Viele Firmenchefs werden in diesen Wochen in Berlin vorstellig, um in wirtschaftlich schweren Zeiten Hilfen des Staates oder der Förderbank KfW zu erbitten. Auch Wendelin Wiedeking ist darunter, der Vorstandsvorsitzende der Porsche AG. Doch der Konzernchef aus Stuttgart mag auf keinen Fall mit Unternehmen gleichgesetzt werden, die ein Sanierungsfall sind. "Porsche ist ein kerngesundes Unternehmen, nicht vergleichbar mit Opel, Schaeffler oder Arcandor", heißt es in einem Papier, mit dem der Sportwagen-Hersteller bei der Politik hausieren geht ( siehe Bild unten). Ziel der Aktion: Die Staatsbank KfW soll dem Stuttgarter Unternehmen einen Großkredit über 1,75 Milliarden Euro gewähren.

An diesem Freitag könnte eine Vorentscheidung fallen, ob Porsche das Geld bekommt. Dann wollen sich offenbar Vorstand und Lenkungsausschuss der KfW mit dem Kreditantrag aus Schwaben befassen. Dem Lenkungsausschuss gehören vier Vertreter der Bundesregierung an, er befindet ab einer bestimmten Größenordnung über Darlehen. Sowohl in Regierungs- wie auch in Oppositionskreisen gibt es aber erhebliche Vorbehalte gegen die Stuttgarter Geldwünsche.
"Vorübergehende Liquiditätslücke"
Porsche habe eine "vorübergehende Liquiditätslücke" in Höhe von 1,75 Milliarden Euro, schreibt der Konzern in seinem "Argumentations-Papier", das Politiker von der Kreditwürdigkeit überzeugen soll. Man sei "unverschuldet" in diese Lage geraten, steht in dem Dokument. Der Kreditbedarf sei eine Folge der Finanzkrise. Grund für die Liquiditätslücke sei vor allem der "Totalausfall amerikanischer Geschäftsbanken und der Ausfall europäischer Banken", die privaten Kreditinstitute in Deutschland könnten das nicht ausgleichen.
Dass der Sportwagen-Hersteller sich als Opfer der Finanzkrise verkauft, statt eigene Fehler einzugestehen, kommt in der Hauptstadt Berlin nicht gut an. Christine Scheel, Finanzexpertin der Grünen im Bundestag, verweist auf Wiedekings Vorhaben, den viel größeren Autokonzern VW zu übernehmen. Hier hat Porsche neun Milliarden Euro Schulden angehäuft und sich verhoben. Es sei nicht Aufgabe des Staates, solche Übernahmepläne mit einem KfW-Kredit "indirekt zu unterstützen", sagt Scheel. Und sie spricht von einem "Machtspiel zweier Großindustrieller", in das die Staatsbank nicht hineingezogen werden solle.
Gemeint sind Wiedeking und Ferdinand Piëch, Oberhaupt der gleichnamigen Familie, der zusammen mit dem Porsche-Clan das Unternehmen gehört. Wiedeking und Piëch sind zerstritten, sie ringen um die Vorherrschaft bei Porsche. Ein Großkredit der KfW würde Wiedeking viel Luft verschaffen und in diesem Machtkampf sehr helfen. Gestützt wird der Konzernchef von Wolfgang Porsche, Aufsichtsratsvorsitzender des Sportwagen-Herstellers.
Bei Porsche ist man guter Hoffnung, den bei der Staatsbank beantragten Milliardenkredit zu bekommen. Die KfW habe das Vorhaben bereits eingehend geprüft, schreibt der Auto-Konzern in seinem Argumentationspapier, das die Bundesregierung überzeugen soll.
"Praktisch kein Ausfallrisiko"
Ein Ergebnis der internen KfW-Prüfung hat Porsche in dem Papier auch schon notiert: "KfW befürwortet Kreditantrag als genehmigungsfähig." Nun müsse der Lenkungsausschuss entscheiden. Bei der Staatsbank und in deren Umfeld wird freilich abgewiegelt. Der Vorstand habe noch nicht entscheiden, was er dem Lenkungsausschuss und damit der Bundesregierung vorschlagen wolle, heißt es.
Porsche wirbt in Berlin und auch bei Landespolitikern in Baden-Württemberg mit allerlei Argumenten und Versprechen für den KfW-Kredit. Es gehe nicht darum, weitere VW-Aktien zu kaufen. Man brauche das Geld für das laufende Geschäft, und für mittelständische Zulieferer, die in Bedrängnis geraten und nun auf Unterstützung durch Porsche angewiesen seien. Porsche wiederum sei von den Zulieferern abhängig. Man könne schließlich keine Autos ausliefern, bei denen beispielsweise die Türen die Türen fehlten, heißt es in Stuttgart.
Glaubt man Porsche, dann wäre der Milliardenkredit ein gutes Geschäft für die KfW. Es bestehe "praktisch kein Ausfallrisiko", man biete guten Sicherheiten (Aktien) und zahle marktübliche Zinsen. Und dank der guten Verkaufszahlen bei den Sportwagen könne man das Darlehen "voraussichtlich kurzfristig aus eigener Kraft zurückzahlen". Bis Ende 2010 solle der Kredit getilgt sein, wird bei Porsche beteuert. Das Resümee in dem Papier für die Politiker: Die Kreditvergabe sei im Interesse Deutschlands. "Wenn schon wirklich gefährdeten Unternehmen wie Opel ... geholfen wird mit hohen Risiken für Steuergelder, dann erst recht gesunden Unternehmen wie Porsche ohne Risiko für Steuergelder."