WestLB Geschäfte im Stadion

Dubiose Deals der WestLB sollen bei der Fußball-WM 2006 eingefädelt worden sein. Ein Händler soll sich anschließend über die Bank lustig gemacht haben.

Von Klaus Ott

Das Spiel gegen Polen bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 war wegweisend für das deutsche Team. Kurz vor Schluss gelang der Treffer zum 1 : 0. Das Stadion in Dortmund bebte. Der hart erkämpfte Sieg schweißte Mannschaft und Fans zusammen. Wegweisend war diese Partie offenbar auch für die damalige WestLB, für die nordrhein-westfälische Staatsbank, die dem Land gehörte. Ein Börsenhändler hatte mehrere WestLB-Manager ins Stadion eingeladen und ihnen vorgeschwärmt, welch tolle Geschäfte mit Cum-Ex möglich seien. Beim Handel von Aktien mit (Cum) und ohne (Ex) Dividende ließen sich schöne Profite auf Kosten des Fiskus erzielen.

Die Episode von der WestLB und der WM 2006 hat einer der Cum-Ex-Insider erzählt, die bei der Staatsanwaltschaft Köln und beim Landeskriminalamt NRW auspacken. Nach Angaben dieses Insiders hat die damalige Landesbank "gewusst, was läuft", und auch mitgemacht. Gemeint ist: Gewinne einstreichen per Griff in die Staatskasse. Die WestLB habe geglaubt, das große Rad zu drehen. Sie sei aber von ihren Geschäftspartnern bei Cum-Ex mit spärlichen Anteilen abgespeist worden und habe "wenig kassiert". In Behördenkreisen ist vom "betrogenen Betrüger" die Rede. Was nichts daran ändert, dass frühere Vorstände der WestLB gegen Recht und Gesetz verstoßen haben sollen: Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall.

Der Insider belastet mit seiner Aussage die inzwischen abgewickelte Landesbank schwer. Ausgerechnet das staatliche Geldinstitut soll den Staat betrogen haben. Die Nachfolgebank Portigon hat der Ermittlungen wegen den Jahresabschluss für 2016 verschoben. Portigon will erst einmal die Hinweise auf Cum-Ex-Geschäfte aufarbeiten, die sich aus den Untersuchungsakten der Behörden ergeben. Das Land NRW hatte 2015 von einem Informanten für fünf Millionen Euro eine CD mit Cum-Ex-Informationen gekauft, die auch Details über Geschäfte der damaligen WestLB enthält. Das betrifft Aktiendeals vor allem in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts.

Das Material auf der CD war Auslöser für das Verfahren der Staatsanwaltschaft Düsseldorf, das sich gegen frühere Landesbank-Vorstände richtet, die für die Steuererklärungen in den Jahren 2007 bis 2011 verantwortlich waren. Nun kommen die Erkenntnisse des Insiders hinzu. Er hat den Behörden den ausländischen Börsenhändler genannt, der ins Stadion nach Dortmund eingeladen und der die Cum-Ex-Transaktionen mit der WestLB abgewickelt habe. Der Händler habe sich anschließend "lustig" gemacht über die deutsche Staatsbank. Weil die nicht gemerkt habe, dass er, der Börsenhändler, den größten Teil des Profits für seine US-amerikanische Investmentbank vereinnahmt habe.

Die Portigon AG, die ebenso wie der Vorgänger WestLB dem Land Nordrhein-Westfalen gehört, kann oder will sich derzeit zu alledem nicht äußern. Zu dem WM-Spiel in Dortmund und zum mutmaßlichen Griff in die Staatskasse lägen der Portigon "keine Erkenntnisse" vor, teilte sie auf Anfrage mit. Man unterstütze die Staatsanwaltschaft, man äußere sich aber nicht zum Stand der noch laufenden Ermittlungen, erklärte Portigon. Deren Büros waren im vergangenen November durchsucht worden.

Deutlich auskunftsfreudiger ist Norbert Walter-Borjans (SPD), Finanzminister von NRW und Aufsichtsrat bei Portigon. "Wir in Nordrhein-Westfalen verfolgen Steuerhinterziehung mit aller Konsequenz", hat der Minister wiederholt geäußert. Für landeseigene Unternehmen gebe es da "keine Sonderbehandlung". Ihm gehe es um eine "konsequente und schonungslose Aufklärung" aller Hinweise auf Cum-Ex-Geschäfte auch bei der ehemaligen WestLB.