for Responsibility and Ethics in Washington, deren Ziel die Bekämpfung von Korruption in der Politik ist, der New York Times. Canter hatte unter Barack Obama für das Weiße Haus gearbeitet.

Mögliche Interessenkonflikte gab es einige

Ross hatte während der Paradise-Papers-Recherchen auf Anfrage zunächst nicht bestritten, über eine Kette von Briefkastenfirmen an Navigator beteiligt zu sein. Die Reederei hat durch Geschäfte mit dem russischen Energiekonzern Sibur seit 2014 mehr als 68 Millionen Dollar umgesetzt. Und Sibur ist in der Hand von Vertrauensleuten des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Einer der größten Aktionäre, Leonid Michelson, kontrolliert eine weitere Energiefirma, die vom US-Finanzministerium wegen der Nähe zu Putin mit Sanktionen belegt wurde. Zwei weitere Eigentümer Siburs sind Gennadi Timtschenko, gegen den wegen seiner Verbindung zu Putin ebenfalls von der US-Regierung Sanktionen verhängt wurden, sowie Kirill Schamalow, der zumindest bis vor Kurzem mit Putins jüngster Tochter verheiratet war.

Für Ross brachte dies eine Vielzahl möglicher Interessenkonflikte mit sich: Erstens, weil er mitmischte im Geschäft mit Seefracht, das er als Minister regulieren soll - zumindest was die USA angeht. Zweitens, weil er als Minister eigentlich die Handelspolitik des "America First" umsetzen soll, gleichzeitig aber von der russischen Konkurrenz auf dem Energiemarkt profitierte. Drittens, weil Navigators Geschäftspartner Sibur von mehreren Putin-nahen Oligarchen kontrolliert wird, die selbst - beziehungsweise deren Firmen - von der US-Regierung mit Strafmaßnahmen überzogen wurden. Ohnehin wird kaum ein Thema in Trumps Präsidentschaft so kontrovers diskutiert, wie dessen dubiose Kontakte zur russischen Regierung.

Ross hatte nach den Paradise Papers versprochen, seine Anteile an Navigator zu verkaufen. Dass er fast zeitgleich auf einen Kursfall wettete, verschwieg er der Öffentlichkeit jedoch zunächst. Er profitierte offenkundig von dem Wissen, dass die SZ, die New York Times und ihre Partnermedien schon bald über ihn und Navigator berichten würden. Den Vorwurf des Insiderhandels wies Ross auf SZ-Anfrage jedoch zurück: "Die Tatsache, dass ein Reporter eine Geschichte über mich plant, ist sicherlich keine marktbewegende Information." Er habe sich an die Regeln zur Vermeidung von Interessenkonflikten gehalten.

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