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Widerstand gegen Stromtrassen:Hauptsache, weit weg

Exemplarisch steht dafür der bayerische Populismus. In abgeschwächter Form ist dieses Verhalten aber auch anderswo zu beobachten - in Berlin ebenso wie in den übrigen Bundesländern. Sobald Widerstände auftauchen, zuckt man zurück - dabei würden am Ende alle profitieren, wenn die deutsche Stromversorgung sauberer (weniger Kohle) und sicherer (keine Atomkraftwerke) wäre.

Man erinnere sich: Als vor drei Jahren der Reaktor im japanischen Fukushima in die Luft flog, war Seehofer einer der Ersten, die möglichst viele Meiler abschalten wollten und den verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energien forderten. Er und sein damaliger Umweltminister Markus Söder trieben die Bundeskanzlerin vor sich her. Das bayerische Atomkraftwerk Grafenrheinfeld bei Schweinfurt wird 2015 abgeschaltet. Deshalb war klar: Es muss bald Ersatz für den Atomstrom her - am besten aus Bayern (aber der Ausbau der Windkraft geht dort nicht so schnell voran wie anderswo), oder eben aus dem Norden der Republik. Andernfalls drohen schon bald Blackouts.

Hart verhandelten Seehofer und seine Leute deshalb über den Ausbau der Netze. Die "Thüringer Strombrücke", eine besonders wichtige Verbindung in dem neuen Geflecht aus Gleichstromleitungen, tauchte in fast jeder Rede auf, die ein bayerisches Kabinettsmitglied zur Energiewende hielt. "Thüringer Strombrücke" - das klang weit weg, wie ein Projekt, das Bayern nicht berührt. Nun aber wird vielen Menschen bewusst, dass auch bei ihnen neue, bis zu 70 Meter hohe Strommasten und neue Leitungen gebaut werden - und zwar nicht bloß in Bayern, sondern auch in allen anderen Bundesländern. Man ahnt: Es wird noch sehr viel mehr Proteste geben.

Die Politik müsste deshalb den Bürgern schleunigst erklären, dass es bei der Energiewende, vereinfacht gesagt, nur zwei mögliche Wege gibt. Erstens: den großen Masterplan, bei dem man die Stromversorgung republikweit organisiert und die Lasten gemeinsam verteilt - dazu gehören nicht nur Windräder und Kollektoren, sondern auch die Leitungen und Gaskraftwerke, die anspringen, wenn es dunkel und windstill ist. Oder aber zweitens: die dezentrale Lösung, bei der möglichst viel Strom lokal produziert wird - und sei es durch das Windrad in Sichtweite des eigenen Hauses.

Beides abzulehnen, das funktioniert nicht. Oder wie es in den "21 Punkten zu den Physikern", einem Anhang zu Dürrenmatts Komödie, unter Punkt 17 heißt: "Was alle angeht, können nur alle lösen."