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Wertpapiere:Sparkassen-Fondshaus im Krisenmodus

Die Deka-Bank legt stabile Zahlen vor, vertagt die Fusionsgespräche mit der Hessischen Landesbank - und wehrt sich gegen Kritik an ihren Zertifikaten.

Von Jan Willmroth, Frankfurt

Eine Binsenweisheit besagt, man solle sich nach dem Aktienkauf einfach schlafen legen. Nicht mehr ins Depot schauen, schon gar nicht in Krisenzeiten, einfach beharrlich weiter investieren, denn langfristig zahle sich das aus. Von den Kunden der Sparkassen sind offenbar viele dem Rat gefolgt und haben sich von den Kursschwankungen an den Finanzmärkten in den vergangenen Wochen nicht beeindrucken lassen. Es habe keine größeren Verkäufe gegeben, hieß es am Dienstag bei der Deka-Bank, dem Fondshaus der Sparkassen. "Wir haben tatsächlich eine hohe Besonnenheit unserer Kunden festgestellt", sagte Bankchef Georg Stocker zur Vorlage der Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr.

Die fielen dank des wachsenden Geschäfts stabil aus: Angesichts der steigender Börsenkurse kauften Anleger im vergangenen Jahr Fonds und Zertifikate im Wert von 18 Milliarden Euro, nach einem Absatz von 11,8 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Der Gewinn sank trotzdem um vier Prozent, wegen hoher Sonderbelastungen für Pensionsrückstellungen und Problemen bei einer Tochtergesellschaft. Für die Krise sieht Stocker die Bank gut gerüstet, den "aktuellen Corona-Stresstest" habe man bislang gut überstanden. Eine Prognose für 2020 traute er sich aber nicht zu.

Die Deka Bank legt neben Fondsprodukten seit 2013 auch Zertifikate für Privatanleger aus. In diesem Segment ist die Bank Marktführer. 2019 kauften Privatanleger Zertifikate im Wert von 5,3 Milliarden Euro - bei einem gesamten Wertpapierabsatz an private Kunden von 11,1 Milliarden Euro. Im Zuge der Krise gerieten viele der Produkte unter Druck und reagierten auf die Kursstürze an den Börsen mit überproportionalen Verlusten. Bezeichnungen wie "Express-Zertifikat Relax" versprechen dabei trügerische Sicherheit. Stocker verteidigte die Produktklasse am Dienstag gegen die vor allem von Verbraucherschützern geäußerte Kritik. Man müsse die Produkte immer erst zum Ende ihrer Laufzeit betrachten. Bei einer regelmäßigen Laufzeit von fünf Jahren könnten die meisten Zertifikate ihre zwischenzeitlichen Verluste wieder aufholen; überhaupt seien die meisten Papiere zinsgebunden und daher nicht betroffen. Von den aktiengebundenen Zertifikate werden bis Ende 2020 Papiere im Wert von 920 Millionen Euro fällig. Davon notieren nach Bankangaben etwa 38 Prozent im Minus. "Auch bei diesen Zertifikaten gibt es noch die Möglichkeit der Wertaufholung", sagte Stocker.

Deutlich weniger aktiv vertreiben die Sparkassen dagegen börsengehandelte Indexfonds (ETFs). Die Produkte sind für Anleger in der Regel kostengünstig, für die Banken aber wenig ertragreich. Im Deka-Vorstand erklärt man den relativ überschaubaren Absatz von ETFs mit der geringen Risikobereitschaft der Kunden. Die würden gerade jetzt von defensiven Fondsprodukten profitieren, bei denen die Kursverlustrisiken begrenzt seien, hieß es.

Ein Thema, das bis vor einigen Wochen noch die Gemüter im Sparkassenlager bewegt hatte, liegt jetzt komplett auf Eis: Die Gespräche mit der Landesbank Hessen-Thüringen über eine mögliche Fusion sind angesichts der Krise auf unbestimmte Zeit vertagt - jetzt habe man ganz andere Prioritäten, sagte Stocker.

© SZ vom 08.04.2020
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