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Wiederaufbau in Libyen:In der Transall nach Bengasi

Deutsche Unternehmer bereiten sich darauf vor, wieder Geschäfte in Libyen zu machen. Doch die Bedingungen sind schwierig, politische Stabilität ist noch nicht in Sicht. Für konkrete Pläne ist es vielen Firmen deshalb noch zu früh.

So oft wurde Hans W. Meier Ewert lange nicht mehr angerufen. Seit Gaddafis Regime vor dem Sturz steht und viele auf ein Ende des Bürgerkrieges in Libyen hoffen, steht sein Telefon nicht mehr still. Unternehmer und Firmenchefs wollen wissen, wie es aussieht. Die deutsche Wirtschaft will beim Wiederaufbau Libyens helfen, doch die Unsicherheit ist groß.

BASF-Tochter Wintershall - Anlagen in Libyen

Mitarbeiter der Firma Wintershall fahren auf der Wüstenpiste vom Wohn-Camp zu den fünf Kilometer entfernt liegenden Produktionsstätten nahe Jakhira. Wintershall und andere deutsche Unternehmen hoffen auf gute Geschäfte in Libyen - auch nach dem Sturz von Gaddafi.

(Foto: Archivbild dpa)

Meier Ewert ist Geschäftsführer des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft. Er war oft in der Region. Der besonnene Mann berichtet von seiner letzten Libyen-Reise, die gerade drei Wochen her ist. Der Afrika-Verein und das Bundeswirtschaftsministerium hatten eine Delegation nach Bengasi geführt. Dabei waren viele, deren Firmen noch am Jahresanfang in Libyen investiert hatten. Dann brachen im Februar die Unruhen aus. Alles wurde auf Eis gelegt.

Einfach war das mit dem Flug nach Bengasi nicht. Denn die Lufthansa, die bis Februar täglich von Frankfurt nach Tripolis flog, hat die Verbindung aus dem Flugplan gestrichen. Die 26 Besucher aus Deutschland reisten in einer Transall-Maschine des Verteidigungsministers. An Bord waren Leute von Wintershall, Bilfinger Berger, Ferrostaal und anderen Firmen. Auch Säcke mit Geld sollen in dem Flugzeug gewesen sein. Doch das will niemand bestätigen - wegen des EU-Embargos gegen Libyen. Seit Bankkonten gesperrt sind, kann nichts überwiesen werden. Das trifft auch die Mitarbeiter der deutschen Firmen. Einige von ihnen arbeiten noch, indem sie Anlagen und Camps bewachen. Sie sollen ihren seit Februar ausstehenden Lohn erhalten haben. Das ist verantwortungsvoll von den Firmen, doch die Politik darf davon nichts wissen.

Im Wüstenstaat Libyen mit seinen reichen Öl- und Gasvorkommen waren zuletzt deutsche Unternehmen vor allem aus der Energiewirtschaft und dem Anlagenbau tätig sowie Baufirmen. Nach Schätzungen des Afrika-Vereins waren etwa 60 deutsche Unternehmen mit Niederlassungen in Libyen vertreten. Insgesamt 100 sollen Geschäftsverbindungen in das Land unterhalten haben.

Vor dem Bürgerkrieg war Libyen einer der wichtigsten Öllieferanten Deutschlands. Im vorigen Jahr lieferte Libyen Öl im Wert von gut drei Milliarden Euro nach Deutschland - das war nahezu die gesamte libysche Einfuhr nach Deutschland. Im Gegenzug lieferten deutsche Firmen Waren für 996 Millionen Euro, vor allem Maschinen, Nahrungsmittel, Kfz-Teile und chemische Erzeugnisse.

Die Unternehmen beobachten die Lage in dem nordafrikanischen Land sehr genau. "Politische Stabilität ist Voraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung", sagt Nordafrika-Experte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Felix Neugart. Wenn Rechtssicherheit da sei, dann böten sich Chancen auch für Mittelständler, die bislang Investitionen in Libyen scheuten.

Aus Deutschland waren die Energiekonzerne Wintershall (BASF) und RWE-Dea in Libyen tätig. "Derzeit ist es noch zu früh zu sagen, wann, wie und unter welchen Voraussetzungen die Produktion in Libyen wieder aufgenommen werden kann", erklärt ein Wintershall-Sprecher am Dienstag. Grundsätzlich könne die Produktion innerhalb einiger Wochen aufgenommen werden. Wintershall fördert seit Ende Februar kein Öl mehr in der libyschen Wüste. Von den 450 Mitarbeitern stammen mehr als drei Viertel aus Libyen. "Unsere internationalen Mitarbeiter wurden ausgeflogen. Die lokalen Mitarbeiter, die in Libyen verblieben sind, betreuen die Produktionsstätten in der Wüste", sagt der Sprecher. Auch bei RWE-Dea heißt es, man warte ab. Der Konzern hat zwei Konzessionen zur Ölförderung und beschäftigt vor allem in Tripolis mehr als 100 Mitarbeiter.

Der Baukonzern Strabag, der in Libyen Autobahnen baut, will frühestens im Herbst entscheiden, ob er in das Land zurückgeht. Bei Strabag liegen Projekte mit einem Auftragsbestand von 350 Millionen Euro auf Eis. 1000 Mitarbeiter, viele von ihnen stammen aus Asien, wurden in ihre Heimatländer zurückgeschickt. So viele sind es bei Bilfinger Berger bei weitem nicht, doch auch dort heißt es, man warte ab. Hans W. Meier Ewert vom Afrika-Verein ist zuversichtlich. Es sei eine "positive revolutionäre" Stimmung in der Bevölkerung spürbar. Aber auch der Wille zum Aufbau eines neuen und vereinigten Libyens.