Wie Deutsche die goldenen Jahre erlebt haben Christiane Schulz- Rother, Buchhändlerin

(Foto: oh)

Von Dieter Sürig

Die Berliner Buchhändlerin kann sich nicht daran erinnern, dass die vergangenen Jahre gravierende wirtschaftliche Boomjahre in ihrer Branche gewesen wären. Im Gegenteil: Seit 2012 hat der deutsche Buchhandel mehr als sieben Millionen Buchkäufer verloren - da muss man sich etwas einfallen lassen. "Über die Jahre haben wir ein stetiges kleines Minus", sagt Schulz-Rother. Als dann auch noch Filialisten wie Thalia in ihre Nähe kamen, hat sie gehandelt und sozusagen aus der Not eine Tugend gemacht. "Ich habe mir ein kleines Netz mit vier Buchhandlungen aufgebaut, um mich abzusichern." Nur mit ihrem Stammgeschäft "Tegeler Bücherstube" wäre es "wirtschaftlich schwierig geworden", also ging sie in die Offensive, erzählt die 50-Jährige . Dies ist mutig, zumal die Branche auch noch durch das Internet und die Digitalisierung aufgemischt wurde. "Amazon haben wir schon gespürt, nun gibt es aber eine Rückbesinnung, vor Ort einzukaufen", freut sich Schulz-Rother. "Die Kunden kaufen bewusster ein, deshalb haben wir wieder Zulauf." Ihr ist auch nicht bange, wenn es mit der Konjunktur wieder bergab gehen sollte. Das Buch gehe in schlechten Zeiten besser als teure Konsumgüter, findet sie. Und wenn der 15 Minuten entfernte Flughafen Tegel doch irgendwann einmal schließen sollte, hofft sie auf Uni-Institute und Wohnungen, die dort gebaut werden sollen. Das bringt neue Kunden. Weitere Filialen will sie aber nicht eröffnen: "Vier Buchhandlungen reichen erst einmal, ich möchte auch noch am Kunden dran sein." Deshalb will sie "weiterhin die Kundenzufriedenheit steigern, die Homepage relaunchen und den Markt beobachten". Wirklich negativ hat sie zuletzt empfunden, dass sich die Buchbranche weiter konzentriert - wie gerade durch die Fusion der Ketten Thalia und Mayersche Buchhandlung. "Da bekomme ich Angst wegen der Marktmacht und um die Qualität". Zumal auch die meisten Verlage unter einem enormen wirtschaftlichen Druck stünden.